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Investor ausgebremst : Alles auf Null in Fahrensodde

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Heftiger politischer Streit um die Notbremse für die Zusammenarbeit mit der Firma Dantronik und Mathias Hartmann

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2014 | 06:30 Uhr

Das Tischtuch ist zerschnitten. Rund eineinhalb Jahre dauerte der Versuch einer gedeihlichen Zusammenarbeit zwischen der Stadt und dem Unternehmer Mathias Hartmann, der auf dem Grundstück Fahrensodde 20 ein maritimes Dienstleistungszentrum errichten wollte – innerhalb des von der Stadt gesteckten Rahmens. Am Dienstag hat der Planungsausschuss eine Empfehlung an die Ratsversammlung beschlossen, die Zusammenarbeit zu beenden (wir berichteten).

Damit steht die Entwicklung auf dem früheren Dasa-Gelände wieder auf Null. Der von CDU, SPD, Grünen und FDP gefasste Beschluss sieht die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Grundstück vor. Dessen Inhalte sind nicht weit davon entfernt, was Hartmann mit seinen Partnern dort realisieren wollte: maritime Dienstleistungen, Büros, Zugang für die Öffentlichkeit. Ist der Bebauungsplan fertig, sollen die Teilstücke des Projekts einzeln oder das Projekt als Ganzes ausgeschrieben werden.

Nach der Notbremse im Planungsausschuss gibt es gegenseitige Vorwürfe. In der öffentlichen Sitzung ist das Hauptargument, dass es mit Hartmann einfach nicht voran gehe, dass mit ihm keine Einigung über die Pachtdauer und die Höhe des Pachtzinses zu erzielen sei. Gegenüber dem Tageblatt verweist Arne Rüstemeier (CDU) auf die Liste der Punkte, die nicht erfüllt worden seien: Abschluss eines Pachtvertrages, Beseitigung des „Schimmelpalastes“, Anlage einer unbefestigten Promenade, Abschluss der Finanzierungsverhandlungen und der Vertragsverhandlung mit Hauptmietern.

Hartmann hingegen fühlt sich durch den Beschluss „betrogen“; er habe rund 100 000 Euro in das Projekt investiert. „Man hat Forderungen gestellt und Rahmenbedingungen gesetzt, die nicht funktionieren konnten und vielleicht auch gar nicht sollten“, sagt er in Richtung Verwaltung. Es sei nicht richtig, dass er das letzte Angebot, das auf Vermittlung des SPD-Ratsherrn Axel Kohrt zu Stande gekommen war, abgelehnt habe – vielmehr habe er an zwei Punkten noch Verhandlungsbedarf gesehen: bei der Laufzeit des Pachtvertrages und beim Rückfall der Liegenschaften an die Stadt.

Zur Pacht: Die Stadt wollte einen Grundstückswert von 100 Euro pro Quadratmeter bei der Ermittlung der Pacht zu Grunde legen. Nach Tageblatt-Informationen habe Hartmann in einem Schreiben diesen Wert kurzerhand durch 50 Euro ersetzt. Die Bodenrichtwertkarte des Gutachterausschusses sehe sogar nur 30 Euro vor, so Hartmann gegenüber dem Tageblatt.

Kohrt beklagt, dass die „Bedingungen immer wieder in Frage gestellt“ worden seien und dass man mit den Forderungen seitens der Stadt immer weiter zurück gegangen sei. Als es selbst nach einem Vier-Augen-Gespräch zwischen ihm und Hartmann keine Einigung gegeben habe, wurde auf politischer Ebene der Ausstieg vereinbart, der jetzt noch von der Ratsversammlung am 3. Juli bestätigt werden muss.

Hartmann fragt sich, wie das Projekt mit einem Bebauungsplan umgesetzt werden soll, wenn die für ihn geltenden Rahmen- und Pachtbedingungen bestehen und für neue Investoren gültig bleiben. Das werde er genau beobachten.

Im politischen Bereich hat der mehrheitlich beschlossene Ausstieg zu heftigen Verwerfungen geführt. „Jetzt erleben wir, wie eine gute Idee kaputt gemacht wird“, sagte Glenn Dierking (SSW). Vier Jahre Arbeit seien für die Katz. „Jetzt geht es in Richtung Ferienwohnungen.“ In der Tat hatte die FDP-Fraktion einen früheren Plan für Wohnbebauung auf dem Grundstück ins Spiel gebracht; dieses Passus ist allerdings wieder gestrichen worden. Frank Hamann (Linke) nannte findet die „Kehrtwende ungeheuerlich“ und mahnt, dass Hartmann Schadenersatzforderungen stellen könnte.

Ein anderer politischer Vertreter beklagt Hartmanns „Geschäftsgebaren“ und sagt es emotional: „Wir haben keine Lust, uns weiter vorführen zu lassen.“

 

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