zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

22. Oktober 2017 | 01:25 Uhr

Allein zwischen Storch und Seeadler

vom

Die Studentin Nadine Menke (24) erlebt als Vogelwartin spannende Arbeitstage im Schutzgebiet Geltinger Birk

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2013 | 03:59 Uhr

NIEBY | Sie fühlt sich nicht als weiblicher Robinson. "Einsamkeit spüre ich hier keineswegs. Jeder Tag ist doch spannend." Dies sagt die 24-jährige Studentin Nadine Menke von der Universität im niedersächsischen Oldenburg zu ihrem halbjährigen Einsatz als neue Vogelwartin auf der Birk. Sie wohnt und arbeitet in der abgelegenen Naturschutz-Hütte, die - rund zwei Kilometer von der Mühle Charlotte entfernt - dicht am Ufer der Geltinger Bucht liegt. Menke ist - als so genannter "Bufdi" (Bundesfreiwilligendienst) - vom Nabu-Landesverband eingesetzt. Finanziell bedeutet das: Von 400 Euro Monatssalär bleiben nach Abzug der Kosten für die Unterkunft 280 Euro für den "normalen Alltag" übrig. Fachlich betreut wird die Neue von den der Nabu-Gruppe Ostangeln angehörigen Ornithologen Michael Fischer und Gerhard Herchet.

Die 24-Jährige studiert in Oldenburg Landschaftsökologie mit dem Schwerpunkt Pflanzenkunde. "Ich möchte auf der Birk jedoch mein Wissen um das ornithologische Spektrum erweitern." Dazu hat sie seit Mitte März ausreichend Gelegenheit. Täglich kommt der Seeadler über das Noor in Richtung Hütte geflogen, und wenn sich hungriger Nachwuchs im Horst befindet, dann dürfen sich auch die Kormorane in ihrer Birk-Kolonie nicht in Sicherheit wiegen.

"Erstmals seit mehreren Jahrzehnten hat sich hier auch ein Weißstorch blicken lassen", berichtet die Vogelwartin. Offensichtlich überprüft Adebar die Möglichkeiten einer Niederlassung als Brutvogel. Durch die Anlage von Teichen im Naturschutzgebiet hat sich in jüngster Zeit das Nahrungsangebot für Störche verbessert: Der Frosch ist wieder da.

An zwei Tagen in der Woche begibt sich Nadine Menke auftragsgemäß an bestimmte Beobachtungspunkte im fast 800 Hektar großen Gebiet, um Vogelarten zu bestimmen und Schwärme zu zählen. Aktuell hat sie protokolliert, dass Tausende von Nonnen- und Ringelgänsen, vom Wattenmeer kommend, über die Birk nach Osteuropa ziehen. Rotschenkel und Austernfischer bleiben als Brutvögel vor Ort. Relativ schnell hat die Neu-Ornithologin ihr Wissen um die typischen Merkmale der vielen Seevogel-Arten komplettieren können, aber, so räumt sie ein, "das akustische Erkennen der verschiedenen Vogelstimmen fällt mir nicht leicht, wenn ich die Sänger in den Laubbäumen nicht sehen kann".

Interessierte Besucher führt die Studentin an drei Terminen pro Woche durch das Schutzgebiet, das für sie bei ihrem Dienstantritt absolutes Neuland war. Inzwischen hat sie sogar schon ihre Eltern, die in der Nähe von Bielefeld leben, an ihrem Bufdi-Arbeitsplatz als Gäste begrüßen können.

Ihnen hat sie auch von einem besonderen Einsatz erzählt: Da musste sie den Verantwortlichen des Wildpferde-Vereins Geltinger Birk und der Integrierten Station Falshöft dabei helfen, eine kranke Konik-Stute einzufangen und zu behandeln. Das Tier litt unter einer Entzündung des Euters. Doch inzwischen ist es wieder wohlauf.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen