Alle Zeit für die kleinen Sportler

Trainer Edgar Claussen hat die Rhönradgruppe in der Turnerschaft Sonderburg aufgebaut und wurde für seinen Einsatz ausgezeichnet.
Trainer Edgar Claussen hat die Rhönradgruppe in der Turnerschaft Sonderburg aufgebaut und wurde für seinen Einsatz ausgezeichnet.

Rhönradtrainer Edgar Claussen turnte selbst nie an dem Gerät, führte aber seine Sportler immer wieder zu Erfolgen

shz.de von
16. November 2013, 00:33 Uhr

Edgar Claussen sagt zu der kleinen Sportlerin: „Du gehst in das laufende Rad rein und machst einen Salto von oben runter.“ Die Turnerin schluckt erstmal, aber ihr Trainer macht ihr Mut: „Das geht, das kannst du!“ Und dann geht es tatsächlich, das Kind hat das Rhönrad im Griff. Dass Edgar Claussen wiederum die Kinder im Griff hat und sie motiviert, liegt auch daran, dass er die Nerven behält. Obwohl in fliegendem Wechsel Kinder in die Halle reinkommen und rausgehen. „Ich glaube, jeder andere Trainer würde bei dem Gewusel von fast 30 Kindern und dem entsprechenden Lärmpegel die Hände über dem Kopf zusammenschlagen“, sagt er lachend. Claussen hat die Geduld. „Rhönradturnen ist sehr Trainer-intensiv. Jeder braucht neue Übungen, und bei jedem muss ich dabeistehen. Aber Kindern Spaß an der Bewegung zu vermitteln, das ist das Schönste, was es gibt“, versichert der Sportlehrer, der seit 1995 an der Deutschen Schule Sonderburg Mathematik, Physik, Chemie und Werken unterrichtet. Seine Frau arbeitet an derselben Schule. Für seinen „außerordentlich starken Einsatz für die deutsche Volksgruppe“ erhielt Claussen den Nordschleswig-Preis 2013 beim Deutschen Tag in Tingleff – unter anderem für das Engagement als Kreisschulsportbeauftragter in Nordschleswig sowie für den Aufbau der Rhönradgruppe der Turnerschaft Sonderburg. „Ich bin nicht unbedingt ein Freund solcher Ehrungen. Aber trotzdem freue ich mich über die Anerkennung.“ Aber das Hauptmotiv für seinen Einsatz sind die Kinder selbst. „Es geht nichts über ihre strahlenden Augen, wenn sie Spaß am Sport haben“, so der 56-Jährige, der in Tensbüttel-Röst in Dithmarschen geboren wurde, später in Flensburg studierte und dann „hier oben hängen geblieben“ ist. Mit dem Aufbau der Rhönradgruppe der TS Sonderburg begann Edgar Claussen 2006 in seiner Freizeit. Mittlerweile ist die Abteilung zu einer großen, leistungsstarken Sparte herangewachsen – und ist auch im Wettkampf sehr erfolgreich: Im Mai dieses Jahres war Claussen mit acht Turnerinnen beim internationalen Turnfest in Mannheim, wo alle Mädchen gute Platzierungen erreichten. Gerade erst fuhr er mit Rhönradturnerin Mia Caroline Petersen, die Vizelandesmeisterin ihres Jahrgangs in Schleswig-Holstein wurde und sich so für den Deutschland-Cup qualifizierte, zu einem Wettkampf nach Würzburg.

Dass sich für das Rhönradturnen kaum Jungen interessieren, liegt wohl daran, „dass es ihnen nicht tobig genug ist“, vermutet Edgar Claussen, der in Flensburg zudem die Fußballmannschaft seines neunjährigen Sohnes Jasper trainiert. Seine Tochter Jule (zwölf) hingegen hat Freude am Rhönradturnen und ist bei den Wochenendtrainings ihres Vaters meist dabei. Zum Dienstagstraining in der DSS versammeln sich Kinder bis zur 9. Klasse. Etwas Hilfe bekommt Claussen dabei von einer Mutter, zum Beispiel wenn zehn Kinder zugleich die Schnürsenkel zugebunden haben wollen.

Aber das eigentliche Training macht Edgar, der selbst nie am Rhönrad geturnt hat. Seine Sportarten sind Fußball, Badminton und Laufen. „Heute mache ich nicht mehr so viel. Aber ich versuche, im Jahr einen Marathon hinzukriegen.“ Wenn Edgar Claussen den Kindern das Rhönradturnen beibringt, behält er den Überblick: „Ich bin ja im Sport groß geworden! Ich weiß, welchem Kind man was zutrauen kann.“ Und sie vertrauen „ihrem“ Edgar. „Wenn ich sehe, wie begeistert sie dabei sind, weiß ich, dass ich es richtig mache.“


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