zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 23:32 Uhr

Alle Netze in eine Hand?

vom

Stadt muss sich überlegen, alle sechs Leitungsnetze künftig bei den Stadtwerken oder beim TBZ zu bündeln / Prüfung auf dem Weg

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2013 | 03:09 Uhr

Flensburg | Wenn die Straßen der Stadt aufgerissen werden, geht es meist um Reparatur und Sanierung der Kanalisation oder der Fernwärme. Doch das sind nur zwei der sechs Netze, die im Flensburger Boden ruhen - und dabei ist das der Telekom noch nicht mitgerechnet. Vier Netze gehören den Stadtwerken: Strom, Wasser, Fernwärme und ein Telekommunikationsnetz. Das Abwasser- und das Regenwassernetz liegen in der Obhut des Technischen Betriebszentrums (TBZ). Jetzt wird im Rathaus überlegt, die Netze zusammenzulegen. Gestern hat der Hauptausschuss beschlossen, diese Zusammenlegung in einem längeren Verfahren zu prüfen - die Netzstrategie.

Maik Render, Geschäftsführer der Stadtwerke und seit kurzem auch des Technischen Betriebszentrums, trat als Herr aller Netze auf und war sich dieses Rollenkonflikts wohl bewusst. Früher hätte er selbstbewusst für die Zusammenlegung bei den Stadtwerken plädiert; das tat er jetzt nicht, sondern legte kühl dar: Entweder bei den Stadtwerken oder beim TBZ oder gar nicht legt man die Netze zusammen.

Letzteres ist für ihn aber keine ernsthafte Option, zu sehr überwiegen die Vorteile der Netzfusion: ein einheitliches Abrechnungssystem, ein Notstromkonzept, optimierte Planungen, zum Beispiel bei Bauvorhaben, Synergien bei Mitverlegung von Breitband möglich, Personalsynergien möglich, Kommunikation nach außen bei Baumaßnahmen einfacher, ein einheitliches Geo grafisches Informationssystem (GIS). Langfristig seien Kosteneinsparungen möglich, legte Render dar.

Als Nachteile zählte er Unruhe bei den betroffenen Mitarbeitern, einmalige Kosten bei der Umstellung und eine mögliche Zunahme an Fehlern in den ersten drei Jahren auf.

Die Politiker des Hauptausschusses waren zunächst einmal sprachlos. Als erster fand Heinz-Werner Jezewski (Die Linke) die Sprache wieder und machte auf ein grundsätzliches Problem aufmerksam: Wenn man die beiden Abwassernetze in die Hand der Stadtwerke lege, gebe man sie ein Stück weit aus der politischen Kontrolle. Vorsichtig deutete er an, dass dies womöglich insgesamt zu höheren Gebühren für die Bürger führen könne. Render erinnerte ihn daran, dass auch die Stadtwerke eine hundertprozentige Stadt-Tochter seien. Jezewski: "Wir müssen die politische Diskussion vor der strategischen führen! Wollen wir eine Zusammenlegung überhaupt?"

Doch seine Bedenken fielen auf keinen fruchtbaren Boden: "Ob wir es wollen oder nicht, können wir erst sagen, wenn wir in der strategischen Diskussion die Vor- und Nachteile abgewogen haben", sagte Oberbürgermeister Simon Faber.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen