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Flensburger Tageblatt

17. Dezember 2017 | 07:44 Uhr

Allan Hyldtoft hat die Zeit in der Hand

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Uhrmacher in Hoyer führt das 1898 gegründete Geschäft seiner Familie in vierter Generation

shz.de von
erstellt am 31.Dez.2013 | 11:00 Uhr

Im Laden von Uhrmacher Allan Hyldtoft am Ballumweg in Hoyer bestimmt ein Geräusch alles: Es tickt und tackt von Wanduhren, historischen Standuhren – und in Vitrinen laufen auch stattliche Taschenuhren und Armbanduhren mit dem hektischen Ticken der kleinen mechanischen Wunderwerke.

Allan Hyldtoft hat eine Reihe Zeitungsausschnitte und Fotos auf seinem Tisch liegen, die von Geburtstagen und Jubiläen seiner Vorgänger berichten. Am 1. November 1898 hatte sein Urgroßvater Jens Hyldtoft die Firma gegründet, schildert der 63-jährige Allan Hyldtoft, der in vierter Generation den vor 115 Jahren gegründeten Betrieb leitet. Großvater Jacob, der zu den wenigen dänisch gesonnenen Bürgern in Hoyer um die Jahrhundertwende gehörte, war während des Ersten Weltkriegs zum Dienst in militärischen Werkstätten in Berlin verpflichtet worden. Dessen Wirken würdigte 1944 die Zeitung „Vestkysten“ in einem kleinen Artikel, der sich im Archiv des Geschäftes befindet.

Allan Hyldtoft, der bei seinem Vater Theodor die viereinhalb Jahre Ausbildung zum Uhrmacher absolvierte, übernahm den Laden in Hoyer von seinem Vater. Eine kurze Zeit war dort auch der ältere Bruder aktiv, der nach Norwegen fortgezogen ist.

„Der Betrieb trägt sich heute in erster Linie durch den Verkauf von Brillen“, berichtet Allan Hyldtoft, der mit Wehmut feststellt, dass der einst so stattliche Berufsstand der Uhrmacher immer mehr verschwindet. „Dabei können die Uhrmacher gerade an der Westküste Schleswigs auf eine lange Tradition zurückblicken“, sagt Hyldtoft. Es gab jahrhundertelang in fast allen Dörfern hierzulande geschickte Uhrmacher, an deren Kunstfertigkeit auch die erhaltenen historischen Uhren wie im Kommandørgaarden auf Röm erinnern. Hyldtoft, der auch Miteigentümer des vom Schwager Jef geführten Uhrengeschäftes in Tondern ist, bekommt Aufträge von Kunden inzwischen auch aus weiter entfernten Orten, weil es immer weniger Uhrmacherwerkstätten gibt. Vor gut 30 Jahren, berichtet Hyldtoft, gab es noch die Mode, dass sich Bürger solide Standuhren kauften.

Heute sind es eher Liebhaber und Sammler, die die mechanischen Wunderwerke zu schätzen wissen. Es werden ihm oft Uhren zur Reparatur und Reinigung gebracht, die seit vielen Jahren nicht mehr getickt und geschlagen haben. „Mitunter kann man keine Ersatzteile mehr bekommen“, schildert Hyldtoft, der über eine Werkstatt voller Minirädchen und Federn verfügt, der aber unterstreicht, dass er fast alle Uhren, ob Wanduhren oder Armbanduhren wieder zum Laufen bringt. So hat er gerade eine Reihe von typischen Armbanduhren aus den 1970er-Jahren wieder flottgemacht, deren Besitzer die Uhren sicher schon vor Jahrzehnten durch moderne Quarzuhren ersetzt hatte. „Die modernen Quarzuhren laufen präzise durch 30 000 Schwingungen in der Sekunde“, berichtet der Uhrmacher, dem man aber ansieht, dass er lieber das Ticken einer soliden mechanischen Uhr vernimmt. In seinem Laden hat Hyldtoft neben einer weit über 100 Jahre alten antiken Uhr aus England mit vornehmem Schlag auch putzige Kuckucksuhren. „Die gibt es inzwischen auch mit digitalem Uhrwerk“, fügt er geradezu bedauernd hinzu.


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