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Abschied vom Salondampfer : „Alexandra“: Der Käpt’n geht von Bord

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach 21 Jahren auf und mit der „Alexandra“: Wolfgang Weyhausen ist seit gestern Privatier. Er hat maßgeblich Anteil an der Rettung der Alex.

Heute wird er die blau-gelbe Alex-Flagge einholen. In Ülsby, landschaftlich schöne Alleinlage, hatte Flensburgs Salondampfer „Alexandra“ einen Kapitän, der dieses Schiff von hier aus 26 Jahre lang geradezu missionarisch betreute und Flagge zeigte für ein glückliches Projekt. Dass die 1908 gebaute „Alex“ heute im Top-Zustand als einzigartiges Technik-Denkmal Teil der maritimen Identität Flensburgs ist, ist auch ein maßgebliches Verdienst von Wolfgang Weyhausen. Der 74-Jährige absolvierte gestern die letzte Fahrt als Kapitän auf seinem Schiff. Förderverein, Mannschaft und viele Mitstreiter sagten Tschüß.

„Maschine aus. Kingeling, Bim Bim!“, klingelt der Maschinentelegraph. „Dann ist’s vorbei!“ Weyhausen müht sich, dass so zu sagen, als sei es die selbstverständlichste Sache der Welt. „Das ist doch immer so in der Seefahrt. „Irgendwann ist die Fahrt zu Ende, der Zampel ist gepackt und draußen wartet das Taxi, das dich nach Hause bringt.“

Weyhausen wird es am Besten wissen. Mehr als 56 Jahre ist er zur See gefahren, kaum ein Weltmeer, das er nicht befahren hätte. Damals in der besten Zeit der Seefahrt. Als es noch Liegezeit in fremden Häfen gab und fremde Welten zu entdecken. Nord- und Südamerika, Afrika, Fernost und Asien hatte er bereist, als er – gerade 30 Jahre alt geworden – die große, mit der kleinen Fahrt tauschte. 1971 war das, als die Containerschiffe, die Terminals und der Liniendienst die Bühne des Welthandels betraten. „Das war ein großes Glück“, sagt er. Auch wegen Ehefrau Marlene, eine Bauerstochter aus Ülsby. Mit ihr, Kindern, Enkelkindern, zwei Hunden, zwei Katzen, vier Kaninchen und einem Specht als Stammgast lebt der Seemann seither privat ganz ländlich.

Die Kleine Fahrt führte Weyhausen zur Förde Reederei – und so klein war die in Ostsee und Nordsee wahrlich nicht. Weyhausen weiß aus jahrelanger Helgoland-Fahrt, warum die Deutsche Bucht unter den Revieren weltweit einen ziemlich üblen Ruf hat. „Rund Helgoland im Winter, da wird man absolut schmerzfrei!“

1989 ging es los mit der „Alexandra“. Ein Hilferuf des damaligen Vorstands. Der Dampfer war 1975 außer Dienst gestellt worden, die Gruppe ehrenamtlicher Enthusiasten, die das alte Fördeschiff zu retten versuchte, drohte sich hoffnungslos zu übernehmen. 750 000 Euro Schulden waren aufgelaufen, als Wolfgang Weyhausen an Bord ging. Dass er hier anheuerte, hatte nur ganz wenig mit Romantik zu tun. Es war der analytische Blick eines lösungsorientiert arbeitenden Pragmatikers, der ihn an Bord führte. Er wusste: um das Schiff herum entstand eine neue Mannschaft, wurden unter der maßgeblichen Führung der Flensburger Sparkassen neue belastbare Strukturen eingezogen. „Sparkassendirektor Georg Wedegärtner hat uns enorm unterstützt. Das werde ich ihm nie vergessen“, sagt Weyhausen. Es war ganz wesentlich das damals entstandene Kuratorium, das bis heute den Betrieb des Schiffes sichert. Aber ohne Weyhausen, das sagt der langjährige Weggefährte und Alex-Vorstand Burkhard Lauritzen, wäre es auch nicht gegangen. „Du hast in den kritischen Jahren mit Deiner klaren, klugen und charmanten Art für die Stabilisierung gesorgt. Die Mannschaft brauchte dringend eine Leitfigur mit Autorität, vor der sie im Schiffsbetrieb Respekt hatte. Einen Kapitän eben“, schrieb ihm Lauritzen zum Abschied.

Ins tiefe Loch des Ruheständlers wird Weyhausen nicht fallen, wenn er heute die Alex-Flagge einholt. Seit langem malt er hintersinnige maritime Portraits und Ansichten, er muss sich dringend – ich habe den Eichhörnchen-Defekt“ – um einen Speicher voller Nautiquitäten und Antiquitäten kümmern, und er will der unvergessenen Zeit der Butterfahrt ein anekdotisches Buch widmen. Vielleicht gibt’s nach 26 Jahren auch endlich mal gemeinsamen Sommerurlaub, ob Marlene sich mit ihrem Wunsch nach einer Kreuzfahrt durchsetzen wird, ist noch offen. „Kingeling Bim Bim“ hat er jedenfalls zu diesem Thema noch nicht gesagt.

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erstellt am 21.Sep.2015 | 12:00 Uhr

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