zur Navigation springen

Flensburger Schifffahrtsmuseum : Alex-Kessel für das Museum

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Schwertransport liefert ausgemusterten Alexandra-Kessel an - 20 Tonnen am langen Arm.

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2017 | 06:20 Uhr

Gestern früh um 7 Uhr begann hinter dem Schifffahrtsmuseum ein weiteres Präzisionsmanöver mit Dampfkessel. Im November letzten Jahres hatte Flensburgs Flaggschiff „Alexandra“ in Husum ein neues Dampferherz eingepflanzt bekommen. Sieben Monate später bekommt das Schifffahrtsmuseum den damals ausgebauten alten Kessel als Exponat zurück. Beide Male muss schweres Gerät aufgefahren werden, um die 20 Tonnen Stahl zu bewegen.

Das war gestern der Fall. Zwei Schwerlaster quetschten sich am neuen Hafenhotel vorbei über den Herrenstall in eine aussichtsreiche Position. Dann hob der Kran den auf einem Tieflader angelieferten Alt-Kessel und setzte ihn auf dem Innenhof des Schifffahrtsmuseums ab. Zuvor hatten Techniker ein Fundament vorbereitetet – das noch ein wenig halten muss. „Der Kessel ist sandgestrahlt und spezialbeschichtet“, meint Lothar Bensch vom Förderverein des Lieblingsdampfers der Flensburger. „Der wird glatt noch mal 108 Jahre alt!“

Das Manöver gestern früh war der Abschluss eines ganz besonders turbulenten Jahres für das voll einsatzbereite technische Denkmal „Alexandra“. Wie berichtet, war das Schiff seit Mai 2016 in einem enormen finanziellen und ehrenamtlichen Kraftakt grundüberholt worden. Neue Spanten, neue Schiffsbleche, neue Elektrik, ein neuer Dampfkessel, für den ein zehn Meter großes Loch durchs Schiff gebrannt werden musste – die Nerven der Alexandrianer waren hart gefordert. Dass dieser letzte Akt gestern trotz einiger Rückschläge noch finanziell abgesichert war, ist hauptsächlich dem ehrenamtlichen Einsatz zu verdanken, den die Freunde und Förderer des Dampfers in Anbetracht ausufernder Werftrechnungen verfünffachten.

„Der Förderverein hat gesagt, es geht alles klar“, freut sich „Alex“-Kapitän und -Sprecher Günter Herrmann. Wie ursprünglich geplant, soll das alte Dampferherz jetzt im Schifffahrtsmuseum dem Publikum erzählen, wie eine Dampfmaschine aus dem Jahr 1908 funktioniert. Die aus Mitteln des Landes, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, des Alexandra-Kuratoriums und vielen anderen Initiativen kräftig geförderte Sanierung hat knapp eine Million Euro verschlungen. Der Förderverein steuerte Arbeitsstunden im Wert von über 140  000 Euro bei. Veranschlagt waren nur 30  000 Euro gewesen. „Aber das musste sein, wenn wir das Projekt stemmen wollen“, so Herrmann.

Das schönste Kompliment bekamen die Aktiven auf der ersten öffentlichen Fahrt am Sonntag bei schönstem Alexandra-Wetter auf der sonnigen Förde: „Es hat sich ja gar nichts verändert!“ Für Kapitän Günter Herrmann und die vielen technischen Helfer, die im grauen November im grauen Husum an der grauen Nordsee deprimiert in ein großes tiefes Kessel-Loch in der Alexandra geblickt hatten, ging das runter wie Öl. Herrmann ist optimistisch, dass das Schiff jetzt viele viele problemlose Jahre vor sich hat. „Es war vernünftig, dass wir keine halben Sachen gemacht haben. Die Alexandra war zu keinem Zeitpunkt in den vergangenen 50 Jahren so gut wie heute!“ Der Kessel im Video auf shz.de

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen