Handewitt : Albig fordert „Internet an jeder Tanne“

Ministerpräsident Torsten Albig in Handewitt, hier mit Moderatorin Simone von Stosch.
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Ministerpräsident Torsten Albig in Handewitt, hier mit Moderatorin Simone von Stosch.

Der Ministerpräsident stellte sich den Fragen der Bürger in Handewitt. Den Internetausbau sieht er als große Chance für den ländlichen Raum.

shz.de von
27. Februar 2017, 14:13 Uhr

Handewitt | Die Straßen sind frei. Nur 40 Minuten braucht Torsten Albig, um von Kiel in den Handewitter Ortsteil Hüllerup zu gelangen. In der „Golfstube“ ist ein Bürgergespräch mit dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten angekündigt. Doch es ist eher eine SPD-Wahlkampfveranstaltung. Rote Werbeflächen mit Partei-Slogans dominieren das Ambiente, sogar das Licht ist rotgedimmt. Unter den 60 Zuhörern sitzen viele Genossen.

Natürlich ist der aktuelle Abschiebe-Stopp für Afghanistan, mit dem Torsten Albig bundesweit für Aufsehen gesorgt hat, ein Thema. „30 Menschen nach Kabul abzuschieben und zu behaupten, dort sei es sicher, ist Zynismus“, sagt der Ministerpräsident. Zwei anwesende Afghanen richten eine Botschaft an den Ministerpräsidenten: „Er ist für uns wie ein Engel.“ Der bewertet die Stimmung für eine gelungene Integration in Schleswig-Holstein als günstig und sieht dafür auch historische Gründe. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei ein Zustrom von 1,2 Millionen Menschen bewältigt worden, nun seien es nur 35  000 Flüchtlinge.

Die Frage einer jungen Frau nach der weiteren Digitalisierung im Schulalltag nutzt Albig für einen grundsätzlichen Abstecher in die Bildungspolitik. „Ich will Ruhe in den Schulen haben“, betont er. „Das System alle fünf Jahre zu verändern, ist eine bescheuerte Idee.“

Den Breitbandausbau betrachtet er als „große Chance, Wissensinfrastruktur vom urbanen Raum zu entkoppeln“ und wirbt für eine Internetversorgung „an jeder Tanne“.

Der Chef der Landesregierung entlarvt einen Nachholbedarf für eine „gerechtere Besteuerung“ und behauptet: „Mindestlöhne stärken die Gesellschaft.“

Auf dem Feld der Lohnpolitik sieht Justiz-Sozialarbeiter André Hense, der am 7. Mai für die SPD im Wahlkreis „Flensburg-Land“ kandidiert, einen Schwerpunkt seines Programms. „Immer wieder ärgere ich mich, dass Menschen für gleiche Tätigkeiten unterschiedliche Gehälter bekommen“, sagt er. Außerdem: „Unternehmen, die sich aus der Tarifbindung verabschieden, sind die wahren Wirtschaftsflüchtlinge.“

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