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Flensburger Tageblatt

15. Dezember 2017 | 04:02 Uhr

ÖPNV : Aktiv-Bus muss jetzt Vollgas geben

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In knapp zwei Jahren übernimmt die Tochterfirma der Stadtwerke die alleinige Verantwortung für das gesamte Flensburger Liniennetz.

shz.de von
erstellt am 19.Sep.2013 | 11:50 Uhr

Mit acht zu vier stimmte der Planungsausschuss am Dienstag für einen harten Schnitt beim öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) in Flensburg. Ab Juni 2015 trägt die städtische Enkeltochter Aktiv-Bus die alleinige Verantwortung für das gesamte Liniennetz. Dann wird es keine Konzession über die Linien 10 bis 15 mehr für die Afag geben.

Das bedeutet aber keineswegs das Aus für die seit 1925 hier aktive Allgemeine Flensburger Autobus-Gesellschaft. Denn Aktiv-Bus muss nicht das gesamte Liniennetz mit eigenen Bussen und eigenen Fahrern abdecken, sondern kann einen Teil des Verkehrsaufkommens delegieren. Die Diskussion im Planungsausschuss machte deutlich, dass die bestehenden Strukturen – also die Aufteilung des Liniennetzes zwischen Afag und Aktiv-Bus, berücksichtigt werden sollen. „Da sehe ich mich in der Pflicht“, sagte gestern Aktiv-Bus-Chef Paul Hemkentokrax. Doch ebenso sei die Afag-Geschäftsführung in der Pflicht. Schließlich gehe es um den Auftrag der Politik, „den ÖPNV in Flensburg zu verbessern.“

Und zu diesem Thema fällt Hemkentokrax eine Menge ein. Zum Beispiel das Stichwort Liniennetz-Optimierung. Da will er mit ganz vielen Partnern dran arbeiten und vor allem die Kunden beteiligen. Das Procedere stellte er gestern im Verkehrsforum vor. „Wir wollen größtmögliche Transparenz herstellen.“ Die Probleme, die sich bisher durch das starre Korsett der zwei Konzessionen ergab, entfallen künftig.

Verbesserungen müsse es vor allem bei der Anbindung des Stadtteils Weiche geben, forderte der Aktiv-Bus-Geschäftsführer. „Da haben wir seit zehn Jahren die gleiche Zahl an Fahrgästen, obwohl es 30 Prozent mehr Einwohner gibt.“ Da habe man Fahrgäste verloren, „die müssen wir zurück holen.“

Ein weiterer Punkt sei die bessere Busanbindung des Bahnhofs, spätestens dann, wenn durchgehende Züge im Stundentakt nach Hamburg fahren. Ziel sei es, direkte Busverbindungen zwischen bestimmten Stadtteilen und dem Bahnhof herzustellen. „Vielleicht können wir so ein paar mehr Flensburger auf die Schiene bringen“, orakelt er.

Afag-Mitarbeiter hatten vor der Sitzung – zum Teil mit ihren Familien – für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und deshalb für eine andere Variante der Vergabe plädiert. Die hätte mit Abstrichen die Weiterführung des Status Quo bedeutet. Im Planungsausschuss wurden die Sorgen der Afag-Belegschaft durchaus ernst genommen. „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die Jobs sicher sind“, sagte Edgar Möller (SSW) und stimmte trotzdem für Variante 100-Prozent-Aktiv-Bus. Für die Variante 3, für die die Afag plädiert hatte, stimmten CDU und Grüne, alle anderen für die Variante 1, die der Stadt wesentlich mehr Einflussmöglichkeiten auf den ÖPNV gibt als sie bisher hat.

„Wir müssen fest gefahrene Strukturen aufbrechen“, sagte Christian Koch (FDP). „Wenn wir den ÖPNV verbessern wollen – und er ist nicht perfekt hier in Flensburg – müssen wir die Variante 1 wählen.“ Ja, es können sein, dass die Arbeitsplätze bei der Afag verloren gehen, „aber die Fahrer werden ja weiterhin hier gebraucht.“ Für Hemkentokrax ist jedoch die Übernahme von Fahrern und Bussen der Afag durch Aktiv Bus ausdrücklich „keine Option“.

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