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Hilfsprojekt in Flensburg : Aktion 90.777: Countdown für die Bürgerwette läuft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flensburger sind aufgerufen, binnen eines Monats die Summe in Höhe der aktuellen Einwohnerzahl zu spenden

Flensburg | Wetten, dass . . . die Flensburger es nicht schaffen, im Monat September einen Euro pro Einwohner aufzubringen und damit exakt 90.777 Euro für den Bürgerfonds zu spenden? Das zumindest behaupten das Diakonische Werk im Kirchenkreis Schleswig-Flensburg, der städtische Fachbereich Soziales sowie das Flensburger Tageblatt als Initiatoren des Fonds.

Die Stadt wird vertreten durch Oberbürgermeister Simon Faber und Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar – und hält wacker dagegen. Beide haben die Schirmherrschaft über die Aktion übernommen. „Ich bin ganz zuversichtlich, die Bürger dieser Stadt für unser Anliegen gewinnen zu können“, sagte Simon Faber gestern bei der Auftakt-Pressekonferenz im Rathaus. „Wir werden die Wette gewinnen.“

Diese Hoffnung ist allen Beteiligten selbstverständlich gemeinsam. Denn der vor drei Jahren aus der Taufe gehobene Bürgerfonds soll weiterhin Flensburger Familien, die in Not geraten sind, schnell und unbürokratisch helfen. Das hat er in der Zeit seines Bestehens mit einer bemerkenswerten Gesamtsumme von 200.000 Euro bereits getan. „Seit 2011 wurden 1100 Anträge, die aus den hiesigen Beratungsstellen an uns gegangen sind, bearbeitet“, betont Diakoniepastor Thomas Nolte. Etwa 3000 Bedürftige seien auf diesem Weg bereits aus finanziellen Notlagen befreit worden.

Es gibt eine stetig wachsende Zahl von Menschen, die unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen leben müssen. Nicht immer greifen öffentliche Hilfen, der Spielraum staatlicher Sicherungssysteme ist nach der Veränderung der Sozialgesetzgebung eingeengt.

„Damit wächst der Druck auf die Beratungsstellen“, weiß Horst Bendixen, Leiter des Fachbereichs Soziales, Jugend und Sport. Und er weiß, dass Unterstützung bisweilen nicht warten kann. „Oft geht es einfach darum, einen Zeitraum effektiv zu überbrücken, wenn etwa Anträge auf Unterstützung längere Bearbeitungszeiten beanspruchen.“

Seit 15 Jahren konnte die von Diakonie und Tageblatt ins Leben gerufene Aktion „Hilfe im Advent“ vielen Familien die Vorweihnachtszeit erleichtern. Jahr für Jahr wurden zwischen 30.000 und über 50.000 Euro ausgeschüttet. Doch das ist nicht genug. „Die Not ist nicht nur zu Weihnachten groß“, sagt Stephan Richter, Sprecher der Chefredakteure des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages (sh:z). „Der Bürgerfonds will ganzjährig Hilfe leisten.“

Das Problem: Der Topf ist leer gelaufen und muss dringend aufgefüllt werden. Dabei kommt es nicht vorrangig auf Großspender an; die Hilfe soll auf eine möglichst breite Basis gestellt werden. „Es ist gut, wenn eine vierköpfige Familie vier Euro spendet, die Mitarbeiter einer Anwaltskanzlei, einer Arztpraxis oder eines Handwerkbetriebes vielleicht ein wenig mehr“, sagt Richter. „Es geht nicht um hohe Summen, sondern darum, gelebte Solidarität zu zeigen – mit einem überschaubaren Einsatz viel zu leisten.“ Simon Faber ergänzt: „Wir hoffen auf eine breite Allianz quer durch alle Schichten der Flensburger Gesellschaft. So eine starke Gemeinschaft brauchen wir!“

Man darf davon ausgehen, dass viele Bürger, Vereine, Verbände und Unternehmen sich der Aktion anschließen werden – dafür sorgen allein schon die Wettpaten, die wir in der Ausgabe am Sonnabend vorstellen. Es gibt tausend Möglichkeiten, Spenden einzuwerben. Fantasie ist gefragt. Wer den Aufwand einer Überweisung scheut, kann seinen Beitrag direkt in einer Spendenbox leisten. Eine solche soll im Rathaus aufgestellt werden, für Mitarbeiter wie Besucher. Die Stadt hält weitere Sammeldosen bereit.

Sollte das Ziel erreicht werden, ist ein großes Bürgerfest am 5. Oktober auf dem Südermarkt geplant. Saxofonist Richard Wester hat bereits seinen Auftritt zugesagt, der von den Glocken der Nikolaikirche begleitet werden soll. Auch Tante Maaß wird leibhaftig in Erscheinung getreten. „Wir hoffen, dass wir die Wette verlieren“, sagt Stephan Richter, „dann werden wir alle Gewinner sein.“ Auch Pastor Thomas Nolte drückt seinem Wettgegner die Daumen: „Die Solidarität ist da, sie muss nur immer wieder befeuert und am Leben gehalten werden.“

 
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erstellt am 26.Aug.2014 | 16:54 Uhr

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