60-Millionen-Projekt : Akopol: Zweifel an Projekt KWK Plus

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07. Dezember 2010, 06:27 Uhr

Flensburg | Ist das ehrgeizige Stadtwerkeprojekt KWKPlus eine Mogelpackung? Die Akopol-Ratsfraktion behauptet in einer Pressemitteilung genau dies. Und mehr noch: "Das Projekt ist nicht nur ein Millionengrab", behauptet Jörg Pepmeyer als Vorsitzender der Mini-Fraktion, "sondern eine strategische und unternehmerische Fehlentscheidung", die auch in Zukunft für kräftig steigende Energiepreise in Flensburg sorgen werde. Die Stadtwerke widersprechen. Pepmeyer vergleiche willkürlich Zahlen, ohne das entsprechende Umfeld zu berücksichtigen.

Für die erfolgreichste Tochter der Stadt war es das Zukunftsprojekt schlechthin: 2009 stellte Stadtwerke-Geschäftsführer Matthias Wolfskeil das Projekt KWKPlus als bedeutsamen Schritt in die Zukunft und zu einem CO2-neutralen Kraftwerk (bis 2050) vor. Bis 2012 sollen aus Müll gewonnene Ersatzbrennstoffe (EBS) und Holzhäcksel 35 Prozent Kohle einsparen helfen, 2050 soll die Anlage zu 100 Prozent mit diesen EBS betrieben werden. Dazu nahm das Unternehmen richtig Geld in die Hand: 60 Millionen Euro.

Eben das, behauptet Jörg Pepmeyer, wird dem Unternehmen massive wirtschaftliche Probleme bescheren. Pepmeyer, bis zu seiner Trennung von der WiF-Ratsfraktion im Aufsichtsrat vertreten, sieht keine Möglichkeit, die - großenteils kreditfinanzierte - 60-Millionen-Investition ohne massive Gebührensteigerungen zu refinanzieren. Den Nachweis nämlich, dass sich KWKPlus preis- und kostensenkend in der Bilanz auswirken, sei das Unternehmen bislang schuldig geblieben.

Anzeichen dafür, dass die KWK-Rechnung aufgeht, sieht der Akopol-Ratsherr eher nicht. Pepmeyer hat für die Jahre 2006 bis 2009 eine eigene Rechnung aufgemacht. In diesem Zeitraum seien 86 000 Tonnen EBS eingesetzt worden - entsprechend knapp der Hälfte der benötigten Kohle. Er kommt zu dem Resultat, dass rechnerisch ein Plus von 3,68 Millionen Euro am Ende stand - freilich nur, wenn man die EBS als Gratisposten in die Rechnung einbezieht. Eine illusorische Vorstellung. Tatsächlich, so Pepmeyer, seien die Kosten für Holzhackschnitzel und aus Müll gewonnenen EBS kräftig geklettert - aus seiner Sicht ein wesentlicher Grund dafür, dass die MEISH seit Jahren Millionenverluste anhäuft.

Diese 100-prozentige Stadtwerke-Tochter ist für Einkauf und Aufbereitung der EBS zuständig und schreibt rote Zahlen am laufenden Band. Aktuell werden für das laufende Jahr 850 000 Euro erwartet, insgesamt ordnet der Ex-Aufsichtsrat bei 4 Millionen Euro ein. Er vermutet, dass die defizitäre MEISH die tatsächliche Situation von KWKPlus abbildet. "Die wirklichen Kosten werden dort geparkt!" Vor diesem Hintergrund verlangt er von den Stadtwerken, die betrieblichen Effekte von EBS und Holzhackschnitzeln öffentlich darzulegen.

An der Batteriestraße betrachtet man die Dinge ein wenig anders. So könne man die 60 Millionen nicht ausschließlich auf das Projekt anrechnen, sagt Unternehmenssprecher Peer Holdensen. Darin seien zusätzliche Projekte enthalten, die ursprünglich nicht geplant, dann aber in die Maßnahme hineinbezogen worden seien: der Bau einer Lagerhalle beispielsweise, Schallschutzmaßnahmen oder die Erneuerung der Mess-, Steuer- und Regeltechnik. Bei einer Betrachtung des Projektes müssten zudem die gesamten Erlöse und Kosten betrachtet werden", so Holdensen. Beispielsweise erhielten die Stadtwerke für den Einsatz von EBS Zertifikate für den CO2-Handel, die an der Börse gehandelt werden. Fazit der Stadtwerke: Unter dem Strich rechnet sich der Einsatz der Sekundär-Brennstoffe.

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