Flensburg : Aggressives Auftreten: Polizei warnt vor Arbeiterkolonnen

Ihre Masche: Viel Arbeit für wenig Geld anbieten, um anschließend mit Nachdruck viel mehr Geld zu fordern.

shz.de von
20. Juni 2018, 13:51 Uhr

Flensburg | Seit Tagen sind in Flensburg und Umgebung Arbeitkolonnen unterwegs, die für „kleines“ Geld ihre Dienste anbieten, teilte die Polizei am Mittwoch mit. In Sünderup war am Montag gegen 15 Uhr eine Gruppe aus sechs jungen Männern und einem Jugendlichen mit einem weißen Lieferwagen mit gelben Kennzeichen unterwegs.

Die Männer sprachen fließend Englisch. Bei einem Einfamilienhaus säuberte die Gruppe die Auffahrt mit einem Hochdruckreiniger und bot der Nachbarin an, das Hausdach zu reinigen und zu imprägnieren. Diese stimmte letztlich zu, auch weil der Wortführer der Kolonne nicht nachließ sie zu überreden, das Dach für 200 Euro reinigen zu lassen. Ehe sie sich versah, waren schon zwei der Arbeiter auf dem Dach und begannen mit der Arbeit.

Nach einer halben Stunde bat der Wortführer die Hauseigentümerin hinaus, um sich den Stand der Reinigung anzusehen. Die Männer hatten einen kleinen Teil der Dachfläche gereinigt. Daraufhin erklärte der Wortführer jetzt, die Reinigung des gesamten Daches würde nun doch 400 Euro kosten.

Den Einwand der Hauseigentümerin, dass man zuvor einen Preis von 200 Euro vereinbart hatte, tat der Mann als ein Missverständnis ab. Daraufhin lehnte sie die Reinigung des ganzen Daches ab. Nach einigem hinundher, unter anderem auch dem Angebot, das Geld für die komplette Reinigung – also 400 Euro – erst am nächsten Tag abzuholen, zogen die Arbeiter mit einem Betrag von 135 Euro von dannen. Die Nachbarn in Sünderup alarmierten im nachhinein die Polizei.

Eine Masche dieser Arbeiterkolonnen: Viel Arbeit für wenig Geld anbieten, um anschließend viel mehr Geld zu fordern. Oft werden auch Arbeiten gemacht, die gar nicht nötig gewesen wären, berichtet die Polizei. Und die Dienstleistungen, die dann teuer bezahlt wurden, sind oft nicht wertig. Nicht selten wird auf die Hauseigentümer Druck ausgeübt, auch durch drohendes, aggressives Auftreten.

Die Polizisten entdeckten schließlich am Mittwoch einen weißen Toyota Kastenwagen mit irischem Kennzeichen im Bäckerweg in Tarup. Sie überprüften die Personen, die auch bestätigten Dienstleistungen am Haus anzubieten. Eine Reisegewerbekarte konnten die Männer nicht vorlegen. Die Polizisten hielten Rücksprache mit dem Ordnungsamt. Ein Ermittlungsverfahren wurde eingeleitet. Anschließend untersagten die Beamten den Arbeitern ausdrücklich, Haustürgeschäfte anzubieten bis sie eine Reisegewerbekarte besitzen.

Die Polizei bittet die Bürger bei solchen Betrugsangeboten sofort die 110 zu rufen, damit sie die Arbeiter und deren Anliegen direkt vor Ort prüfen können.

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