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Flensburger Tageblatt

14. Dezember 2017 | 23:59 Uhr

Protest : Afag-Fahrer kämpfen für ihre Jobs

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Planungsausschuss der Ratsversammlung muss heute über die Vergabe des Liniennetzes für die Zeit nach dem 1. Juni 2015 entscheiden.

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erstellt am 17.Sep.2013 | 07:00 Uhr

Um fünf vor 12 ging nichts mehr in der unteren Angelburger Straße. Fünf Busse der Afag waren nacheinander von den Süderhofenden in Richtung Südermarkt gefahren; für eine viertel Stunde stellten die Fahrer die Busse dort ab, um auf die Gefährdung ihrer Arbeitsplätze aufmerksam zu machen.

Eine Vorentscheidung über die Zukunft ihrer Jobs fällt heute im Planungsausschuss der Ratsversammlung (16 Uhr, Technisches Rathaus, Am Pferdewasser). Da geht es um die Frage, wie der Busverkehr in Flensburg ab Juni 2015 aussehen soll. Die Konzessionen für die Linien enden für Aktiv-Bus und Afag am 31. Mai 2015. Dann werden die Karten neu gemischt, und es ist völlig offen, ob ab 1. Juni 2015 der Busverkehr in Flensburg noch so aussehen wird wie heute.

Bisher teilen Aktiv-Bus, eine Tochter der Stadtwerke und damit eine Enkelin der Stadt, und die private Afag das Liniennetz der Stadt unter sich zu etwa 60 und 40 Prozent auf. Von den 2,4 Millionen Kilometern der Verkehrsgemeinschaft Flensburg, die seit 1971 besteht, kommen 1,4 Millionen auf Aktiv-Bus und eine Million auf die Afag.

Der Ratsversammlung bzw. zunächst dem Planungsausschuss stehen vier Optionen offen, von denen die erste, eine Direktvergabe des gesamten Netzes an Aktiv-Bus, und die vierte, eine hundertprozentige Vergabe im Rahmen eines Wettbewerbs, die Extreme sind. Die Möglichkeit, einen Teil des Netzes direkt an die Afag zu vergeben, hat die Stadt nicht, weil das EU-Recht eine Direktvergabe an ein privates Unternehmen nicht vorsieht. Dies wäre nur im Rahmen eines Wettbewerbs möglich. Bei einer Direktvergabe an Aktiv-Bus (Option 1) kann diese jedoch einen Teil der Leistungen an ein privates Unternehmen vergeben – allerdings nur nach einer europaweiten Ausschreibung.

„Ein mögliches Szenario ist, dass alle Linien an Aktiv-Bus fallen“, befürchten Afag-Belegschaft und Betriebsrat in einem Schreiben an die Medien. „In diesem Fall wären wir bestenfalls noch als Subunternehmer mit einer unbestimmten Anzahl an Beschäftigten tätig“, heißt es darin weiter. „Es könnte sein, dass wir hier 2015 alle arbeitslos werden“, warnte Stefan Vetter vom Afag-Betriebsrat. Jeder zweite Mitarbeiter sei schon länger als 20 Jahre bei dem Busunternehmen, das seit 1925 in Flensburg tätig ist. Ein Großteil der Fahrer sei zudem über 50 Jahre alt, machte Vetter deutlich. Befürchtet wird auch, dass man in einem Wettbewerbsverfahren gezwungen sein könnte, Lohndumping zu betreiben.

Parallel zur Protestaktion hat sich die Afag-Geschäftsführung gestern an die Fraktionen der Ratsversammlung gewandt und ihre Sicht der Dinge verdeutlicht. Die Afag-Spitze vertritt den Standpunkt, dass die Zusammenarbeit der beiden Flensburger Busunternehmen auf der Basis des 1991 geschlossenen Vertrags sehr wohl funktioniert und man „netzübergreifend“ zusammengewirkt habe. Bestritten wird dagegen, dass „die betriebswirtschaftliche Ausrichtung des privaten Unternehmens die Bereitschaft zur Angebots- und Qualitätsverbesserung“ begrenzt. Deshalb favorisiert man bei der Afag die Option 3, die dem heutigen Zustand nahe kommt und laut Afag-Geschäftsführer Jan Kruse alle Möglichkeiten für eine substanzielle Verbesserung des Busangebots gemäß den Forderungen des Regionalen Nahverkehrsplan offen lässt.

Denn das ist ein wesentliches und erklärtes Ziel der Neuerungen: Die Qualität des ÖPNV soll in Flensburg verbessert, der Anteil am Gesamtverkehr auf 20 Prozent erhöht werden. Die Politik muss jetzt entscheiden, wie und mit wem das am besten geht.

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