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Geburtstagsfeier : Älteste Flensburgerin wird 107

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Luise Dzikowski ist 1906 in Flensburg geboren und lebt seit 30 Jahren in Harrislee – fünf Generationen versammeln sich heute zur kleinen Feier.

Wenn es nach den Dzikowskis ginge, würden sie unbemerkt Geburtstag feiern. Doch ein Bekannter der Familie sorgte dafür, dass die Öffentlichkeit erfährt: Heute wird Luise Dzikowski 107 Jahre alt. Sie ist damit der älteste Mensch in Flensburg und Harrislee – und dürfte damit auch in der gesamten Bundesrepublik zu den ältesten Bürgern gehören (siehe Info-Kasten).

Erst mit einhundert Jahren zog Luise Dzikowski aus ihrer Wohnung in den Albertinenstift in Harrislee, berichtet der Sohn Paul Dzikowski und erinnert sich, dass seine Mutter den Mitbewohnern damals ungern ihr Alter verraten wollte. Im kleinen Familienkreis feiern die Angehörigen heute bei Kaffee und Kuchen in der Cafeteria und erwarten der Jubilarin jüngste Schwester, die auch schon 92 ist.

Seine Schwester Ute Jacobsen und Paul schütteln ratlos den Kopf, als sie nach dem Geheimnis für das lange Leben ihrer Mutter suchen. „Am Essen kann es nicht liegen: Sie hat es immer versalzen, und es konnte nicht fettig genug sein“, sagt der 84-jährige Sohn. Seine acht Jahre jüngere Schwester ergänzt: „Sie hat morgens schon Schmalzbrot gegessen.“ Weder Sport noch Zigaretten oder Alkohol seien je ein Thema gewesen für sie, ergänzen die Kinder. Anders als für den Vater, der damals „viel geraucht“ habe. „Aber er wurde ja auch nur 90“, sagt der Sohn verschmitzt.

Geboren wurde Luise Dzikowski als Älteste von fünf Geschwistern in der Teichstraße, sei aufgewachsen in Engelsby und dort zur Dorf-Schule gegangen. „Wenn der Kaiser Geburtstag hatte, war schulfrei“, weiß der Sohn. Einen Beruf habe seine Mutter nicht gelernt, sei nach der Schule in Wilsbek auf einem Kleinbauernhof „in Stellung gegangen“. Nach vier Jahren habe sie dann in der Gaststätte Harmonie in der Toosbüystraße ausgeholfen, wo sie Mitte der 20er Jahre ihren späteren Ehemann kennen lernte. Zur Verlobung schenkte der Vater, der ebenfalls Paul heißt, seiner Liebsten eine Singer-Nähmaschine, erinnert der Sohn. Für Familie und Bekannte habe die Mutter damit im Krieg und danach die Not gelindert.

Im Jahr 1931, zwei Jahre nach Pauls Geburt, war Hochzeit. „Ein Soldat musste ein Mindestalter von 28 Jahren haben, um zu heiraten“, erklärt der Sohn und dass auch Wohn- und Schlafzimmer zur Verfügung stehen mussten für Familiengründer. „Wir haben eine schöne Kindheit gehabt“, erinnern sich die Geschwister. „Die Entbehrungen, die da waren, haben wir nicht bemerkt.“ Ute Jacobsen resümiert: „Die Familie ist immer zusammen gewesen“, Streit gab es keinen. Viele Reisen führten den Vater, der Beamter bei der Post wurde, und seine Frau vor allem durch Deutschland und Österreich, gern in die Natur, etwa zur Rapsblüte nach Angeln. Sehen könne seine Mutter nur noch eingeschränkt, und Aufregung bekomme ihr nicht, sagt Paul Dzikowski – deshalb begeht die Familie das große Ereignis heute im Kleinen.

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erstellt am 17.Sep.2013 | 07:00 Uhr

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