Ackerland wird zum Luxus-Gut

Die Maisernte läuft aktuell auf Hochtouren. Ein großer Teil der Ackerflächen im Kreis wird für den Betrieb von Biogasanlagen genutzt.  Foto: Gusick
Die Maisernte läuft aktuell auf Hochtouren. Ein großer Teil der Ackerflächen im Kreis wird für den Betrieb von Biogasanlagen genutzt. Foto: Gusick

Die Preise für landwirtschaftliche Nutzflächen im Kreis sind weiter extrem hoch / Biogasanlagen und Spekulanten im Fokus der Kritik

shz.de von
14. Oktober 2011, 03:59 Uhr

Schleswig-Flensburg | Das Ackerland in Schleswig-Holstein wird immer teurer. Zu nie erreichten Rekordpreisen sind Felder, Weiden und Wiesen im vergangenen Jahr landesweit verkauft worden. Die Bauern mussten tief in die Tasche greifen, wollten sie aus Pachtland eigenen Grund und Boden machen. Andererseits machten sie ein gutes Geschäft, wenn sie verkaufen wollten. Im Kreis Schleswig-Flensburg sieht das auf den ersten Blick etwas anders aus. Hier sanken die Preise je Hektar von 18 033 (im Jahr 2009) auf 17 318 Euro - also um 3,96 Prozent. Das ist allerdings nur ein geringer Trost für die hiesigen Landwirte: Denn noch immer liegt der Kreisdurchschnitt nach Angaben des Statistischen Amtes Nord deutlich über dem des Landes.

Im landesweiten Mittel stieg der Preis je Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche ohne Gebäude und Inventar von 16 085 Euro auf 16 923 Euro. Das waren 838 Euro oder 5,2 Prozent mehr als im Jahr 2009. So viel wurde nie zuvor gezahlt. Die veräußerte Gesamtfläche betrug 5293 Hektar. Insgesamt wurden 1047 Verträge abgeschlossen, 220 mehr als im Vorjahr. Laut Einschätzung des Statistischen Amtes erklärt sich dieses hohe Niveau so: Die zum Verkauf stehenden Flächen werden immer rarer, da Land für Siedlungs- und Verkehrszwecke gebraucht wird. Landwirte versuchten daher, möglichst viel Fläche aufzukaufen. Außerdem seien die Preise für Ernteprodukte gestiegen und der Export nahm zu. Landwirte und auch Kapitalanleger versuchten daher, möglichst viel Fläche aufzukaufen.

Das sieht auch Hans-Jörg Hagge, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Schleswig, so. "Es gibt eine große Nachfrage nach Land unter Spekulanten. Denen ist die Börse offenbar zu unsicher geworden, deswegen setzen sie jetzt wieder auf den Boden", vermutet er. Entsprechend gebe es viele Anzeigen in Fachmagazinen, "in denen Leute Land zum Kaufen suchen, um es gleich wieder zu verpachten", ergänzt Hagge. Dass es unter seinen Berufskollegen aber auch viele Stimmen gibt, die den Biogasanlagen-Betreibern die Schuld an den extrem hohen Kauf- und Pachtpreisen für Ackerland geben, weiß der Landwirt, der selbst eine dieser Anlagen betreibt, auch. "Das ist nicht wegzudiskutieren. Aber es geht hier um Angebot und Nachfrage."

Johannes Meggers, Landwirt mit eigenem Milchviehbetrieb und zugleich Bürgermeister von Geltorf, ist ebenfalls der Meinung, dass die kreisweit rund 140 Biogasanlagen ("Ich sage allerdings nur noch ,Gasanlagen, denn mit ,Bio hat das alles nichts mehr zu tun.") Hauptverursacher der Kostenexplosion für Ackerflächen sind. "Den Betreibern will ich da gar keinen Vorwurf machen, vielmehr aber der Politik, die das Ganze so stark subventioniert", sagt Meggers, der von Pachtpreisen von über 1000 Euro jährlich pro Hektar gehört hat. "Das ist Wahnsinn, das können sich Milchbauern doch nicht leisten, weil wir das Geld gar nicht wieder reinwirtschaften können." Insbesondere wenn, wie bei einem seiner Nachbarn, langfristig angelegte Pachtverträge nun ausliefen, werde es kritisch für Milchbauern. Das Problem sei, dass die Betreiber der Biogasanlagen "um jeden Preis Land brauchen. Inzwischen steht ja schon Mais da, wo eigentlich nur Grünland hingehört, etwa an Moorstandorten", sagt Meggers und macht gleichzeitig auf ein - aus seiner Sicht - weiteres Problem aufmerksam: "Die Fläche wird durch den Maisanbau verheizt. Es gibt keine Fruchtfolge mehr, dafür wird oft mit Klärschlamm gedüngt. Der Boden wird dadurch immer schlechter, aber teuer bleibt er trotzdem."

Auf jeden Fall ist die Nachfrage nach Ackerflächen weiter sehr hoch. Im vergangenen Jahr wurden im Kreis insgesamt 537 Hektar verkauft. Im Jahr zuvor waren es 281 Hektar. Dabei mussten die Käufer umgerechnet auf den Quadratmeter rund 1,73 Euro zahlen. Damit lag der Preis für landwirtschaftliche Grundstücke im Kreis Schleswig-Flensburg 2,3 Prozent über dem Landesschnitt.

Zum Hintergrund: In der Kaufwertestatistik des Statistischen Amtes Nord werden alle Kauffälle mit einer Grundstücksgröße von mindestens 0,1 Hektar erfasst. Nicht enthalten sind gärtnerisch genutzte Flächen. Ebenfalls nicht mit aufgenommen sind Verkäufe aufgrund von Flurbereinigungen, sowie Grundstücke, die als Bauland, Industrieland oder für Verkehrswege veräußert wurden. Im Landesvergleich wurden die höchsten Kaufwerte im Kreis Ostholstein mit 21 803 Euro erfasst. Am wenigsten wurde im Kreis Steinburg bezahlt. Hier lag der Preis pro Hektar im Schnitt bei 14 489 Euro, gefolgt von Dithmarschen mit 14 639 Euro.

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