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Flensburger Tageblatt

22. Oktober 2017 | 23:37 Uhr

Fördeschnack : Achterbahn

vom

Für einen Paukenschlag hat der deutsche Möbel-Discounter Poco gesorgt: Der Konzern übernimmt den Flensburger Max-Bahr-Markt Zur Bleiche.

shz.de von
erstellt am 15.Feb.2014 | 15:40 Uhr

Ein Patient liegt im Sterben. Diagnose: unheilbar krank. Auf Anraten der Ärzte bleibt der Mann von der Todesbotschaft verschont. Man will ihn im Angesicht der noch verbleibenden Stunden nicht des letzten Lebensmuts berauben. Die letzten Wochen sollen von der schrecklichen Wahrheit nicht verdunkelt werden. Und wer weiß, vielleicht geschieht ein Wunder...

Erst, als es unvermeidlich scheint, wenn man also den Sterbenden nicht länger in der Ungewissheit belassen will, wird ihm die Nachricht übermittelt – so schonend wie möglich.

Dieses Szenario kann als Analogie für andere Lebensbereiche nicht zwingend herangezogen werden. In der Wirtschaft ist es bisweilen  genau umgekehrt. Man sieht es exemplarisch an der jüngsten Entwicklung des Max-Bahr-Marktes auf der Bleiche. Auch ein Todgeweihter. Doch in diesem Fall erfährt der Patient  nicht von dem bevorstehenden Tod, sondern von seiner glücklichen Rettung als letzter.

Für Marktleiter Christoph Momme und seine die Mitarbeiter ging dem unverhofften Überleben eine emotionale Achterbahnfahrt voraus. Nach der Insolvenz hatte kaum jemand einen Pfifferling auf die Rettung der 50 Arbeitsplätze gesetzt. Als im November letzten Jahres dem schon am Boden liegenden Patienten eine  Infusion verabreicht werden soll, bricht interner Jubel aus. Die zur Debatte stehende Übernahme hat jedoch nur kurz Bestand. Die Hellweg-Kette springt ab. Doch erst knapp eine Woche später erfährt Marktleiter Momme  davon.

Dann erscheint der Hagebaumarkt als Weißer Ritter. Diesmal unbemerkt von der Öffentlichkeit. Was auch besser ist, denn nach kurzer Zeit fliegt der rettende Engel wieder davon. Im Laufe der nächsten, deprimierenden Wochen wandern 15 Mitarbeiter ab,  sehen keine Zukunft mehr. Aderlass und Ausverkauf. Am 25. Februar soll an der Bleiche das Licht ausgehen. Endgültig. 

Und jetzt, zehn Tage vor dem drohenden Exitus, die völlig überraschende Wende, in Gestalt eines Wunders – siehe oben –, das  kaum jemand für möglich hielt. Per Pressemitteilung verbreitet die Poco-Gruppe, sie wolle den Todgeweihten aus der Insolvenzmasse herauslösen. Marktleiter Momme, man ahnt es, wird  nicht informiert, er erfährt von der Rettung erst durch einen Anruf der Zeitung.

Doch das Bangen geht weiter. Der Poco-Konzern lässt verlauten, man sei „an guten Köpfen immer interessiert“. Vielleicht gehört Christoph Momme ja dazu. Und auch die Mitarbeiter dürfen sich bewerben. Die Achterbahnfahrt beginnt von vorn.

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