Campus Flensburg : Acht Häuser für das Flüchtlingsdorf

An der Osttangente (vorne links) plant das Land ein Flüchtlingsdorf aus mehreren Gebäuden als Erstaufnahmeeinrichtung. Außerdem plant die Uni eine Erweiterung.
An der Osttangente (vorne links) plant das Land ein Flüchtlingsdorf aus mehreren Gebäuden als Erstaufnahmeeinrichtung. Außerdem plant die Uni eine Erweiterung.

An der Osttangente werden rund 10 000 Quadratmeter Fläche für die Erstaufnahme benötigt. 600 Menschen sollen dort untergebracht werden. Wie die acht Gebäude aussehen werden, steht noch nicht fest.

Carlo Jolly. von
02. Juli 2015, 14:30 Uhr

Flensburg | Weder die genaue Zahl der Gebäude noch die Ausmaße des Flüchtlingsdorfs für 600 Menschen auf dem Campus stehen bislang fest, das nach dem Wunsch der Planer im Kieler Innenministerium am 1. September 2016 starten soll. Völlig offen ist noch das genaue Aussehen der vielleicht acht Gebäude, die an der Osttangente entstehen sollen. Vermutlich werden sie auch unterschiedlich hoch sein. Thiemo Lüeße, Koordinator für die Erstaufnahme in Schleswig-Holstein, zeigte gestern bei einer Informationsveranstaltung vor rund 180 Zuhörern im Audimax das Beispiel eines dreigeschossigen Wohngebäudes. „Wir sind im Vergabeprozess“, sagte Lüeße. „Wir bauen ein Studentendorf, das ein paar Jahre als Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge genutzt werden soll“, ergänzte er. Jenseits der Weltpolitik und der Unwägbarkeit internationaler Flüchtlingsströme hat das Land sich vorgenommen, dass das Flüchtlingsdorf lediglich fünf Jahre gebraucht wird. Deshalb sind die Grundrisse der 200 bis 300 Studentenwohnungen so geplant, dass die Zimmer grundsätzlich gut zwölf Quadratmeter groß sind. Damit können in einer späteren Studentenbude jeweils zwei Flüchtlinge unterkommen. Pro Asylsuchendem sind nämlich sechs Quadratmeter Individualfläche vorgesehen – plus gut vier Quadratmeter Gemeinschaftsfläche. Neben vier oder fünf Wohngebäuden werden auf der Ostseite des Campusgeländes nämlich auch Häuser entstehen mit Speisesaal, Schule und Kinderbetreuung, einer Polizeistation mit fünf Beamten oder Räumen für Orientierungs- und Deutschkursen. Außerdem müsse es Räume für Gesundheitsuntersuchungen geben sowie für die Behörden von Bundes- und Landesamt für Ausländerangelegenheiten. Lüeße und Ulf Döhring, Leiter des Landesamtes, gehen samt Betreuern und Wachdienste von 80 bis 90 Personen aus, die überwiegend schon im Herbst in der provisorischen Übergangsunterkunft in Eggebek ihren Dienst aufnehmen werden.

Das Ganze wird den Hochschulcampus auf seiner Ostseite also deutlich verändern. Südlich des gut 4000 Quadratmeter großen Uni-Erweiterungsbaus soll das Gebäude für die Lehrerbildung noch einmal um rund die Hälfte wachsen – auf dann gut 6000 Quadratmeter. Die Planer auf dem Campus gehen davon aus, dass in einer Größenordnung zwischen 9000 und 10  500 Quadratmetern neue Gebäude entstehen werden – also mehr als das anderthalbfache das (dann schon größeren) Uni- Erweiterungsbaus. Dabei werden die einzelnen Gebäude naturgemäß sehr viel kleiner, aber in der Summe womöglich größere Ausmaße annehmen, als in der Grafik auf unserem Foto angedeutet.

Sowohl im Umfeld der Flensburger Hochschulen als auch gestern im Auditorium ist indes nach wie vor Zustimmung zu den Plänen hörbar – im Gegensatz zur identischen Planung in Lübeck, wo die Bürgerschaft gerade den Standort des Landes mit Hinweis auf Ort und Größe abgelehnt hat. Jetzt soll die Lübecker Politik dem Innenminister bis Mitte Juli einen Alternativstandort benennen.

Sensibel indes bleibt auch in Flensburg die Frage einer Einzäunung. Das habe hohe symbolische Bedeutung für die Offenheit, erklärte Lüeße. Eine „Einfriedung“ sei bestimmt hilfreich, formulierte Lüeße – zum Schutz der Bewohner. Die Frage sei: Reicht eine Dornenhecke oder brauche ich einen festen Zaun?

Als leuchtendes Beispiel, wie schnell ein Flüchtling, sich in der deutschen Sparche zurechtfinden kann, berichteter ein syrischer Arzt über seine Erfahrungen in der Neumünsteraner Erstaufnahme. Nach drei Wochen in Neumünster lebt der Mann seit dreieinhalb Monaten in Flensburg – und kann seine Geschichte bereits auf Deutsch erzählen. „Die Sprache ist der Schlüssel“, sagte der Arzt. Frau und Kinder warten in der Türkei auf einen positiven Bescheid des Antrags. Das Problem: Bislang hatte er noch nicht einmal eine Anhörung. Für Döhring und Lüeße ein Grund mehr, dass schnell in Kiel. Flensburg und Lübeck je 600 Erstaufnahmeplätze entstehen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen