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Neue Konzertreihe : Acht Esten läuten Johannisklang ein

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein glücklicher Zufall hilft der Gemeinde St. Johannis, ab Sonntag mit dem Handglockenensemble Arsis eine neue Konzertreihe zu veranstalten.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2015 | 11:00 Uhr

Flensburg | Eines seiner Schlüsselerlebnisse den Klang in der Kirche betreffend hatte Jens-Peter Müller bei einem Konzert zweier Norwegerinnen im November, die mit Gesang und traditioneller Hardangerfiedel in St. Johannis Wohlklänge erzeugten. „Wenn die Geige spielt, ist die ganze Kirche Geige“, schwärmt der Erfinder des Flensburger Festivals Folk-Baltica. Das Klangerlebnis sei der eine Aspekt, um den sich die neue Konzertreihe rankt. Ein anderer sei, den Raum auch für die kommenden Künstler als Inspirationsquelle zu verstehen. Das estnische Ensemble Arsis, das am Sonntag den Auftakt zu „Johannisklang“ beschickt, wird auch gleich Gebrauch davon und schon heute am Anreisetag ein paar Tonproben machen und sein Programm dem Raum anpassen. Einige Zuschauer können auch hinter den Künstlern sitzen. Morgen Abend spielt Arsis in und für die Katharinenkirche in Gelting (wir berichteten).

Dass sich St. Johannis eine der renommiertesten Formationen dieser Art der Welt leisten kann, ist auch einer glücklichen Fügung zu verdanken. Ob zufällig oder bewusst: Pastorin Regina Franzen spricht nicht von einem Geschenk des Himmels, sondern von einem „warmen Regen“ in Gestalt einer Erbschaft, die der Kirchengemeinde in den Schoß gefallen sei. Details will sie nicht publik machen, verrät aber, dass von dem Kapital nicht nur die Sozialkasse etwas aufgefüllt werde und in das Gebäude investiert werden soll. St. Johannis gilt als das älteste Gebäude der Innenstadt und wurde im zwölften Jahrhundert erbaut – offenbar dermaßen solide, dass ihm Christians und wie die Stürme heutzutage heißen, wenig anhaben konnten. Der Geldregen versetze auch in die Lage, diese besondere Reihe von sechs bis acht Konzerten im Jahr anzubieten, sagt die Pastorin, die im April 1999 hier eingeführt wurde. Sie weiß zu berichten, dass auch schon junge Sängerinnen, die im Rahmen der jährlichen Kammerkonzerte mit Matthias Janz aufgetreten sind, vom Klang im Gewölbe schwärmten. „Es ist so leicht hier, der Ton wird getragen“, zitiert sie und erlebt es selbst, wenn sie singt. Umso verwunderlicher, dass es immer noch Menschen gibt, die bislang keinen Fuß in das schöne Gebäude gesetzt haben; auch dies zu ändern, dient die Reihe.

„Wir füllen auch eine Lücke“, betont Jens-Peter Müller. Zwar gebe es die mehrwöchigen Festivals und zahlreiche Einzelkonzerte. Doch: Übers Jahr gesehen, finden bisher nicht solche hochwertigen Konzerte mit unbekannten Künstlern aus der Welt ebenso wie aus der Region statt. „Wer würde ein achtköpfiges Handglockenensemble aus Estland engagieren“, fragt Müller rhetorisch und nennt es „einfach schön“ und einen Glücksfall, dass er in der Pastorin Franzen eine Gleichgesinnte hat, die mit Hilfe des zehnköpfigen Teams die Reihe veranstaltet. Unverstärkt, versteht sich, und offen für alle Genres. Müller, der vor drei Jahren bei Folk-Baltica aufgehört hat und seit vielen Jahren ein Büro für skandinavische Musik leitet, verfügt über nützliche Kontakte.

Auch ans Auge ist gedacht. Dafür hat sich Regina Franzen von Florenz inspirieren lassen. „Die haben so wunderbare Eintrittskarten – für jedes Konzert eine andere“, erinnert sie und hat das an den Grafiker im Team weitergegeben. Ausschnitte des sehenswerten Gewölbes finden sich nun auf den kunstvoll gestalteten Tickets.

 


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