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Flensburg und Umgebung : Abzocke: Schleifer mit Wucherpreisen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kreishandwerkerschaft und Kripo warnen: In Flensburg und Umgebung sind wieder unseriöse Dienstleister unterwegs, die ihre Dienste als Schleifer anbieten.

Als der rote Lieferwagen mit ausländischem Kennzeichen vorfuhr, blickte Bärbel Lange verwundert aus dem Fenster. Ein Mann mit kurzen dunklen Haaren stieg aus und bot der Tischlerei, in der sie tätig ist, seine Dienste an. Man möge ihm – völlig unverbindlich – Stecheisen und Sägeblatt aushändigen, um dem Werkzeug eine gründliche Schleifkur inklusive Versiegelung zu verabreichen. Gratis und zur Probe. Danach könne vertrauensvoll ein Auftrag größeren Ausmaßes erfolgen.

Bärbel Lange lehnte ab. Freundlich, aber bestimmt. Schließlich habe man einen Schärfdienst gleich um die Ecke, mit dem man schon lange und vertrauensvoll kooperiere. Sämtliche Überredungsversuche scheiterten. „Der Mann mit holländischem Akzent war hartnäckig, aber immerhin habe ich ich mich nicht bedroht gefühlt“, sagt die 40-Jährige.

Die Frau des Firmenchefs hat richtig gehandelt. Denn die Kreishandwerkerschaft warnte wenig später vor den unseriösen Scherenschleifern, die derzeit im Norden durch die Lande ziehen – mit völlig überzogenen Geldforderungen für ihre Arbeit.

Dass die ambulanten Scharfmacher nicht nur in Flensburg unterwegs sind, sondern auch das Umland durchkämmen, zeigt ein Beispiel aus Glücksburg. Im Autohaus Krieger wurde unlängst ein etwa 55-jähriger, korpulenter Herr vorstellig, der seine Dienste an der Schleifmaschine anbot. Den Beweis seiner Kunstfertigkeit wolle er erbringen, indem er einige Bohrer und Meißel vorab und kostenlos bearbeitete.

Firmenchef Stephan Krieger (44) übergab ihm das erbetene Werkzeug – und war von der Arbeit angetan. „Das war in Ordnung, sah fachmännisch aus.“ Daraufhin übergab er ihm weitere Geräte wie Blech- und Hebelschere, Rohrschneider und Antennenfräser. Berechnet werden sollte laut Absprache jeweils nur die Schnittfläche: 1,23 Euro pro Zentimeter, soweit Krieger sich erinnert.

Bei der Rückgabe war der Inhaber des Autohauses wiederum zufrieden. Die Qualität der Arbeit stimmte – allerdings nicht der Preis. 600 Euro verlangte der mobile Schleifer, diesmal in Begleitung eines jüngeren Kollegen. Eine Frechheit, fand Krieger. Er war lediglich bereit, eine Summe von 100 Euro zu berappen. Es kam zu einem Wortwechsel. Die „fahrenden Gesellen“ wurden laut und ungehalten. Doch ihr Gegenüber ließ sich nicht einschüchtern. „Entweder ihr nehmt das angebotene Geld und verlasst das Gelände, oder ich rufe die Polizei“, drohte er.

Das wirkte. Die dreisten Scherenschleifer ließen sich auszahlen und trollten sich. Sie hinterließen eine Visitenkarte mit dem Firmennamen WST, Sitz Eindhoven, Niederlande. „Wo sie letztlich ihre Arbeit verrichtet haben“, sagt Krieger, „das weiß ich nicht.“

Petra Schenkluhn, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, rät eindringlich vor Werkstattleistungen dieser Art ab. In einem Rundschreiben heißt es: „Wir möchten vor einem Herrn warnen, welcher das Schärfen und Schleifen von Werkzeugen mit einer kostenlosen Demonstration anbietet, es bestehen ganz klar betrügerische Absichten.“ Im Raum Glücksburg sei eine „beleibte männliche Person mittleren Alters“ unterwegs mit einem Ford Focus, grün metallic, Kennzeichen 99 FDZP, Niederlande.

Von einem ähnlich gelagerten Fall berichtet Polizeisprecher Matthias Glamann. Gestern vor einer Woche hätten Unbekannte von einem 89-Jährigen in Handewitt die Barzahlung von an der Haustür angebotenem und im Hause durchgeführten Messerklingenschärfen verlangt. „Gefordert wurde eine hohe Summe“, so Glamann, „die der Rentner unmöglich aufbringen konnte.“ Er zahlte einen Teilbetrag, woraufhin die Unbekannten das Wohnzimmer durchsuchten und wertvolles Silbergeschirr entwendeten. Das Duo entfernte sich mit einem weißgrauen Kleintransporter.

Der Rentner erstattete Anzeige. Beamte der Polizeistation Harrislee leiteten ein Ermittlungsverfahren wegen Diebstahls ein. „Ganz offensichtlich“, so Glamann, „wurde hier die Gutgläubigkeit des Senioren ausgenutzt.“

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