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Flensburger Tageblatt

21. Oktober 2017 | 05:24 Uhr

Teer-Mafia : Abzocke durch dubiose Asphaltierer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Betrüger versuchen Bürgern „billige“ Teer-Arbeiten anzudrehen, doch Preis und Qualität lassen zu wünschen übrig.

shz.de von
erstellt am 25.Sep.2013 | 18:31 Uhr

Flensburg | „Wir haben noch etwas Teer von der letzten Baustelle über. Sollen wir ihre Auffahrt für günstiges Geld neu asphaltieren?“ So fängt auch in Flensburg vermeidbarer Ärger mit britischen Baukolonnen an. Die Flensburger Polizei warnt vor Haustürgeschäften mit dubiosen Baukolonnen aus Großbritannien und Irland.

Der Auftritt der bis zu sechs Mann starken Baukolonne wirkt auf den ersten Blick überzeugend. Mit einem großen Lkw, der ein Gespann mit Walze hinter sich herzieht und ein englisches Nummernschild trägt, wirkt die Truppe durchaus seriös. Sobald jedoch asphaltiert wird, erkennen viele „Arbeitgeber“ ihr Unglück − der versprochene Asphalt besteht keineswegs aus Gesteinskörnungen und dem Bindemittel Bitumen, sondern aus billigem Split, und in einigen Zwischenfällen ist Altöl untergemischt. Der geforderte Preis ist oftmals viel höher als bei seriösen Handwerksunternehmen; schlechter als beim seriösen Handwerksbetrieb vor Ort ist freilich die abgelieferte Qualität. Die Auffahrt, so die Kripo, ist spätestens nach dem ersten Winter wieder sanierungsbedürftig.

Claus Olsen aus Tarup ist derselben Ansicht. Er ist Mitte August auf die Kolonne hereingefallen. „Deren Masche klang plausibel bei all den Baustellen hier an der Straße“, erklärt er. Olsen kam mit einem blauen Auge davon. „Der Schaden hält sich in Grenzen, ist aber ein Ärgernis“, erklärt er. Seine Auffahrt bestand vorher schon aus einem Mix zwischen Asphalt und Kieselsteinen. Aktuell hat die Kripo keine Hinweise über Aktivitäten dieser Kolonne im Flensburger Raum. Die hohe Zeit der betrügerischen Asphaltierer war nach Polizei-Erkenntnissen der Frühling. Als der Schnee schmolz und die Schlaglöcher zum Vorschein kamen, versuchten die Trickbetrüger ihr Glück. Hatte der Trupp erst einmal seinen Lohn erhalten, war nicht nur die Baukolonne weg, sondern auch das Geld.

Aber auch andere Maschen werden benutzt um, vor allem bei älteren Bürgern, auf betrügerische Weise Geld zu verdienen. Ein Beispiel dafür ist ein Handwerker-Duo, dass ihren Kunden eine Begutachtung der Werkzeuge vorschlägt, um diese nachzuschmieden oder zu härten. 30 Minuten später waren 350 Euro fällig, für Dienstleistungen, die nicht einmal bestellt worden waren. Wollten die Kunden die gepfefferten Preise nicht zahlen, wurde auch die Rückgabe der Werkzeuge verwehrt. Drohungen wurden verlautet und ein Wiederkommen angekündigt. Beide Ansagen blieben ohne Folgen.

Die meisten Auftraggeber wissen jedoch nicht, dass allein die Annahme des Auftrages schon illegal ist, denn die Arbeiter aus England und Irland besitzen häufig keine Gewerbebescheinigung und arbeiten somit auf illegaler Ebene. In ganz Deutschland sind die umherziehenden Betrüger bekannt, denn sie waren schon 2012 unterwegs. Gibt man „Teer Mafia“ bei Google ein, überschütten einen die Zwischenfälle. Sogar Ereignisse aus den USA sind bekannt. Die Polizei bittet darum, dass jeder Fall zur Anzeige gebracht wird, damit Andere geschützt werden können.

 

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