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Flensburger Schifffahrtsmuseum : Abtauchen in die Vergangenheit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Stadtwerke haben dem Schifffahrtsmuseum eine Taucherausrüstung aus den 60er-Jahren überlassen. Gesucht werden noch Fotos und Berichte.

shz.de von
erstellt am 06.Nov.2014 | 16:00 Uhr

Etwa 110 Kilogramm wiegt die Taucherausrüstung, die die Stadtwerke-Mitarbeiter Reinhard Diercks und Jan Heinrich am Schifffahrtsmuseum Stück für Stück aus dem Transporter heben: Schuhe aus Stahl, ein breiter Anzug aus dickem Neopren und als Glanzstück ein kugelförmiger Helm aus Kupfer, der so aussieht wie ein Requisit aus einer alten Jules-Verne-Verfilmung.

So lange ist es allerdings noch gar nicht her, dass diese Stücke in Flensburg zum Einsatz kamen: In den 1960er-Jahren wurden sie von Tauchern der Stadtwerke bei der Reinigung des Einlauf- und Auslaufkanals getragen. Der insgesamt etwa 500 Meter lange Kanal leitet Wasser von der Förde ins Kraftwerk, wo es zur Kühlung genutzt wird – und anschließend wieder zurück. Gerade am Kanaleingang am Hafen sammelt sich an den großen Sieben Holz, Muscheln und anderer Unrat. Dieser muss von Tauchern mindestens einmal im Jahr entfernt werden. Bis 1972 hatten die Stadtwerke für diese Aufgabe eigene Helmtaucher im Einsatz – zuletzt waren das die beiden Tischler, die einmal im Jahr für diese Aufgabe ins Wasser gingen. Seit diese Männer in den Ruhestand gingen, gibt es bei den Stadtwerken keine eigenen Taucher mehr – diese Aufgabe übernehmen jetzt Berufstaucher.

Aber die Anzüge gibt es noch. Lange lagerten sie in einem Sicherheitsraum, wo niemand sie sehen konnte. „Wir hatten einfach nicht die Möglichkeiten, die Anzüge auszustellen“, erklärt Unternehmenssprecher Peer Holdensen. Auf Anregung der Service-Mitarbeiter Reinhard Diercks und Jan Heinrich haben die Stadtwerke die Taucherausrüstung jetzt dem Schifffahrtsmuseum übergeben. „Wir freuen uns, dass die Taucherausrüstung für die Nachwelt erhalten bleibt“, erklärt Sprecher Holdensen, „in der Sammlung des Schifffahrtsmuseums sind sie gut aufgehoben.“ Und auch Museumsleiter Thomas Overdick ist begeistert: „Schließlich sind diese Anzüge ein Stück Hafengeschichte.“ Erstmal wandern die Anzüge jetzt ins Magazin des Museums, bis entschieden ist, wie die Taucheranzüge am besten ausgestellt werden können.

Einige Geschichten über die Tauchgänge können Reinhard Diercks und Jan Heinrich beisteuern. Neben ihren eigenen Erinnerungen haben die beiden sich außerdem mit älteren Kollegen unterhalten. Diercks erinnert sich, wie er zum ersten Mal nach Flensburg kam und die Einrichtung sah, mit deren Hilfe die Taucher aus dem Kanal gezogen wurden: „Damals gab es eine Art Galgen mit Metallrädern, der mit einer Handwinde bedient wurde – ich dachte, ich wäre im Mittelalter.“ Bis zu vier Männer wurden in den 60er-Jahren gebraucht, um die Taucher in ihre Anzüge zu stecken und später wieder aus dem Wasser zu hieven. Alle ein bis zwei Stunden wurden die Taucher ausgewechselt – schließlich hatte das Wasser im Frühjahr nur etwa acht bis zehn Grad und die Anzüge waren nicht beheizt. Die Reinigungsarbeiten selber konnten sich bis zu einem Vierteljahr hinziehen – „während dieser Zeit wurde das Werk stillgelegt und wir bezogen in Flensburg den Strom aus Dänemark“ erklärt Diercks. Heute dauert diese Prozedur maximal eine Woche, meist aber nur zwei bis drei Tage. Die Taucher tragen in der Regel auch keine Helme, nur bei den Schweißarbeiten kommen auch heute noch moderne Tauchhelme zum Einsatz.

Für die weitere Dokumentation der historischen Taucherausrüstung sucht das Museum Fotos und Berichte von Tauchgängen aus den 60ern. Sie können an schifffahrtsmuseum@flensburg.de gemailt werden.

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