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Fahrensodde 20 in Flensburg : Abtauchen in die Tiefen des Meeres

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im „Kleinen Tauchermuseum“ berichtet ein Tauchveteran über die Geschichte des Tauchens und seine eigenen Abenteuer

Unhandliche Harpunen, ein metallener Taucherhelm, Masken, die an Froschmänner erinnern, eine schwarz-weiße Fotocollage. Auf einem Bild eine Hochzeit unter Wasser. Das alles gibt es im „Kleinen Tauchermuseum“ von Peter (76) und Gerda Kopsch (69). „Das Foto zeigt übrigens unsere Hochzeit“, sagt die passionierte Taucherin. Sie gaben sich vor einem tauchenden Standesbeamten in sechs Metern Tiefe das Ja-Wort. Das Wasser ist das Element des Ehepaares. „Ein Tauchermuseum aufzubauen war naheliegend.“ In Schleswig-Holstein ist das Museum einzigartig. Nur die Firma Dräger in Lübeck hat einen Ausstellungsraum für Tauchausrüstung auf ihrem Gelände. „Als es für uns feststand, dass wir das Museum eröffnen, haben wir das jedem erzählt.“ Viele boten dann historische Stücke aus ihrem eigenen Fundus an.

„Wir hatten jahrzehntelang eine Tauchschule und einen Shop, den wir 2012 verkauft haben. Schon dort haben wir alte Tauchzeitschriften ausgestellt“, sagt Peter Kopsch. Heute können die Gäste des „Kleinen Tauchermuseums“ einen Blick in die erste Ausgabe der ersten Tauchsportzeitschrift in Deutschland „Delphin“ von 1954 werfen.

„Es gab auch eine DDR-Tauchsportzeitschrift. Ein Freund aus Berlin und ich haben uns die Ausgaben immer Gegenseitig zugeschickt. Nur bei ihm in der DDR ist sie nicht immer angekommen.“ Die Taucher seien da grundsätzlich unter Beobachtung gewesen: Sie hätten unter Wasser fliehen können. „Ein Bekannter von mir tat das auch.“

Das Ehepaar Kopsch kann zu fast jedem Stück aus dem Museum eine Geschichte erzählen. Auch zu dem großen Taucherhelm, der etwas an einen Astronauten erinnert. Die Vorstellung, das 30-Kilogramm-Ungetüm auf dem Kopf zu haben, löst Beklemmungen aus. Zusammen mit dem wasserdichten Anzug und der Ausrüstung trägt der Taucher gut 100 Kilogramm. „Mit so einem Helm habe ich 1972 meine Berufstaucherausbildung für die Feuerwehr gemacht. Damit springst du nicht ins Wasser. Der Taucher wird mit einem Kran herabgelassen.“ Oben auf dem Helm befindet sich dafür extra eine Öse. Im Inneren des Taucherhelms gibt es einen Knopf, der mit dem Kopf bedient wird. „Damit lässt man Luft aus dem Anzug. Der Sauerstoff wird über einen langen Schlauch zu einem herunter gebracht.“ Dabei musste der Taucher immer darauf achten, dass nicht zu viel und nicht zu wenig Sauerstoff im Anzug ist. „Sonst droht der Tauchersturz.“ Wenn der Auftrieb zu stark ist, schießt der Taucher an die Wasseroberfläche und durch den Druck explodiert der Anzug wie ein Luftballon. Dann sinkt der Taucher wie ein Stein zu Boden. Das zerstört die Organe – eine der größten Gefahren.

Den Wasserdruck müssen auch die Sport- und Schwimmtaucher ständig im Auge behalten. Alle zehn Meter, die sie tiefer gehen, steigt er um ein Bar. Beim Tauchen löst sich, abhängig von Tiefe und Dauer des Tauchganges, Stickstoff aus der Atemluft im Körpergewebe. Wenn der Umgebungsdruck beim Auftauchen wieder fällt, gibt das Gewebe den Stickstoff wieder ins Blut ab. Wenn das zu schnell geschieht, weil der Taucher zu zügig aufsteigt, hat das gesundheitliche Folgen. Deshalb ermitteln Taucher mithilfe einer Dekompressionstabelle, wie langsam sie aufsteigen müssen. Für den Laien sehen die ausgestellten Deko-Tabellen aus wie bunte Pappe, dabei waren sie für die Taucher überlebenswichtig: „Sie müssen Zeit und Tiefe immer im Auge haben“, sagt Peter Kopsch. Früher mussten die Taucher mit einer Papiertabelle arbeiten. Dabei gab es immer das Risiko, dass sie einen Fehler machen. Heute gibt es dafür kleine, moderne Tauchcomputer. „Aber auch die Technik kann versagen.“

Im Tauchermuseum gibt es noch viel mehr zu entdecken: Wasserdichte Kamerahüllen aus dem Eigenbau, Monoflossen und alte Tauchermesser und Atemregler. „Früher wurden sie Lungenautomat genannt.“ Dabei ist das Museum nicht nur etwas für Taucher. Die Anekdoten von Peter Kopsch hauchen den Ausstellungsstücken Leben ein. „Wenn die Tauchveteranen von ihren Abenteuern erzählen, haben sie alle dieses Glänzen in den Augen“, verrät Gerda Kopsch. „Viele von ihnen haben in manchem Moment nur mit Glück überlebt.“

Tauchermuseum Fahrensodde

Das „Kleine Tauchermuseum“ zeigt in zwei Räumen 100 Jahre Tauchgeschichte. Es befindet sich in der Fahrensodde 20 auf dem Dantronik-Gelände direkt an der  Förde. Interessierte können sich, idealerweise in Kleingruppen, zu einer Führung bei Peter und Gerda Kopsch  unter  Telefon 0461-63552 anmelden. Neben einer Führung  mit Erklärungen  gibt es auch  Raum, um sich über das Tauchen austauschen.

 

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erstellt am 13.Dez.2016 | 16:00 Uhr

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