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Flensburger Tageblatt

22. August 2017 | 07:59 Uhr

Ruhestand : Abschied mit der Vision für 2020

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Karl-Heinz Vorwig, Direktor der Diako seit 2003, geht am Mittwoch in den Ruhestand und hinterlässt ein intaktes Krankenhaus.

An seinem Schreibtisch ist Karl-Heinz Vorwig dieser Tage nicht häufig anzutreffen. Meistens ist er „im Haus“ unterwegs. Das Haus – das ist die Diako, dessen Gesicht Vorwig seit zwölf Jahren ist. Aber nur noch drei Tage: Mittwoch wird der Kaufmännische Direktor in den Ruhestand verabschiedet.

„Ich gehe gern durchs Haus“, sagt der 66-Jährige. „Es ist wichtig, dass man den Leuten am Arbeitsplatz begegnet.“ Derzeit begegnet er ihnen, um sich zu verabschieden. Vorwig hinterlässt ein intaktes Krankenhaus, eingebettet in einen Konzern, dessen Bilanzsumme heute mehr als doppelt so groß ist wie bei seinem Amtsantritt. 2003 schrieb die Diako Verluste, hatte keine echte Leitung, sondern „nur“ einen vierköpfigen Vorstand, stand „am Abgrund“.

Und heute? „Leichte schwarze Zahlen“, sagt Vorwig, über den hinter vorgehaltener Hand gesagt wird, er betreibe „Management by walking around“. Das fasst er als Kompliment auf, denn er hat immer den Anspruch gehabt, alle Abteilungen, alle Mitarbeiter und damit auch alle Probleme zu kennen. Er hat sich auch schon mal über Kleinigkeiten echauffiert, kleine Rechnungen herausgepickt und analysiert. Zu Beginn wurde ein Controlling aufgebaut, der Stellenplan standardisiert. „Wir mussten die Kliniken nach vorn bringen.“

Die 15 Chefärzte, die derzeit an der Diako tätig sind, hat er alle eingestellt. Zuvor jedoch hat er sie genau unter die Lupe genommen, auch an ihrem früheren Arbeitsplatz. „Die Oberin kam immer mit und hat sich auf den Stationen umgehört“, sagt er mit einem Schmunzeln, „da konnte man viel über den Chef erfahren.“ Das galt auch für das Abendessen in einem Restaurant, bei dem gern die Gattin dabei sein durfte. Wenn die ihren Mann unter dem Tisch mit Tritten traktierte, weil der sich um Kopf und Kragen redete, hatte das durchaus Einfluss auf Vorwigs Entscheidung.

„Die Chefärzte, die wir heute haben, würde ich alle wieder einstellen“, sagt er, ohne lange zu überlegen. Und er würde sich, sollte es erforderlich sein, auch jederzeit in ihre Hände begeben. „Das sind alles hervorragende Ärzte.“

Vorwig hat die Diako zum Konzern mit insgesamt 3200 Mitarbeitern und 172 Millionen Euro Umsatz ausgebaut. Es gibt Standorte unter anderem in Bredstedt, Kappeln und Harrislee. „Die Margarethenklinik in Kappeln würde ohne uns heute nicht mehr existieren“, ist er sich sicher. Besonders wichtig ist für ihn rückblickend der Klinikverbund mit den Maltesern. „Dadurch kamen wir aus der Konkurrenz raus“, sagt er. Die einzelnen Kliniken konnten sich spezialisieren, wuchsen und hatten dadurch bessere Positionen im Bemühen um gutes Personal. Doppelte Angebote werden seitdem vermieden, Diako und Franziskus teilen sich ein Labor und eine Notaufnahme. „Die Kooperation funktioniert richtig gut“, sagt er. Nach wie vor sei sie bundesweit einmalig und stoße auf viel Interesse bei anderen Häusern. Am 1. Januar wird der Verbund zehn Jahre alt.

Vorwig wäre gern noch einen Schritt weiter gegangen – hin zu nur noch einem Flensburger Krankenhaus. Das hätte auf dem Gelände der Diako oder auf einem freien Grundstück am Stadtrand gebaut werden sollen. Doch die Malteser wollten soweit nicht gehen, deshalb bleibt es beim von beiden Häusern gelebten Verbund. Und es bleibt bei den Neubauplänen der Diako, Vorwigs „Vision 2020“, die er noch auf den Weg gebracht hat, die er aber nur als Pensionär erleben wird. „Ich gehe sicher zur Grundsteinlegung“, sagt er. Die Pläne liegen auf seinem Schreibtisch; sie zeigen ein modernes, viergeschossiges Gebäude, das schräg auf dem Gelände steht und schrittweise nach Abriss einzelner Teile des Bestands errichtet werden soll – bei laufendem Betrieb. „Ich denke, wir sind im Zwei-Milliarden-Investitionsprogramm des Landes drin“, gibt sich Vorwig optimistisch. Allerdings auch realistisch: „Eine definitive Zusage der Finanzierung durch das Land bekommen wir erst in ein oder zwei Jahren.“ 95 Millionen Euro soll das neue Krankenhaus kosten, die Bauzeit taxiert der scheidende Direktor auf neun Jahre.

Und was war besonders schön in zwölf Jahren Diako? „Das Konzert der Rohling Schdons im Fliedner-Saal. Der Laden war voll, das war super. Hier muss es manchmal richtig brettern!“

 

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erstellt am 28.Sep.2015 | 14:30 Uhr

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