Landgericht : Abschied im Schwurgerichtssaal: Sie waren ein toller Präsident!

Gut gefüllt: Über 100 Gäste verfolgten die Veranstaltung im Schwurgerichtssaal des Landgerichtes.
Gut gefüllt: Über 100 Gäste verfolgten die Veranstaltung im Schwurgerichtssaal des Landgerichtes.

Feierliche Veranstaltung mit Justizministerin Spoorendonk: Volker Willandsen geht in Ruhestand, Christian Blöcker kommt als Nachfolger

shz.de von
17. Januar 2015, 10:00 Uhr

So einen Abschied muss man sich erst einmal verdienen. Es war weit mehr als nur warme Worte, die Dr. Volker Willandsen gestern im Schwurgerichtssaal in den Ruhestand begleiteten. Grußworte von unter anderem Justizministerin Anke Spoorendonk und Uta Fölster, der Präsidentin des Oberlandesgerichts, zeichneten einen Juristen von Format, einen Vorgesetzten und Kollegen, der Respekt genießt und, ja, auch Zuneigung.

Zwölf Jahre war der heute 64-jährige Willandsen Präsident des kleinsten Landgerichtsbezirks im Lande, seit Jahresbeginn ist er im Ruhestand. Für ihn kam Christian Blöcker, langjähriger Direktor des Schleswiger Amtsgerichtes, der gestern offiziell durch Justizministerin Anke Spoorendonk in sein Amt eingeführt wurde. Gut 120 Gäste waren zur Feier gekommen – die Stadt war durch ihre Präsidentin Swetlana Krätzschmar vertreten.

„Ich bitte um die Einberufung als Gerichstreferendar“ – Ministerin Spoorendonk hatte ein bisschen in Willandsens Personalakte geblättert und war über dessen ungewöhnliche Bewerbung aus dem Jahr 1977 gestolpert. Es war gerade diese spröde Direktheit, die sich als eines der Kennzeichen Willandsens im weiteren Berufsweg immer wieder fand. Spoorendonk sprach von einem Pflichtmenschen, der Herausforderungen mit hoher Einsatzbereitschaft anging, von einem geerdeten, humorvollen Präsidenten mit ausgeprägter Menschlichkeit und Gelassenheit. „Sie haben das Amt nicht ausgeübt, sondern ausgefüllt!“

Uta Fölster hatte als Moderatorin vieler Treffen der schleswig-holsteinischen Gerichtspräsidenten erst eine große Wertschätzung und zum Schluss eine ebenso große kollegiale Zuneigung zu Willandsen entwickelt. Die OLG-Präsidentin hob die unaufgeregte, extrem sorgfältige Art hervor, mit der Willandsen Probleme anzugehen pflegte, seine verlässliche Offenheit, auch „herrliche“ Späße, die fehlende Neigung zur Geschwätzigkeit, Souveränität. Willandsen konnte in den Präsidenten-Runden scheinbar stundenlang schweigen, meinte Fölster, der weisen Einsicht folgend, dass man von anderen ausgesprochene Klugheit nicht auch noch in eigene Worte fassen muss. Auf der anderen Seite konnte der Schweiger zum Löwen werden. Der Präsident, so Fölster, lief zu Hochform auf, als es darum ging, den Flensburger Landgerichtsstandort zu verteidigen. Der von der vorigen Landesregierung unternommene Versuch, Willandsens Landgerichtsbezirk durch Verlagerung des Kappelner Amtsgerichtes in die Kieler Zuständigkeit und Schließung der Justizvollzugsanstalt zu schmälern, scheiterte nicht zuletzt an der leidenschaftlichen Heftigkeit, mit der Willandsen zur Sache ging. „Sie waren ein toller Präsident!“ sprach die OLG-Präsidentin.

Der Vorsitzende des Richterrates, Bernd Selke, sieht den tollen Präsidenten schon hängen. In der Ahnengalerie der Landgerichtspräsidenten im Konferenzzimmer. „Wenn man da angekommen ist“, so Selke, „hat man die aktive Zeit definitiv hinter sich.“ Und der Neue? Christian Blöcker, zeigte sich nobel genug, seinem Vorgänger die Loblieder zu überlassen. Er selbst gab sich mit dem Vorschusslorbeer zufrieden, den Fölster ihm in Form einer Topfpflanze überreichte.

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