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Flensburger Tageblatt

24. Oktober 2017 | 06:47 Uhr

Abrocken im Heimathafen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Santiano reißen mit ihrer zweistündigen Show knapp 4000 Fans in der Flens-Arena von den Sitzen und gehen jetzt in die Weihnachtspause

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2013 | 07:17 Uhr

Zum Schluss gaben sie nochmal alles: Mit dem Rückenwind von 21 erfolgreichen Konzerten in der ganzen Republik rauschte Santiano am Sonnabend in die Flens-Arena und nahm die knapp 4000 Zuschauer im Sturm. Volle zwei Stunden rockte die siebenköpfige Band die Halle, gönnte sich und dem Publikum keine Pause und überzeugte mit einer aufwendigen Bühnenshow. Nach der letzten Zugabe verabschiedeten sich Björn Both, Axel Stosberg & Co. in den verdienten Weihnachtsurlaub; die große Deutschland-Tour geht dann am 7. Februar weiter.

Mit den rund 30 Songs aus zwei Alben füllen die Seemannsrocker aus dem Norden mittlerweile locker ein abendfüllendes Programm. „Gott muss ein Seemann sein“ macht den Anfang, nachdem der große weiße Vorhang theatralisch zu Boden gerauscht ist. Der Prolog mit aufgewühltem Meer und martialischer Meereslyrik von einer rauen Männerstimme dargeboten ist vielleicht etwas dick aufgetragen; eine Brise Selbstironie statt des Versuchs einer Illusion der singenden Seeleute auf einem sturmerprobten Schiff wäre hier angebracht. Aber geschenkt: Wenn die Jungs loslegen, ist das schnell vergessen. Angeführt von Bass- und Steuermann Björn Both – „Flensburg, wo seid Ihr?“ – nehmen die Musiker ihre Fans mit auf eine stürmische Fahrt durch das Gesamtwerk.

Dass die Band Gewinner des Echo in der Sparte Volksmusik ist, mag man kaum glauben. Denn hier wird zwei Stunden gnadenlos abgerockt. Drummer Marco Möller peitscht die Band durch die Songs, Gitarrist Dirk Schlag begeistert mit fetzigen Soli, immer schön im Detail zu sehen auf den beiden großen Videoleinwänden.

Doch das musikalische Aushängeschild ist ganz klar Pete Sage, der englische Geiger, der schon für Mike Oldfield und Achim Reichel den Bogen schwang. Seine Soli und seine Riffs prägen den Santiano-Sound ganz entscheidend. Toll, wie er den Gesang des Publikums bei „Wasser“ mit fein gezupften Läufen begleitet, und klasse, wenn er mit bärbeißiger Stimme „The Irish Rover“ singt. Live sieht und hört es auch der letzte Zweifler: Das ist keine Retorten-Truppe, sondern das sind echte Musiker, die ihr Handwerk aus dem FF beherrschen. Und sie machen ja auch kein Geheimnis daraus, dass die Idee natürlich nicht auf einem harten Törn über den Atlantik geboren wurde, sondern in einem kleinen Flensburger Studio in Hafennähe. Das dreiköpfige Produzententeam steht unauffällig weit hinten im Saal und findet zunehmend Gefallen an der Live-Performance „ihrer“ Jungs.

Denn die ist voller Abwechslung und Höhepunkte: Da wird Mega-Lametta in den Saal geschossen, Flammen schießen in die Höhe, und es rieseln Sterne vom Himmel – pardon; von der Hallendecke. Emotionale Highlights sind das Duett Björn Both/Synje Nordland bei „Gestrandet“ – spätestens hier wächst die oft zitierte Gänsehaut. Im Kontrast dazu der schwere Reggae-Groove bei „Valhalla“, einer „Hooters“-Adaption. Geschickt werden die unterschiedlichen „Decks“ der Bühne mit ihren vielen schiffigen Details eingesetzt. Klar, dass Timm Hinrichsen das Publikum op platt anspricht, und schön, dass zum Schluss „Landmatrose“ Andreas Fahnert dann noch bei zwei Nummern auf die Bühne springt und mitrockt. Dann man frohes Fest und weiter gute Fahrt, Santiano!

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