Flensburg : Abriss in der Straße Friedheim: Ende einer Ruine

Das Haus Friedheim 46 wurde zunächst freigelegt...
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Das Haus Friedheim 46 wurde zunächst freigelegt...

Es stand Jahre lang leer: Ein typisches Siedlungshaus aus der Zeit nach dem 1. Weltkrieg konnte nicht mehr gerettet werden.

shz.de von
12. Dezember 2017, 06:30 Uhr

Jahrelang stand es leer, jetzt ist es weg: Das alte Siedlungshaus Friedheim 46 ist abgerissen und macht Platz für einen Neubau. Ein Handewitter hat die Ruine erworben und plant jetzt den Bau eines Einfamilienhauses auf dem lang gestreckten Grundstück.

Die Bewohner der historischen Straße in Mürwik waren nicht immer begeistert über den Leerstand in ihrer Nachbarschaft. Viele Jahre habe dort eine allein stehende Frau gelebt; in dieser Zeit habe die Verwahrlosung von Haus und Grundstück begonnen. Nach deren Tod wurde das Haus nicht saniert und renoviert, sondern blieb jahrzehntelang unbewohnt. Langsam wuchs es ein und war am Ende kaum noch von der Straße aus zu erkennen.

Der neue Eigentümer hat nach eigenem Bekunden vor dem Abriss alle strittigen Fragen – gerade auch in Bezug auf den Denkmalschutz – mit den Behörden geklärt. Eiko Wenzel, Flensburgs Denkmalsschützer, hatte mit dem Häuschen regelmäßig zu tun. „Wir wurden von vielen Kaufinteressenten gefragt, was es mit dem Haus auf sich hat und haben auch regelmäßig Kontakt zum Eigentümer vermittelt.“ Geschehen sei während vieler Jahre freilich nichts. Leider, wie Wenzel ausdrücklich vermerkt. Denn das Haus mit seinen hölzernen Fensterläden und liebevoll gestalteten Innentüren war ein Musterbeispiel für den frühen Siedlungsbau in diesem Teil von Mürwik und deshalb bis zur Gesetzesnovelle des Denkmalschutzes 2015 als einfaches Baudenkmal markiert.

Das jetzt abgerissene Gebäude wurde 1919 erbaut und war damit eines der ersten Häuser eines neu erschlossenen Baugebietes. 1919 – Twedter Holz und Twedt waren gerade nach Flensburg eingemeindet worden – entstand auf dem Grund des Bauernhofes von Hartwig Samuelsen eine Mustersiedlung mit einigen wenigen charakteristischen Häusertypen, die bis heute – wenn auch überwiegend umgebaut – entlang Friedheim und Osterallee das Straßenbild prägen.

Die damalige Bebauung nahm Motive der Gartenstadtbewegung auf, ein 1898 von dem Briten Ebenezer Howard entworfenes Modell der planmäßigen Stadtentwicklung mit gesunden Quartieren für die ärmere Bevölkerung. Samuelsens Nachkomme Peter hatte die umliegenden „Samuelsen'schen Ländereien“ in den 1910er-Jahren an Torpedoschlosser der Marineschule und an die Stadt verkauft. Die Stadt wiederum teilte die Ländereien in kleinere Parzellen auf und verkaufte sie an die Mitglieder der Kleinsiedlungsgenossenschaft Friedheim – übrigens ohne etwas daran zu verdienen. Sozialer Wohnungsbau funktionierte in den Kinderjahren des 20. Jahrhunderts noch anders. Das Siedlungsprojekt war damals für den „kleinen Mann“ konzipiert, die Stadt gewährte den Häuslebauern sogar Zuschüsse. Bis 1929 baute die Genossenschaft weitere Häuser, ging kurz darauf in Konkurs. Dennoch wuchs die Siedlung schrittweise immer weiter.

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