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Flensburger Tageblatt

18. November 2017 | 16:31 Uhr

Duborg-Schule : Abi-Party ohne Neptunbrunnen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wenn die Duborgschüler heute ihren Abschluss feiern, bleibt ihnen ein traditioneller Brauch versagt. Ausgerechnet zwei Tage vor der Abi-Feier der Duborgschüler ist der Neptunbrunnen auf dem Nordermarkt abgesperrt worden.

shz.de von
erstellt am 26.Jun.2015 | 13:30 Uhr

Flensburg | Der geplante Zufall hat zugeschlagen. Ausgerechnet zwei Tage vor der Abi-Feier der Duborgschüler ist der Neptunbrunnen auf dem Nordermarkt abgesperrt worden. So ganz plötzlich. Ein herber Schlag für die Abiturienten, die nun auf eine lieb gewordenes Ritual werden verzichten müssen. Denn seit Mitte der 80er Jahre zelebrieren sie die Feierlichkeiten zum Schulabschluss an jenem Ort. Dort schützt nun ein Zaun den Brunnen vor unerlaubter Besteigung.

„Vi er studenter nu“, skandieren die Absolventen des 13. Jahrgangs seit Jahrzehnten. Sie singen Loblieder auf ihre Schule, derweil sie traditionell vom dänischen Generalkonsulat über Heiligengeistgang und Große Straße zum Nordermarkt strömen. Nach einem kräftigen Schluck aus der Flasche nehmen sie rasch noch ein Bad im Brunnenwasser – denn von der Neptuntaufe bleibt niemand verschont. Doch auf dieses Bild, auf den Anblick, wenn die ausgelassene Gruppe mit ihren rot-weißen Mützen, mit Sekt und Fahnen (in doppelter Hinsicht) den Brunnen entert, werden auch die vielen mit Kameras bewaffnete Eltern und andere Schaulustige verzichten müssen – bis auf Weiteres.

Warum? Der denkmalgeschützte Neptunbrunnen, 1758 im Rokokostil aus Sandstein erbaut, ist akut gefährdet. Immer mehr Risse im Gestein, Kantenabbrüche, lose Abdeckplatten, vermooste Oberflächen. Und oben thront ein trauriger Neptun, oft mit Farbe besprüht, mal mit, mal ohne ohne Dreizack (weil wiederholt gestohlen), aber stets mit abgebrochener Hand.

Vor zwei Jahren wollte das Landesamt für Denkmalpflege den schleichenden Verfall nicht länger mit ansehen – und zeigte sich spendabel. Es stellte Fördermittel für eine Schadenskartierung in Aussicht. Und es begann die Suche nach kompetenten Restauratoren. Die war schließlich erfolgreich, ein Gutachten wurde erstellt und ein Ortstermin anberaumt. Vor zwei Wochen.

Zwar werden die Sanierungsarbeiten erst im August beginnen, doch vorsorglich entstand besagter Zaun. „Der Zeitpunkt ist vorrangig dadurch zu Stande gekommen, dass nun das Gutachten und entsprechender Handlungsbedarf vorliegen, sagt Ralf Leese vom zuständigen Technischen Betriebszentrum. Räumt aber ein, dass auch „Gründe der Verkehrssicherung“ eine Rolle gespielt hätten. Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf konkretisiert: „Natürlich haben wir ein Interesse daran, dass das Denkmal nicht noch zusätzliche Beschädigungen davonträgt.“ Er hoffe dennoch auf eine standesgemäße Abi-Feier und versichert: „Wir wollen ja niemandem den Spaß verderben.“

Spannende Frage: Was werden sich die Schüler als Alternative einfallen lassen? Kollektiv in den Hafen springen? Den Zaun im Überschwang beiseite räumen? Ebbe Rasmussen, Leiter der Duborg Skole, sagt, seine Schüler verhielten sich ganz ruhig. Noch. Schließlich sei die Schulleitung schon vor zwei Wochen über die geplante Maßnahme telefonisch informiert worden und habe das sogleich an die Schülerschaft weitergeleitet. Er ist sich sicher, dass seine Schützlinge kreativ sein und neue Ideen entwickeln werden. „Aber letztlich wissen wir alle nicht, was passiert.“

 

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