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Stadtplanung in Flensburg : Abgesang auf das Flensdorf

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Qualität entscheidet: Flensburger Professor für Stadt- und Regionalentwicklung macht sich für urbanes Wachstum an der Förde stark

„Zwischen Flensdorf und Großstadt“ hatte Oberbürgermeisterin Simone Lange im Sommer-Interview die Position der Stadt im Spannungsfeld zwischen Wachstum und Lebensqualität verortet. Ein Spannungsfeld, mit dem sich professionell ein zweiter Flensburger beschäftigt, und zwar in Kassel. Dr. Ulf Hahne ist an der Uni dort Professor für Nachhaltige Regionalentwicklung. Flensburgs Nöte, Flensburgs Sorgen, Flensburgs Schätze und Flensburgs Sünden betrachtet Hahne aus der kritischen Distanz, erlebt sie aber auch aus Bürgernähe. Im Interview macht er sich für qualitatives Wachstum an der Förde stark und kritisiert den lässigen Umgang mit den wenigen freien Flächen.

Hahne ist bekennender Stadtbewohner. Urbanität ist ihm wichtig. Urbanität bedeutet Vielfalt und kurze Wege. Zur modernen Urbanität fehle Flensburg aber noch so einiges. Moderne Urbanität könne man beispielsweise in Kopenhagen studieren – wo in einem radikalen Schritt der Fahrrad- und Fußgängerverkehr zu Lasten des Automobils kräftig aufgewertet wurde. So könne eine ganz andere Lebendigkeit in die Stadt einziehen: „Sicherheit hängt ja auch davon ab, wie viele Menschen auf der Straße sind“, so Ulf Hahne. „Wenn sich die Leute alle in Autos bewegen, ist auf Wegen und Plätzen nun einmal nichts los. Je mehr Menschen aber mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs sind, desto mehr Sicherheit geht davon aus. Das ist ja auch für ältere Leute ein sehr wichtiges Thema. “

In Flensburg lasse sich die Dominanz des Autos besonders beeindruckend an der Schiffbrücke studieren. „Flensburg sollte sich ein anderes Konzept für den ruhenden Verkehr in der Innenstadt überlegen“, fordert der Wissenschaftler. „Dazu gehört, zum Beispiel, dass die attraktiven Flächen rund um den Hafen von der Stadtrendite her wenig effektiv genutzt werden, indem man irgendwelche Blechkisten drauf abstellt.“ Er ist sicher, dass die Flächennutzung in diesem Bereich eines der bestimmenden Themen der kommenden zehn Jahre wird.

Am Ostufer, wo für das gesamte Quartier ein neues Konzept entstehen soll, warnt Hahne vor dem neuen Planungsinstrument „Urbanes Gebiet“, das die Flensburger Stadtplanung dort gerne anwenden möchte. Das baurechtliche Raster, das die Grenzen zwischen Gewerbe und Wohnen fließender machen soll, birgt Gefahren, weil mehr Lärm erlaubt sei als in einem Kerngebiet. „Das macht die Sache sehr problematisch“, sagt Hahne und verweist direkt auf die Hamburger Hafencity. Der Krach vom anderen Elbufer macht Wohnen in Teilbereichen der City zum Ausnahmetatbestand, dem man nur mit hohem technischen Aufwand entgegenwirken könne. „Wohnen hätte man dort gar nicht erlauben können.“ Es habe sich gezeigt, dass die planerischen Vorgaben aus diesem Grund auch in der Hafencity nicht alle umzusetzen waren. Für Jürgensby fürchtet Hahne den Effekt, der eintritt, wenn der Schall einen Hang erklimmt. „Das addiert sich ziemlich schnell, wenn er sich über dem Wasser verstärkt und in der Atriumlage nochmals bündelt.“

Das „Flensdorf“ der Oberbürgermeisterin sieht er nicht kommen. Flensburgs Neubaugebiete am Rande des eingemeindeten Dorfs Tarup seien nicht als Mischgebiete konzipiert. Dörfliche Strukturen könnten sich gar nicht etablieren. Aber das ist nicht nur ein Flensburger Problem. „Die Neubaugebiete auf den Dörfern sehen auch nicht anders aus.“

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erstellt am 11.Aug.2017 | 08:00 Uhr

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