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Sozialstrom : Abgemahnt - Care Energy in der Kritik

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Die Verbraucherzentrale kritisiert unzulässige Geschäftsbedingungen und unlautere Werbung bei der Low-Budget-Strommarke Care Energy. Der Energieversorger widerspricht.

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2013 | 03:20 Uhr

Flensburg | Sie sehen sich als die Apologeten der Energiewende. Doch an den Unternehmen der Hamburger mk-group scheiden sich die Geister. Die Holding sorgte mit ihrer Marke Care Energy vor einigen Wochen für Furore auf dem Flensburger Strommarkt, als sie ankündigten, säumige Stadtwerke-Kunden zu einem Sozialtarif wieder ans Netz zu bringen. Trotz des löblichen Ansatzes hagelte es Kritik von allen Seiten. Unverständlich erschien es vielen, wie man bei derartigen Low-Budget-Preisen seriös wirtschaften könne. Auch die intransparenten Geschäftsbedingungen und die Art der Vertragsgestaltung wurden bemängelt.
Jetzt hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBW) eine offizielle Abmahnung auf den Weg gebracht. Care Energy locke Kunden mit einem Preis von unter 20 Cent pro Kilowattstunde, doch unklar sei, mit wem der Verbraucher einen Vertrag abschließe, heißt es. "Der Vertrag von Care Energy ist schwer zu verstehen", so Gerd Billen, Vorstand des VZBW. Der Anbieter betreibe ein Contracting-Modell, bei dem die Kunden einem Unternehmen der mk-group ihren Hausanschluss übertragen. Man müsse befürchten, dass die Schutzrechte aus dem Energiewirtschaftsgesetz damit für die Verbraucher nicht mehr greifen.

Tückische Vollmachtsklausel


Im Auftragsformular versteckt sich zudem eine tückische Vollmachtsklausel. Der Verbraucher erteile der Firma mk-power damit umfangreiche Befugnisse, Verträge in seinem Namen abzuschließen und zu kündigen.
"Es gibt also gute Gründe, von einem Vertrag mit Care Energy abzuraten", sagt Christine Hannemann, Leiterin der Flensburger Beratungsstelle. Verunsicherte Verbraucher, so wirbt sie, haben jederzeit die Möglichkeit bei der Verbraucherzentrale zum Wechsel des Stromanbieters beraten zu werden. Dieser Service kostet fünf Euro. Ihre Kieler Kollegin Margrit Hintz ergänzt: "Die Vorgänge in Flensburg haben zu dem Schritt des Bundesverbandes ganz offensichtlich beigetragen." Das Firmenkonglomerat sei mit Vorsicht zu genießen.

"Wir agieren fair und transparent"


Gleichwohl: Care Energy wächst. 1000 Neukunden täglich, konservativ geschätzt, ist von Unternehmenssprecher Marc März zu erfahren. Einige auch aus Flensburg - direkt nach der Werbekampagne.
Die Abmahnung wird von ihm auf das Schärfste zurückgewiesen. Er habe bereits im Vorfeld Fragebögen für verschiedene Verbraucherzentralen ausgefüllt und Gesprächsangebote unterbreitet. "Das so etwas dabei herauskommt, ist enttäuschend", so März. Er besteht darauf, dass die AGBs auf der Homepage absolut verständlich abgebildet seien. "Wir agieren fair und transparent mit kurzen Kündigungsfristen und ohne Vorkasse." In dem jetzt formulierten Unterlassungsanspruch der Rechtsanwaltskanzlei von Care Energy an die Verbraucherzentrale heißt es, man sei von der "überfallartigen Abmahnung, gelinde gesagt, sehr überrascht. Dies gilt umso mehr, als Sie Ihren rechtlichen Ausführungen einen völlig falschen Sachverhalt zugrunde legen". Diese Missverständnisse hätten sich leicht im Vorfeld klären lassen.
Der Abmahnung vorausgegangen war eine Kritik des Bundesverbands der Energieverbraucher. Der hatte das Geschäftsgebaren von Care Energy ebenfalls als undurchsichtig eingeschätzt und Beratung angeboten. Allerdings müsse man zuvor dem Verband beitreten. Marc März: "Eben diese Organisation ist wiederum Mitglied im Verbraucherzentrale Bundesverband. Auf Kosten der Popularität anderer Unternehmen um Mitglieder zu buhlen", schimpft März, "ist ganz schön dreist!"
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