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Streit mit Flugboote-Investor : Abgehängt am Flensburger Harniskai

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Stauerei Hübsch muss dringend ihren Pachtvertrag am Harniskai verlängern - aber wegen des Rechtsstreits zwischen der Stadt Flensburg und des Flugboote-Investors gibt es keine Perspektive.

shz.de von
erstellt am 21.Dez.2013 | 12:00 Uhr

Es ist noch nicht lange her, dass die Flugboote-Fabrik „Highship“ in Flensburgs Verwaltung und Politik für Zungenschnalzen sorgte. Am 3. Dezember 2010 gab die Ratsversammlung ihrem scheidenden Oberbürgermeister Klaus Tscheuschner euphorisch-einstimmig grünes Licht für die Ansiedlung einer mutmaßlichen Hochtechnologie-Fabrik an der Harniskaispitze. Bekanntermaßen erwies sich die Ansiedlung als großes Illusionstheater. Amtlicherseits soll dieser Fehler jetzt durch die Rückforderung des Erbbaurechtes rückgängig gemacht werden. Amtlicherseits hieß es trotz aller Negativ-Schlagzeilen auch immer, es sei ja zum Glück kein Schaden entstanden. Aber das stimmt nicht. Paul-Richard Hübsch zum Beispiel fürchtet um seine Existenz. Das ist doch schon mal ein Schaden.

Hübsch ist Mitinhaber einer seit 75 Jahren hier siedelnden Stauerei, die am Harniskai auf gut 9000 Quadratmetern selbst erstellter Gebäude ihr Geld mit einem Silo- und Lagerbetrieb verdient. Daran hängen zwei alteingesessene Flensburger Unternehmerfamilien, deren Lebensplanung durch den Absturz des windigen Unternehmens aus der Bahn geworfen wurde. Als Ende 2010 die politische Entscheidung für Highship fiel, hatte der damals 60-jährige Hübsch noch eine Handvoll von ernsthaften Interessenten, die ihn und seinen Partner für Silo und Lagergebäude auszahlen und den (mittelfristig ablaufenden Pachtvertrag) übernehmen wollten. Heute will keiner mehr was von ihnen. Und Ruhestand war gestern. Denn der Anfang der Woche vor Gericht begonnene Rechtsstreit um den Rückfall der Pachtfläche Harniskai 1-3 an die Stadt versperrt jede zeitliche Perspektive. „Der Rechtsstreit kann noch Jahre dauern“, fürchtet Hübsch. Und das ist bitter. Denn damit scheidet auch die zweite Option aus: Bleiben und Durchstarten. Dazu braucht es, so Hübsch, schon eine Verlängerung des demnächst auslaufenden Pachtvertrages. „Erstens können wir die Zukunft des Unternehmens ohne diese Planungssicherheit nicht organisieren; zweitens macht in dieser Branche kein Kunde Geschäfte mit uns, wenn wir nicht Kontrakte über mehrere Jahre anbieten können.“

Dabei ist das Gelände der Stauerei nur Optionsfläche. Hier sollten später erst Erweiterungsbauten hin und eine Ausstellungshalle für Flugboote, ja sogar Sinfoniekonzerte und eine Ausstellung des Pergamon-Museums Berlin versprach die Investorin hier im zweiten Schritt einzurichten.

Verständlich, dass eine staubige Stauerei und einige maritim-handwerkliche Betriebe angesichts dessen zweite Wahl bleiben mussten und gleich weg beziehungsweise in die Unsicherheit geschickt wurden. Betriebe wie das Hafenwerk. Dessen Mieter haben in einem Hübsch-Gebäude zehn Jahre Geld und Arbeit in ihren Handwerks- und Galeriebetrieb investiert und sich jetzt auf einem Level etabliert, dass fünf selbstständige Arbeitsplätze sicher trägt. „Einen zweiten solchen Kraftakt schaffen wir nicht“, fürchtet Tim Janke, der zehn Jahre Schaffen mit dem jetzt auslaufenden Mietvertrag den Bach runtergehen sieht.

Oberbürgermeister Simon Faber, der vergangenen Monat von Mieter Kay Peters um Hilfe bzw. Klärung gebeten worden war, zeigte  Verständnis ("...bestreite nicht, dass dies für die Betroffenen eine schwierige Situation darstellt."), auch Selbstkritik ("Die Untersuchung und politische Erörterung der Abläufe gab durchaus Anlass zur Selbstkritik") zeigte schlussendlich aber wenig Interesse an Existenz-sichernden Maßnahmen vor Ort und verwies an die WiiREG zwecks Anmietung neuer Flächen. Das Risiko sei den Anliegern bekannt gewesen.

Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf, Sprecher der Verwaltung, bestätigt die trübe Vertragslage. „Wir können im laufenden Streitverfahren die Pachtverträge auf den Optionsflächen nicht anfassen, ohne den Erfolg der Klage zu gefährden.“ Über die Dauer des schwebenden Rechtsstreits will er nicht spekulieren („Das kann in die nächste Instanz gehen“), aber er sieht einen Notausgang. „Herr Hübsch hat immer noch die Möglichkeit, den Pachtvertrag direkt mit Frau Geisel zu verlängern. Daran wird ihn niemand hindern.“

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