Aus für Prototyp : Abgeblitzt: Fahrrad-Radar ist vom Tisch

Schützenkuhle/Husumer Straße: Das Radar, das  nahende Radler erfasst, sowie die Fahrradampel sind demontiert worden. Foto: Dommasch
Schützenkuhle/Husumer Straße: Das Radar, das nahende Radler erfasst, sowie die Fahrradampel sind demontiert worden. Foto: Dommasch

Verkehrsbehörde winkt ab - Trotz Serienreife ist das Warnlicht für Radfahrer kein Thema für Flensburg /Unfallschwerpunkt für einen Einsatz fehlt

Avatar_shz von
10. Juni 2011, 06:18 Uhr

Flensburg | Im August letzten Jahres hieß es noch "Tod dem toten Winkel". In Flensburg wurde unter großer Anteilnahme die erste Fahrrad-Ampel bundesweit in Betrieb genommen. Jetzt ist es der mit Vorschusslorbeeren bedachte Prototyp selbst, der beerdigt wird. Zumindest in der Heimat seines Erfinders, des Dachdeckermeisters Martin Budde, der das Radler-Warnlicht erfand. Was wieder beweist: Der Prophet gilt nichts im eigenen Land.

Dabei hatte man sich schon fast daran gewöhnt. An drei Standorten in der Stadt konnten sich rechts abbiegende Autofahrer darauf verlassen, dass das radarbasierte Frühwarnsystem nahende Radfahrer auch bei schlechten Sichtverhältnissen erkennt und ein gelbes Blinklicht auslöst. Doch die Prototypen waren nur zu Testzwecken installiert. Erfinder Budde ging finanziell in Vorleistung. "Wir stellen nur die Kreuzung", schmunzelte seinerzeit ein Stadtsprecher. Das machte sich für Budde bezahlt. Er heimste im November den Innovationspreis des Vereins "Flensburg innovativ! " und damit ein Preisgeld von 25 000 Euro ein.

Dann begann das System zu zicken. Wie gut, dass Budde die Lizenz zum Bau und Vertrieb an die Firma Adolf Nissen Elektrobau aus Tönning - einem der weltweit führenden Hersteller von mobilen Verkehrssicherungsanlagen - vergeben hatte. Die Spezialisten demontierten die unzuverlässig gewordenen "Altgeräte" und waren im Frühjahr bereit, die technisch auf Vordermann gebrachten Anlagen unter dem flott daherkommenden Namen "bike-spot" neu zu installieren. "Leider wollte die Stadt davon nichts wissen", bedauert Vertriebsleiter Rainer Göttsche. Dabei wären bei einer Verlängerung der Testphase keinerlei finanzielle Verpflichtungen entstanden. Eine Begründung habe es nicht gegeben.

Hier ist sie: Es habe sich lediglich um einen zeitlich begrenzten Versuch gehandelt, stellt Kai-Uwe Lütjens, Leiter der Verkehrsbehörde klar. "Es ging nie darum, die Geräte zu kaufen." Abgesehen vom Kostenfaktor gebe es in Flensburg keinen Unfallschwerpunkt, der diesen Einsatz rechtfertigen würde. Es fänden sich keine Hinweise darauf, dass rechts abbiegende Autofahrer irgendwo mit Radfahrern kollidierten. "Das hat eine gemeinsame Auswertung mit der Polizei ergeben." Man habe Dachdecker Budde lediglich bei seiner Projektidee unterstützen und eine Erprobung möglich machen wollen. Gleichwohl: "Die Erfahrungen waren grundsätzlich positiv."

Das Interesse anderer Kommunen und Länder ist im Gegensatz zu Flensburg groß. Laut Göttsche sind Testanlagen in Neumünster, Wedel und Münster (Westfalen) geplant. Und im Vinschgau (Südtirol) wurde auf einer Landesstraße zur Warnung der Autofahrer und Sicherheit der Fahrradfahrer Mitte Mai eine der ersten Pilotanlagen des "bike-spot" aufgestellt. Mit Erfolg!

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen