Ärger um Zug nach Sylt : Abfuhr vom Ministerpräsidenten

'Das lasse ich mir nicht bieten.' Wilfried Gräper will den abschlägigen Bescheid des Ministeriums notfalls den Landtagsfraktionen präsentieren. Foto: Dommasch
"Das lasse ich mir nicht bieten." Wilfried Gräper will den abschlägigen Bescheid des Ministeriums notfalls den Landtagsfraktionen präsentieren. Foto: Dommasch

Es geht um 20,60 Euro - und ums Prinzip. Weil ein überfüllter Zug nach Sylt keine Fahrgäste mehr mitnahm, kämpft ein Flensburger nun um eine Preiserstattung - und stößt auf taube Ohren.

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23. Juni 2011, 09:07 Uhr

flensburg | Man muss sich wehren. Für sein Recht kämpfen. Das ist die tiefe Überzeugung von Wilfried Gräper. Eine Erkenntnis, die den 70-Jährigen das Leben gelehrt hat. Jetzt will der ehemalige Justizbeamte sich mit einem scheinbar übermächtigen Gegner anlegen - dem Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein.
Was treibt Wilfried Gräper um? Er hängt noch immer einem Erlebnis nach, das ihn Anfang des Monats sehr verärgert, jede Menge Nerven und auch Geld gekostet hat. Zusammen mit seiner Frau und einem befreundeten Paar wollte er mit der Nord-Ostsee-Bahn einen Ausflug nach Sylt machen. Der Zug in Klanxbüll jedoch war hoffnungslos überfüllt, der nächste sollte wegen des Streiks der Lokführer erst drei Sunden später einlaufen. Über 100 Fahrgäste, zum Teil mit Kinderwagen und Fahrrädern, standen sich auf dem Bahnsteig die Beine in den Bauch. Das Ehepaar landete letztlich auf Föhr. Mit der Fähre. Wolfgang Gräper wollte sein Geld zurück. Und er will es noch heute.
"Ich werde nicht locker lassen, mein Recht einzufordern"
Es geht um 20,60 Euro für eine Kleingruppenkarte. Und natürlich ums Prinzip. Der Flensburger empfindet die Nutzungsbedingungen der für Fahrpreis-Erstattungen zuständigen Landesweiten Verkehrsservicegesellschaft (LVS), als benutzerfeindlich und sittenwidrig. Und zögerte keine Sekunde, an dieser Einschätzung Peter Harry Carstensen teilhaben zu lassen. Zumal das Land mit 50 Prozent an der Gesellschaft beteiligt ist und eine Staatssekretärin den Vorsitz im Aufsichtsrat stellt. Ermutigt wurde er von einer Leserin aus Norderstedt, die schon einmal in ähnlicher Sache erfolgreich war, indem sie den Landesvater um Hilfe bat. Sie gab den Graepers die Empfehlung, es ihr gleich zu tun.
In einem Schreiben an den Ministerpräsidenten teilt der verhinderte Fahrgast also mit, dass seine Bitten um Rückerstattung des verauslagten Betrages bereits zweimal abgelehnt worden seien. "Ich werde nicht locker lassen, mein Recht einzufordern", schreibt er an Carstensen, "und wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mein Anliegen unterstützen würden."
"Das ist eine bodenlose Frechheit"
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Allerdings war der Inhalt ganz und gar nicht nach dem Geschmack der Gräpers. Es schreibt ein ihm völlig unbekannter Günther Meienberg, Abteilungsleiter des Verkehrsministeriums Schleswig-Holstein: "Herr Ministerpräsident Carstensen hat mich gebeten, Ihnen zu antworten." Es sei richtig, dass die freiwillige nah.sh-Garantie grundsätzlich für Verspätungen und Zugausfälle gilt, nicht aber dann, wenn Fahrgäste aus anderen Gründen, wozu auch eine Überfüllung zähle, einen Zug nicht nutzen könnten. Ergo: keine Entschädigung, keine Erstattung, kein Geld. Man bedaure, keine erfreulicheren Nachrichten . . . und so weiter.
Wilfried Gräper hält das Schriftstück in der Hand und sagt: "Das ist eine bodenlose Frechheit." So ein Bescheid, findet er, stehe stellvertretend für eine bürgerferne Politik, "in die Menschen kein Vertrauen mehr haben". Kein Wunder, dass die Wahlbeteiligungen kontinuierlich zurückgingen.
Nach 27 Jahren Tätigkeit bei der Justiz hat der 70-Jährige ein sensibles Rechtsempfinden entwickelt. Und gemäß seines Credos denkt er nicht daran aufzugeben. Da dass Land größter Gesellschafter der LVS ist, beabsichtigt er, eine Kopie des ablehnenden Bescheids an alle Fraktionen des Landtages zu schicken. Gräpers Kampf geht weiter.
(gudo, shz)

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