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Flensburger Förde-Reederei : Abenteuer Kattegat: Rückzug im Zorn

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Keine Chance gegen subventionierte dänische Mitbewerber - nach zwei Jahren ist Schluss: Das Flensburger Unternehmen spricht von Protektionismus.

Freitag, 18 Uhr, ist Schluss. Dann wird die „Kattegat“ zum letzten Mal in Kalundborg Leinen los werfen und Kurs auf Aarhus nehmen. Für die beiden Städte endet vorerst eine regelmäßige Fährlinie zwischen Jütland und Seeland, für die Flensburger Förde-Reederei ein unterm Strich frustrierendes Engagement in dänischen Gewässern. Die FRS schließt die Linie mit einem Gefühl großer Enttäuschung. In Flensburg wird man das Gefühl nicht los, dass die Dänen ihnen den Stuhl vor die Tür gesetzt haben, um ein nationales Unternehmen vor einem unbequemen ausländischen Wettbewerber zu schützen. Birte Dettmers, Managerin der Kattegat-Ruten, muss nicht lange überlegen, um dafür ein passendes Wort zu finden: Protektionismus.

Vor knapp zwei Jahren hatte die FRS von der dänischen Mols-Linie den Verkehr zwischen Aarhus und Kalundborg auf Bitte der beiden Städte übernommen – mit einem von Mols angekauften RoRo-Schiff, der „Kattegat“. Vorausgegangen, so Dettmers, seien Gespräche mit den wichtigsten dänischen Speditionen, in denen über LKW-/Trailer-Volumen und Preise gesprochen worden sei. Aber die Erwartungen hätten sich nicht erfüllt. „Das von den Spediteuren angekündigte Volumen kam nicht. Und es wurden ständig die Preise gedrückt“, sagt Dettmers. So zerbröckelte die Geschäftsgrundlage. Statt der Fähre nutzten hoffnungslos unterbezahlte südosteuropäische Dumpingfahrer die rabattierte Sundbrücke, die eigens als dänische Gesellschaft gegründete Kattegat-Ruten aber musste die hohen tariflichen und sozialen Standards für ihre dänischen Seeleute voll erwirtschaften.

Entlastung erhoffte sich die Reederei durch den Einsatz der „Dolphin-Jet“, eines Katamarans, der aus der Meerenge von Gibraltar abgezogen wurde, um mit der halbierten Fahrtzeit als Express-Alternative zusätzliche Einnahmen zu erlösen. Daraus wurde nichts. Das Genehmigungsverfahren zog sich über ein halbes Jahr hin, und als der Kat endlich in Fahrt war, bremste die Behörde ihn mit Auflagen binnen drei Wochen aus. Der Jet war gerade 30 Minuten schneller als die konventionelle Fähre. Keine wirkliche Alternative.

 


Große Nähe zum dänischen Staat


 

Das letzte Aufbäumen der Reederei, dann auf der Linie Aarhus – Odden in Konkurrenz zum Mols-Katamaran anzutreten, wurde gleichfalls abgewürgt. „Man hatte Befürchtungen, dass zwei Schiffe unterschiedlicher Reedereien nicht in einem Hafenbecken operieren konnten“, so Dettmers. „Können sie sich so etwas auf einem Flughafen vorstellen?“ Die Sache zog sich hin. So lange, bis Konkurrent Mols ein zweites Schiff für die Linie chartern konnte. Das war das Ende der „Dolphin Jet“. 40 dänische Seeleute wurden im September 2012 ihre Arbeit los – und nun die nächsten 30. An Zufälle mag in Flensburg niemand glauben. Dazu ist die Mols-Linie zu eng mit dem Staat verbunden. Als die Sundbrücke für die Reederei zur Gefahr wurde, gab es nach Angaben des Nachrichtendienstes „Maritime Denmark“ eine kräftige Kompensation: Dänemark übernahm unter anderem deren Hafenanlagen in Ebeltoft – und in Odden – dort, wo die Flensburger kein Bein an Deck bekamen. Dettmers hielte eine EU-Wettbewerbsklage für aussichtsreich – aber unrealistisch. „Das kann Jahre dauern. So lange kann niemand warten.“

Die Kattegat-Ruten wird jetzt abgewickelt, das Schiff ins spanische Tarifa ans Mittelmeer verlegt, wo die FRS Liniendienste zwischen Europa und Nordafrika unterhält. Birte Dettmers, die Kattegat Ruten aufgebaut hat, verlässt das Land mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Ich habe als Deutsche gerne mit Dänen und in Dänemark gearbeitet. Aber mit Europa“, das hat sie gelernt, „ist es in Dänemark so eine Sache. „Europa nutzt ihnen viel. Doch wenn Europa nach Dänemark will, dann rücken sie ganz eng zusammen.“

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erstellt am 09.Okt.2013 | 07:30 Uhr

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