zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

22. August 2017 | 11:58 Uhr

Abc-Schützen und kuriose Schilder

vom

Niedlich, wie die kleinen Abc-Schützen in diesen Tagen mit ihren viel zu groß wirkenden Ranzen unterwegs sind. Wer als Autofahrer bei diesem Anblick nicht intuitiv den Fuß vom Gas nimmt, sollte zum Psychologen gehen. Aber davon abgesehen: Abc-Schützen-Zeit ist normalerweise auch immer die Hoch-Zeit der Geschwindigkeitskontrollen vor Schulen. Aus gutem Grund und nur zu begrüßen. Nur leider haben strukturelle Veränderungen in den vergangenen Monaten dazu geführt, dass bei der Polizei im Norden das Thema Verkehrsüberwachung ein wenig in den Hintergrund gerückt ist. Mehr Personal für dramatisch unterbesetzte Wachen im Westen bedeuten weniger Personal im Norden. Und die Übriggebliebenen müssen notwendigerweise Schwerpunkte setzen. Die Raserjagd - so hört man - gehört nicht dazu. Und selbst wenn es anders vorgesehen wäre, das Hochbrücken-Desaster auf der A7 hätte wohl ohnehin alle wohlmeinenden Pläne der Nordpolizei durchkreuzt. Gleichwohl kennen wir natürlich die Einsatzpläne nicht, und deshalb sollte sich auch kein notorischer Raser auf den Straßen im Kreisgebiet zu sicher sein.

Nun gibt es allerdings auch Schulen, wo die Verkehrsüberwachung zumindest formal betrachtet keinen Sinn machen würde. Die Schule am Wald in Lindewitt ist so ein Beispiel. Sie liegt am Ortsrand in einigem Abstand zur Kreisstraße. Das Kuriose an der Situation dort ist in erster Linie die Beschilderung. Denn wo im Bereich einer Schule mit einem rot umrandeten Warnschild auf spielende Kinder aufmerksam gemacht wird, erwartet man eines sicher nicht: eine Begrenzung der Geschwindigkeit auf 70 km/h. Das wirkt geradezu wie die Lizenz zum Rasen. Blitzer hätten kaum eine Chance.

Die merkwürdige Schilderkombination, auf die uns Leser aufmerksam machten, erwuchs aus dem Wunsch der Gemeinde, dort die Geschwindigkeit zu reglementieren, und - wie so oft - aus bürokratischen Notwendigkeiten. Jedenfalls war im Jahr 2006 eine behördliche Verkehrsschau zu dem Ergebnis gekommen, dass an dieser Stelle vor der Schule nicht gerast werde. Auch die Polizei war mit der Situation ganz zufrieden (nur ein Auto schneller als 80 km/h) . Und so wurde halt auf Basis der geltenden Regelung eine moderate Reduzierung der Geschwindigkeit angeordnet. Oder anders ausgedrückt: Die Beschilderung wurde den Gegebenheiten angepasst. Denn eigentlich kann man in dem Streckenabschnitt ohnehin kaum schneller als 70 km/h fahren. Und bis 2006 galt dort - wohlgemerkt in unmittelbarer Nähe der Schule - eine Beschränkung auf sage und schreibe 100 km/h. Insofern ist jetzt doch alles im grünen Bereich. Ob besorgte Eltern das ähnlich sehen, ist allerdings zu bezweifeln.

zur Startseite

von
erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen