Schneechaos : Ab drei Uhr morgens im Schnee-Einsatz

Mit dem Ford Transit geht es nicht weiter voran – schon auf leichten Steigungen, wie hier Ziegeleistraße, hatten die Autofahrer mit Glätte und Schnee zu kämpfen.
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Mit dem Ford Transit geht es nicht weiter voran – schon auf leichten Steigungen, wie hier Ziegeleistraße, hatten die Autofahrer mit Glätte und Schnee zu kämpfen.

Räumen und streuen: Technisches Betriebszentrum hat alle Hände voll zu tun. Viele Fahrzeuge scheitern an den Steigungen der Stadt.

Gunnar Dommasch von
30. Januar 2015, 12:15 Uhr

Flensburg | Die Nacht für den amtierenden Winterdienstleiter ist früh zu Ende. Sehr früh. Um drei Uhr schwingt der TBZ-Mann sich vom Bett in sein Dienstfahrzeug und fährt damit durch Flensburg – mutterseelenallein. Die Schneedecke ist geschlossen, erst einen Zentimeter hoch. Er durchstreift das Straßennetz. Macht Bremsmanöver auf weiß gezuckertem Asphalt, testet Steigungen auf rutschigem Kopfsteinpflaster, stapft steile Treppen auf und ab.

Er will und darf sich nicht nur auf den Wetterbericht verlassen. Eine Stunde später wird der Einsatz im Technischen Betriebszentrum ausgerufen, die Arbeit koordiniert. Sieben Großfahrzeuge machen sich auf den Weg, 20 Kleinstreuwagen, neun Handkolonnen. Über 50 Mitarbeiter räumen und streuen, zuerst Hauptverkehrsachsen wie Schleswiger und Husumer Straße, B  199, Nordstraße, Kielseng – danach die Nebenstraßen. Ost- und Westtangente hingegen liegen in der Verantwortung des Landes, das Straßenbauamt ist gefordert. „Um sechs Uhr war alles so weit hergestellt, dass der Berufs- und Busverkehr reibungslos funktionierte“, sagt TBZ-Sprecher Ralf Leese. Das Prozedere wiederholt sich dreimal – um 15 Uhr wird die zweite Schicht in Bewegung gesetzt.

Inzwischen hat dichtes Schneegestöber eingesetzt. Autos kämpfen sich bei schlechter Sicht durch matschigen Grund. Besonders hart trifft es die Fahrzeuge mit Heckantrieb. Immer wieder scheitern sie an Steigungen: Toosbüystraße, Nordergraben, Fördestraße. Hilfsbereite Fahrer steigen aus und schieben – nicht immer mit Erfolg. Auch Lkw stecken reihenweise fest. Der Schnee liegt nun bis zu fünf Zentimeter hoch, im Kreisgebiet ist die Lage dramatischer. Nur einen Unfall auf der B  200 hat die Leitstelle im Stadtgebiet registriert, überdies einige Glätte-Einsätze. Gegen 14 Uhr Vollsperrung zwischen Hafermarkt und Süderhofenden – ein Lkw hat sich quer gestellt; zwischen Klues und Duburg kommt ein Auto von der Fahrbahn ab. Auf der Schiffbrücke fährt ein Auto eine junge Frau an, sie wird dabei leicht verletzt. „Rettungsdienstlich nichts Erwähnenswertes“, heißt es bei der Feuerwehr.

Die Sorge gilt besonders den nächsten Tagen, an denen eine Frostperiode erwartet wird. „Wir räumen so viel Schnee wie möglich, damit wir bei der zu erwartenden Glätte besser abstreuen können“, sagt Leese. Gelingt das nicht, bilden sich die gefürchteten Spurrillen, die wie Schienen wirken und das Fahrzeug bei überfrierender Nässe unkontrollierbar machen.

Wiederholt erinnert Ralf Leese an die Schneeräumungs- und Streupflicht (mit Sand, Splitt oder Granulat – kein Salz!) von Eigentümern anliegender Grundstücke. Wenn nötig, mehrmals am Tag. Mindestens ein Meter muss ab 7 Uhr frei gehalten werden. Was vielen nicht bewusst ist: Auch Radwege sind betroffen. Versäumnisse können teuer werden. Mindestens 50 Euro Bußgeld drohen – neben der Schadensersatzpflicht, falls jemand stürzt und sich verletzt.

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