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Spende in Flensburg : 90 Jahre: Bahnhofsmission mit Rückenwind ins Jubiläum

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Traditionsreiche Einrichtung auf dem Bahnsteig erhält unverhofft Geldspritze

Die junge Frau, die krank war, hatte am Bahnhof geschlafen. Aber ob sie sich auch helfen lassen wollte? Viele Obdachlose sind nach wie vor rund um den Bahnhof unterwegs, berichtet Lore Michaelis, die das kleine engagierte Team von elf ehrenamtlichen Mitarbeitern am Gleis 1/2 leitet: „Manchmal stoßen wir an unsere Grenzen“, sagt Michaelis, deren Team montags bis freitags von 8.45 Uhr bis 17 Uhr in zwei Schichten in unmittelbarer Nähe zur Bundespolizei präsent ist.

„Ein Teil der Menschen, die man hier findet, stranden am Bahnhof“, sagt Diakoniepastor Thomas Nolte. Ganz buchstäblich war das im September 2015 so, als Zehntausende auf der Flucht über den Flensburger Bahnhof nach Skandinavien wollten – und so manch einer von ihnen Monate später wieder auf dem gleichen Weg zurückkam.

„Wir sind hier aber keine Beratungsstelle“, sagt Pastor Nolte. Genau wie der Bahnhof, der 1927 eingeweiht wurde, feiert die Flensburger Bahnhofsmission im Herbst ihren 90. Geburtstag. Die Bahnhofsmissionsbewegung insgesamt ist sogar noch älter: „Gegründet wurden die Bahnhofsmissionen Ende des 19. Jahrhunderts, als es die große Bewegung vom Land in die Städte gab, um dort zu arbeiten, auch von jungen Frauen.“ Später unterstützten die Bahnhofsmissionen die Flüchtlingstrecks am Ende und nach dem Zweiten Weltkrieg, und danach die Aussiedler und Spätaussiedler.

Zwischendurch kommt schon mal ein Anruf aus Hamburg: „Könnt Ihr unsere Mutter in Empfang nehmen?“

Jetzt hat das elfköpfige Team unverhofft und überraschend eine namhafte Finanzspritze aus der Alten Post erhalten. Dort arbeitet die Sparda-Bank, die sich dem Bahnhof und Bahnreisenden als 1903 von Eisenbahnern gegründete frühere Spar- und Darlehnskasse besonders verbunden fühlt. Marion Hilgenstöhler, Flensburger Filialleiterin des Hamburger Instituts, überbrachte 10  000 Euro als Erlös aus dem Gewinnsparverein der Bank: „Hier übernehmen Menschen Verantwortung und helfen auch den Menschen, die uns besuchen und Hilfe benötigen“, sagte Hilgenstöhler.

Wenn es so weiter geht, könnte die Bahnhofsmission irgendwann auch Hilfe brauchen: „Wir könnten gut noch junge Mitarbeiter gebrauchen“, sagt Lore Michaelis. Ein Weile kam eine Studentin aus der Nautik, um mit anzupacken. Doch die steuert jetzt einen Tanker.

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erstellt am 20.Mai.2017 | 12:16 Uhr

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