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Flensburger Kunstverein : 85 Jahre Kunstgeschichten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Kunstverein feiert hohen Geburtstag: Der Vorstand plaudert aus dem Nähkästchen und verteilt Geschenke.

shz.de von
erstellt am 21.Nov.2014 | 12:15 Uhr

Gleich auf den ersten Blick erkennt man, dass dieses Kunstwerk eigentlich nicht in die Mittelalter-Abteilung des Heinrich-Sauermann-Hauses auf dem Museumsberg gehört: Das „Haifischmaul mit segnender Hand“ ist eine Assemblage, eine Mischung aus Tierknochen und Alltagsgegenstand des international bekannten Künstlers Daniel Spoerri – und garantiert noch keine 600 Jahre alt. Den Standort zwischen Heiligenfiguren und mittelalterlichen Altären hat der Künstler selbst gewählt, wegen der Anlehnung an die biblische Geschichte von Jonas und dem Wal und der Ironie, dass die Hand eigentlich von einer Schaufensterpuppe aus den 20er-Jahren stammt. Und die segnete nicht etwa, sondern hielt eine Zigarette zwischen den Fingern.

Solche Geschichten haben Museumsdirektor Michael Fuhr und Mona von Bodecker, Vorsitzende des Kunstvereins, viele zu erzählen. Die Geschichten sind eng verbunden mit einem runden Geburtstag, nämlich dem des Kunstvereins. Der Verein wird in diesem Jahr 85 Jahre alt und ist damit einer der ältesten in ganz Deutschland – und mit fast 1000 Mitgliedern einer der größten im Land. Die Gründung des Vereins fiel 1929 mitten in die Weltwirtschaftskrise. „Es gibt da einen Brief des damaligen Direktors Vogelsang an den Bürgermeister“, erzählt Fuhr, der auch Geschäftsführer des Kunstvereins ist. „Darin schreibt der Direktor, man habe ihm jetzt auch noch die Sekretärin weggekürzt und er müsse mit einer halben Putzkraft auskommen – man war also wirklich knapp mit dem Geld“. Der Kunstverein gründete sich damals, um dem Museum finanziell unter die Arme zu greifen. Seitdem fördert der Verein Ausstellungen und Restaurationen und finanzierte schon hunderte Kunstankäufe. Viele Werke von Emil Nolde oder Raffael Rheinsberg wären sonst nicht nach Flensburg gelangt. Als einer der größten Glücksgriffe erwies sich 1959 der Aufkauf des Nachlasses des Jugendstil-Malers Hans Christiansen. Der Kauf war nur durch die Unterstützung des Kunstvereins möglich. 1500 DM gab der Verein für den Nachlass aus. „Das war damals viel Geld, aber heute liegt der Versicherungswert im Millionenbereich“, erklärt Fuhr.

Die Christiansen-Ausstellung wandert gerade durch Deutschland, wird in Darmstadt, Berlin und München zu sehen sein und erhält internationale Beachtung. „Im Herbst 2015 kommt sie nach Flensburg zurück und wird das Highlight des Jahres werden“, sagt Fuhr. „Das wäre ohne den Kunstverein nicht möglich gewesen.“

Für diese Ausstellung werden die Mitglieder des Kunstvereins freien Eintritt erhalten – so wie immer auf dem Museumsberg und in jedem Museum der 300 Kunstvereine. Außerdem können sie an den einmal im Jahr stattfindenden Reisen des Kunstvereins teilnehmen. Wer noch bis zum 31. Dezember Mitglied wird, dem verspricht von Bodecker ein Geschenk: „Eine Mitgliedschaft für zwei Jahre zum Preis von einem.“

Am Sonntag, 23. November, ab 10.30 Uhr, veranstaltet der Kunstverein seine Jahresversammlung. Dort gibt Fuhr das Ziel der Vereinsreise im kommenden Jahr bekannt. Außerdem gibt es im Anschluss um 11.30 Uhr eine gemeinsame Führung mit Stadtpastor Johannes Ahrens zum Thema „Tod und Leben“ die für jeden offen ist, für Nicht-Mitglieder allerdings Eintritt kostet. „Auch wenn wir die Führung anlässlich des Totensonntags veranstalten, wird es da auch was zu Schmunzeln geben“, kündigt Fuhr an. Zum Beispiel das Haifischmaul von Daniel Spoerri, das übrigens auf ungewöhnlichem Weg in den Besitz des Museums gekommen ist, wie Fuhr erzählt: „Der Künstler hatte es dem Kunstkritiker Bazon Brock als Honorar versprochen, aber dann schickte der noch eine Rechnung, Spoerri war beleidigt und wir konnten es kaufen.“ Zu einem Preis, der im fünfstelligen Bereich lag – „und damit weit unter dem, was ich auf einer internationalen Kunstauktion hätte zahlen müssen. Gerade bei solchen Spontankäufen ist der Kunstverein ein Segen.“

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