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Live-Musik in Flensburg : 750 von 80 Millionen bei Giesinger

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Volles Haus im Max: Der Sänger aus dem Badischen ist nett, seine Songs ragen aber nicht aus der Masse deutschsprachigen Pops heraus

Die Banklehre hat er voll durchgezogen – zwei Wochen lang, witzelte der Sänger in einer seiner ausgedehnten Moderationen, und hatte die Lacher auf seiner Seite. Man kann nur hoffen, dass er es nicht irgendwann einmal bereut, die Ausbildung so schnell abgebrochen zu haben. Denn ob der Ruhm bei Max Giesinger von Dauer ist?

Immerhin – das Flensburger Konzert war sehr schnell ausverkauft, 750 überwiegend weibliche Zuhörer drängten sich auf den beiden Ebenen des „Max“ an der Schiffbrücke. Das Spektrum reichte von ganz kleinen Besuchern bis hin zu solchen, die deren Großeltern sein könnten. Für das Vorprogramm hatte er sich seinen Flensburger bzw. Dolleruper Freund Michael Schulte ausgesucht; die beiden waren vor rund fünf Jahren wochenlang in den Medien präsent, weil sie bei „The Voice of Germany“ gemeinsam bis ins Finale vorstießen. Kommerziellen Erfolg hatte anschließend jedoch vor allem Giesinger.

Der ließ allerdings lange auf sich warten. 2016 hatte er zwei Radiohits, die bis heute im Mainstream-Radio häufig gespielt werden. „80 Millionen“, das Liebeslied mit der Bevölkerungszahl der Bundesrepublik Deutschland, stieß mit dem Rückenwind der EM-Euphorie im Sommer 2016 bis an die Spitzen der Charts vor. Im Herbst folgte das nette „Wenn sie tanzt“, eine Art Sozialballade über eine alleinerziehende Frau, die das Leben um sich herum vergisst – eben wenn sie tanzt.

Der 28-Jährige präsentierte sich im „Max“ als Bühnenmensch ohne jegliche Scheu vor seinem Publikum. Er ist ein echter Sunnyboy, dazu eine formidable Rampensau und ein kleines Plappermaul; die Moderationen zwischen den Songs waren oft länger als die Songs selbst. Giesinger hat auch eine angenehme Stimme, er spielt Gitarre, auch mal Piano, oder lässt sich von seiner Band begleiten. Ob das alles reicht, um sich in der schnelllebigen Musik- und Medienwelt dauerhaft zu etablieren, darf bezweifelt werden. Die meisten Songs, die er präsentierte, klingen beliebig und austauschbar, bleiben nicht im Ohr oder im Herzen hängen. Giesinger hat das Glück oder das Pech, dass er mit seiner Musik im Trend der jungen deutschsprachigen Sänger liegt, die derzeit live und im Radio schwer angesagt sind, ob sie nun Tim Bendzko, Mark Forster, Andreas Bourani, Joris, Max Prosa, Axel Bosse oder Philip Poisel heißen. Die sind alle gut, aber irgendwie auch alle recht ähnlich. Mal sehen, wer durchhält, wer das Zeug zum Lindenberg oder Grönemeyer hat. Und ob Max Giesinger bei seinem nächsten Auftritt es zumindest bis ins Deutsche Haus schafft.

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erstellt am 27.Feb.2017 | 08:06 Uhr

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