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Flensburger Tageblatt

22. Oktober 2017 | 15:47 Uhr

70 Jahre CDU: Wilde, alte Zeit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gründungsfeier mit über 100 Gästen und Zeitzeugen im Schifffahrtsmuseum / Gastvortrag von CDU-Generalsekretär Peter Tauber

shz.de von
erstellt am 25.Jan.2016 | 12:30 Uhr

In als schwer empfundenen Zeiten tut ein wenig Erdung manchmal gut. Ein langer Blick zurück zeigte am Sonnabend mehr als 100 Gratulanten des 70. Geburtstags der Flensburger CDU, dass die Zeiten seither eigentlich immer fordernd waren, dass die aktuelle Diskussion um die große Migrationsbewegung keine neue ist, und dass die deutsche Nachkriegsgesellschaft schon immer Herausforderungen meistern musste, die übermächtig erschienen, die Debatten geführt hat, die fundamental waren und leidenschaftlich kontrovers. Die Kreis-CDU hatte den Ort gut gewählt, für Rückblick, Positionsbestimmung und Ausguck: Ort der Seefahrt, Aufbruch und Heimkehr. Das Schifffahrtsmuseum.

Die zweite von den Deutschen verursachte Jahrhundertkatastrophe war gerade acht Monate zuvor zu Ende gegangen als im Alten Gymnasium der nördlichste Kreisverband der großen konservativen Sammlungsbewegung gegründet wurde. Nie wieder Krieg, die Lehre aus dem Leid, habe die Menschen geformt, so Arne Rüstemeier, der 70 Jahre nach dem Mitbegründer und erstem Kreisverbandsvorsitzenden Thomas Andresen in einem - scheinbar - anderen Land die Flensburger CDU führt. Er wies selbst drauf hin: 47,7 Prozent Arbeitslosigkeit, Hunderttausende, die ab 1944 geflohen waren. Schleswig-Holstein hatte bezogen auf die ursprüngliche Wohnbevölkerung die höchste deutsche Flüchtlingsquote: statt 1,6 Millionen lebten 1949 gut 2,7 Millionen Menschen im Land. Eine bewältigte Herausforderung, eine Zeit des Aufbruchs, weil mit der humanitären Herausforderung der Aufbau der Bundesrepublik einherging.

„Es war eine tolle Aufbruchsstimmung“, erinnerte sich Frauke Pries als Zeitzeugin. Der Gestaltungswille war groß, wo immer für die neue Partei geworben wurde, sei es brechend voll gewesen. Frauke Pries ist die Nummer drei in der Geschichte der Flensburger Kreis-CDU. Der Mitgliedsausweis ihres Vaters hat die Nummer eins, ihre Mutter war die zweite, die eintrat, Tochter Frauke war Nummer drei. Die Ausweise hat Pries als Dokumente der Aufbruchszeit schon lange der Konrad-Adenauer-Stiftung vermacht, dort liegen sie sicher.

Peter Erichsen kam erst später, 1956, hinzu. Auch er ein CDU-Urgestein. Geflohen vor den Sowjets und heimisch geworden in Sünderup, dort als Landkreisbürgermeister nach Flensburg eingemeindet, hier Ratsherr von 1974 bis 1998, davor machtvolle Zeiten im stark konservativ geprägten nördlichen Bundesland. „Das waren noch Ergebnisse damals!“ schwärmte er augenzwinkernd.

Es war ein Satz von Erichsen, der es Peter Tauber besonders angetan hatte. „Ich bin jetzt 55 Jahre in der CDU und ich bleib´ noch ein bisschen dabei.“ Bemerkenswert für den Historiker und CDU-Generalsekretär, der als Gastredner und Gratulant aus Berlin angereist war. Für Tauber nämlich ein Beleg, dass die CDU mit all dem gesellschaftlichen Wandel aus sieben Jahrzehnten, mit all den Herausforderungen und allen Antworten, auch den umstrittenen, gescheit umgegangen sein muss. Weil auch die erste Generation heute noch sagt: Ich bleib noch ein bisschen dabei.

Tauber warb um Vertrauen und er empfahl dringend auch Zuversicht. Jede der grundlegenden Debatten in Deutschland – etwa um die Westbindung, die deutsch-französische Aussöhnung, die Wiederbewaffnung, die deutsche Einheit, die Bewältigung der Krisenjahre 2008/2009 – sei heftig gewesen. Begleitet von vielen Sorgen und Ängsten. Alles hätte auch ganz anders kommen können, gewiss. Aber Tauber kam nicht umhin festzustellen: „Deutschland ist so stark wie nie!“ Beleg für ihn, dass die CDU in zehn Merkel-Jahren auch in der Krise richtig gelegen habe und das Land trotz schriller Begleitmusik sicher auch durch die aktuelle Krise steuern werde. „Für schwierige Zeiten haben Sie ihre Abgeordneten gewählt.“

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