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Flüchtlingsunterkunft Flensburg : 600 Plätze – zu viel für den Campus?

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Land will einen einzigen Standort an der Osttangente in Flensburg. Landtagsabgeordnete Simone Lange hält eine dezentrale Lösung für möglich.

shz.de von
erstellt am 30.Apr.2015 | 08:00 Uhr

Bereits bevor Thiemo Lüeße am Dienstag im Hauptausschuss die Politik in öffentlicher Sitzung informiert, hat der Landeskoordinator für Flüchtlingsunterkünfte im vollbesetzten Gemeindezentrum St. Johannis weitere Details genannt, wie das Flüchtlingsdorf aussehen könnte, das das Land an der Osttangente mit 600 Plätzen plant. Fünf langgezogene Wohngebäude zeigte Lüeße in einer ersten Skizze, die – wie auch immer sie am Ende aussehen – 50 Jahre stehen sollen. Für diese Häuser, in denen bis zu acht Personen in Vier-Zimmer-Wohnungen untergebracht werden könnten, sieht das Land die Chance, sie irgendwann zu Wohnheimen eines Studentendorfes zu machen, falls die Flüchtlingszahlen einmal schrumpfen sollten.

Weiter zeigte Lüeßes Skizze direkt an der Osttangente vier „Funktionsgebäude“, von denen das größte ein Haus mit Speisesaal für 300 Personen und Kinderbetreuung werden soll. Zum Vergleich: Der größte Vorlesungssaal auf dem Campus, das Audimax, fasst 304 Studierende. Dazu sind Gebäude für eine Polizeiwache, Ärzteversorgung, Seminare, Sport und Gebet geplant.

In den Planungen, die Lüeße vor dem „Bündnis für ein buntes Flensburg“ vorstellte, sind sechs Quadratmeter pro Person plus rechnerisch vier Quadratmeter in Gemeinschaftsräumen eingeplant: „Das ist nicht überschwelgender Luxus“, findet Lüeße – sei aber zumutbar und viel besser als die Container und Zelte, die in Neumünster bereits aufgestellt wurden. Derzeit durchliefen Flüchtlinge die Erstaufnahme binnen zwei Wochen und müssten zur Anhörung im Asylverfahren wieder zurückkommen. Künftig sollen die Menschen hier sechs Wochen bleiben, in denen ein Gesundheitscheck, die Klärung der Papiere und Fähigkeiten, Sprachkurse und mehr vorgesehen sei: „Wir möchten schon in der Erstaufnahme mit der Integration beginnen“, sagte Lüeße.

Offen ist, ob die neuen Häuser auf dem Campus in Modulbauweise entstehen oder herkömmlich errichtet werden. Module sparten sechs Monate auf der Baustelle. „Am 1. September 2016 wollen wir in Betrieb gehen.“ Derzeit würden alle Flüchtlinge im Schnellverfahren aus der Erstaufnahme an die Kreise und Kommunen verteilt. Jedes ehrenamtliche Angebot in einem geordneten Asylverfahren helfe der Integration, sagte Lüeße. Die deutsche Sprache in Wesenszügen zu begreifen, sei Voraussetzung, um die bleibenden Flüchtlinge vor Ort in Arbeit zu bekommen. Als Erfahrungswert nannte Lüeße, dass jeder Zweite in der Region bleibe.

Diskutiert wurde in St. Johannis über die Frage, ob ein Zaun um das Flüchtlingsdorf notwendig sei. „Es gibt keine gesetzliche Vorschrift für einen Zaun“, so Lüeße. Landtagsabgeordnete Simone Lange (SPD) fragte, ob das Klima in Flensburg vielleicht gut genug sei, um auf einen solchen Zaun zu verzichten.

Anstelle einer einzigen Erstaufnahme mit 600 Plätzen in Flensburg hält sie auch mehrere kleinere Standorte für möglich? „Es steht der Stadt Flensburg selbstverständlich frei, weitere Flächen für Erstaufnahme zur Verfügung zu stellen, dann könnte man tatsächlich noch dezentraler denken“, sagte Lange. Dafür müsse sich die Stadt aber engagieren: „600 Menschen in einer Einrichtung erscheint in der Tat gewaltig“, so Lange weiter. Ein Campus mit 10  000 Studierenden könne dies jedoch bewältigen. Hauptproblem: 20 Betreuer seien für 600 Menschen zu wenig: „Ob ehrenamtlich oder hauptamtlich, von der Verwaltungskraft bis zum Sozialarbeiter brauchen wir Unterstützung auf allen Ebenen.“ Bürgermeister Henning Brüggemann sieht die Stadt auf der Suche nach zusätzlichen Flächen oder Gebäuden indes nicht in der Pflicht: „Da möchte ich mir nicht die Gedanken des Landes machen.“ Natürlich seien 600 Menschen eine Herausforderung, aber das Land habe sich für eine große Einrichtung ausgesprochen.

 

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