KWKplus : 60 Millionen für die Technik der Zukunft

Frisches Holz für warme Flensburger Wohnungen: Patrick Thiel, Matthias Wolfskeil und Thomas Behler (v.l.) am Holzcontainer. Foto: Tim Riediger
Frisches Holz für warme Flensburger Wohnungen: Patrick Thiel, Matthias Wolfskeil und Thomas Behler (v.l.) am Holzcontainer. Foto: Tim Riediger

Ein Mammut-Projekt ist abgeschlossen: In fünf Jahren haben die Stadtwerke 60 Millionen Euro in das Heizkraftwerk investiert und erste Schritte zum CO2- freien Kraftwerk getan.

shz.de von
28. Januar 2009, 01:03 Uhr

Flensburg | In der neuen Halle für Ersatzbrennstoffe riecht die Luft würzig, um nicht zu sagen: streng. In drei Bunkern können hier bis zu 3600 Kubikmeter des neuen Stoffs gelagert werden, der täglich mit rund 15 Lkw bei den Stadtwerken angeliefert wird. Doch in der modrigen, kalten Luft der Halle liegt auch die Zukunft der Flensburger Energieversorgung. Denn der klein geschnipselte, gefilterte und geprüfte Gewerbemüll soll einst zusammen mit gehacktem Frischholz die riesigen Halden des energiereichen, schwarzen, aber auch teuren Stoffs überflüssig machen.

Stadtwerke-Chef Matthias Wolfskeil, sein technischer Leiter Thomas Behler und KWK-plus-Projektleiter Patrick Thiel sind überzeugt davon, dass das auch geht. Derzeit werden 17 Prozent der erforderlichen Menge an Steinkohle ersetzt, kurzfristig werden 25 Prozent angestrebt. Doch schon 2012 sollen es 35 sein, und das schon vor Monaten für 2050 proklamierte Ziel lautet 100 Prozent. Dann soll in Flensburg keine Kohle mehr verbrannt werden. Da Holz ein nachwachsender Rohstoff ist und beim Wachsen CO2 bindet, ist das Verbrennen von Holz CO2-neutral.
24000 Tonnen Kohle gespart
Schon heute ist Holz mit zehn Prozent beim Kohle-Ersatz dabei. Anders als die Müllschnipsel wird es derzeit nur kurz zwischengelagert und dann der Verbrennung zugeführt. Hier wird sich bis 2050 viel ändern müssen: Aufgrund des geringeren Heizwertes gegenüber der Kohle benötigt man das Dreifache an Gewicht und das Zwölffache an Volumen. Diese Mengen können bei den Stadtwerken nicht gelagert werden. "Deshalb brauchen wir unbedingt den Wirtschaftshafen", so Wolfskeil, "es wird hier einen regen Schiffsverkehr geben." Erste Szenarien gehen davon aus, dass ein Großteil des Holzes aus dem Baltikum kommen wird.

Szenenwechsel: Hoch oben über den nagelneuen Filteranlagen ist die Luft nicht mehr modrig, sondern schlicht heiß. Rund 40 Grad, schätzt Thiel. Hier ist man mittendrin im Geschehen. Energieerzeugung ist nicht nur heiß, sondern auch laut. "Dort wird das Rauchgas in die Filteranlage geleitet", brüllt Behler und zeigt auf ein gigantisches gekrümmtes Edelstahlrohr. Unter uns hängen 1600 beschichtete Schläuche mit einer Oberfläche von zusammen 4500 Quadratmeter. Durch die wird das Abgas geleitet und gefiltert. Ist der sich so bildende "Filterkuchen" dick genug, wird er durch einen kräftigen Luftstoß abgeschüttelt und gesammelt. Am Ende der Halle kann man ein weiteres Rohr bewundern: "Hier kommt das Reingas an." Reingas heißt: 0,65 Milligramm Staub pro Kubikmeter Luft. Der gesetzliche Grenzwert liegt bei 20, der in der Stadtwerke-Dienstanweisung festgelegte bei 10 Milligramm.

Neben der millionenschweren Hightech hat aber noch Lowtech Platz im Kraftwerk der Zukunft. In eine alte Schubkarre purzeln gelegentlich krumme, kaputte, einheitlich graue Metallteile, unter anderem auch ein alter Teelöffel. Schwer brennbare Fremdkörper, die der Sortieranlage für die Ersatzbrennstoffe entgangen sind. Der Schrottwert ist noch nicht errechnet worden.

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