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Flensburger Tageblatt

16. August 2017 | 23:58 Uhr

60 Jahre als Friseur und Seelentröster

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Peter Kuschel (74) schneidet seit seinem 14. Lebensjahr Haare / In seinem Salon am Twedter Plack feiert er mit Freunden – und blickt zurück

Seit weit über einem halben Jahrhundert schneidet Peter Kuschel seinen Kunden die Haare, berät typgerecht und sorgt dafür, dass sie sich mit ihrer Frisur wohlfühlen. Eine lange Zeit – und trotzdem kommt der Ruhestand für den 74-Jährigen (noch) nicht in Frage. Am Montag feierte er in seinem gleichnamigen Friseursalon am Twedter Plack beeindruckende 60 Jahre im Beruf mit Mitarbeiterinnen, Freunden und Familie.

„Das waren schon gewaltige Veränderungen, die ich im Laufe der Jahre erlebt habe“, erzählt Kuschel. „Früher war das so, dass die Mitarbeiter einfach gemacht haben, was der Chef gesagt hat. Heute bin ich Teamtrainer.“ Damit habe er sich aber nicht weiter schwer getan, „das hat sich nach und nach entwickelt.“

Viel eher stört Kuschel die aktuelle Diskussion über das Abschaffen der Meisterprüfungen. „Die Prüfung ist immer noch ein wichtiges Qualitätsmerkmal für unseren Berufsstand. Außerdem gibt es ja sonst niemanden mehr, der die Lehrlinge richtig ausbilden kann.“ Die Zukunft des Friseurhandwerks war Kuschel schon immer wichtig. Seit 42 Jahren ist er Innungsmitglied, mittlerweile sogar Innungsältester. Seit er Meister ist, hat er bereits 58 Lehrlinge ausgebildet, auch jetzt beschäftigt Kuschel in seinem Salon neben fünf Gesellinnen und einer Meisterin zwei Auszubildende. Allerdings würde es immer schwerer, gute Lehrlinge zu finden, sagt er. Auch aus diesem Grund würden nur noch 20 bis 25 Prozent der Betriebe überhaupt ausbilden.

Vieles, sagt Peter Kuschel, ist im Friseurberuf aber auch noch genauso wie früher. Zum Beispiel, dass der eigene Friseur eine Vertrauensperson sein sollte. Kuschel ist in erster Linie Herrenfriseur, schneidet inzwischen aber nur noch einigen wenigen Kunden die Haare, „seinen Fans“ wie seine Ehefrau Rita Kuschel sagt. Im Moment kann der Chef allerdings überhaupt nicht arbeiten – wegen eines Bandscheibenvorfalls. Früher, als Peter Kuschel nach seiner Ausbildung in Aue im Erzgebirge nach Berlin gegangen war, hat er an vielen Friseur-Wettbewerben teilgenommen. „Sogar auch an den deutschen Meisterschaften“, erzählt Rita Kuschel.

Eine Vertrauensperson ist ein Friseur aber nicht nur im handwerklichen Sinne. Peter Kuschel weiß, dass ein Friseur auch immer ein bisschen „Seelentröster“ ist. Das habe er aber nie als Nachteil empfunden – „ich schätze den persönlichen Kontakt mit den Kunden.“

Genau das, so glaubt Friseurmeisterin Yvonne Peters, ist auch der Grund, warum ihr Chef sowohl bei seinen Kunden als auch bei seinen Mitarbeitern so beliebt ist. „Für mich ist der Laden wie eine zweite Familie und auch unsere Kunden fühlen sich hier sehr wohl.“ Ihre Kollegin Gabi Jordt, die schon seit 35 Jahren im Salon arbeitet, sei die gute Seele des Betriebs. Als Friseur brauche man dieses gewisse Feingefühl, auf jeden Kunden individuell einzugehen.

Dass Peter Kuschel überhaupt nach Flensburg gekommen ist, verdankt er in erster Linie seiner Frau. Rita Kuschel ist gebürtige Dänin, sie wollte nicht in den politischen Wirren im Berlin der späten 60er-Jahre leben und so zog Peter Kuschel 1970 in den Norden. Erst arbeitete er als Angestellter im Friseursalon Meyer in der Norderstraße, dann machte er sich 1972 mit einem eigenen Geschäft in Glücksburg selbstständig. Den Friseursalon am Tewdter Plack eröffnete das Ehepaar Kuschel dann 1981.

Drei oder vier Jahre will Peter Kuschel seinen Friseursalon auf jeden Fall noch weiterführen. „Die neu eingestellte Auszubildende wollen wir noch auslernen – aber dann ist es genug.“ Ein Nachfolger steht jedenfalls schon bereit.

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erstellt am 01.Sep.2014 | 17:27 Uhr

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