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Flensburger Brauerei : 6,6 Millionen neue Bügel-Flaschen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Flensburger Brauerei wächst gegen den Trend der Brauer-Branche so stark, dass sie in Leergut investieren muss.

shz.de von
erstellt am 31.Mär.2015 | 16:40 Uhr

Flensburg | Flensburger Coup auf dem schrumpfenden Biermarkt: Während der Absatz der Braubranche seit Jahren rückläufig ist und zuletzt durchschnittlich um 1,5 Prozent schrumpfte, hat die Flensburger Brauerei 2014 mit 550000 Hektolitern fast 14 Prozent mehr verkauft als im Jahr davor. Trotz überwiegend guten Wetters und einer kleinen Sonderkonjunktur durch die Fußball-Weltmeisterschaft im Frühsommer sei der Absatz im gesamten deutschen Markt gerade mal um 0,4 Prozent gewachsen, inklusive Exportgeschäft um 0,7 Prozent, berichtete gestern der für Marketing und Vertrieb zuständige Geschäftsführer Andreas Tembrockhaus in Flensburg.

Warum die Stagnation, für die Tembrockhaus viele Gründe von der demografischen Entwicklung bis zur schrumpfenden Zahl der Eckkneipen ausmachte, die Familienbrauerei mit dem Plopp-Verschluss verschont? Zunächst sei das Wetter, das für den Bierabsatz offenbar große Bedeutung hat, im Heimatmarkt Schleswig-Holstein 2014 besser als im Rest der Republik gewesen: „Abgesehen vom August war der Sommer länger und phantastisch“, erinnert sich Tembrockhaus. Um rund sechs Prozent habe auch der Sektor der Alkoholfreien zugelegt, vor allem angetrieben vom alkoholfreien Weizenbier. Dynamisch gewachsen sei zudem das Segment Faßbrause. Hier ist Deutschlands nördlichste Brauerei mit Zitrone und zwei weiteren Varianten vertreten.

Umsatzzuwächse meldet die Brauerei mit den Bügelbierflaschen auch in den Märkten Süddeutschlands, was Tembrockhaus mit jüngsten Werbeerfolgen begründet: „2014 haben wir erstmals seit vielen Jahren wieder nationale Werbung geschaltet.“

Der Erfolg hat die Flensburger Brauerei unmittelbar investieren lassen. Allein rund 4,5 Millionen Euro flossen in neues Leergut, davon 2,3 Millionen Euro für Leergut für das jüngste Wachstum. „Wir haben 6,6 Millionen Flaschen zusätzlich eingespeist“, sagte der für Technik zuständige Geschäftsführer Hans-Peter Heyen. Das sogenannte „Aufbügeln“ der neuen Flaschen geben die Flensburger bei den Kappelner Werkstätten in Handarbeit in Auftrag.

Mittlerweile seien rund 120 Millionen Bügelbuddeln im Jahr im Umlauf, berichtete der gelernte Braumeister Heyen. Genau genommen gehe es um 40 Millionen Flaschen, die durchschnittlich drei Mal pro Jahr nach Flensburg zurückkehren und neu befüllt werden. Auch hier hat der Erfolg in den ferneren Absatzgebieten einen Negativeffekt: Die einzelne Flasche brauche deutlich länger als früher, bis sie wieder abgefüllt werden kann. Zusätzliches Problem: „Im Sommer, wenn Saison ist, ist das meiste Leergut unterwegs.“

20 bis 25 Durchläufe ist die Lebensdauer einer gläsernen Bügelflasche mit Porzellanverschluss. Für den Export verwenden die Flensburger dünnere Flaschen – mit einem Plastik-Plopp.

Die gute Konjunktur der Brauer und Mälzer in hohen Norden lässt sich auch an der Personalentwicklung ablesen. Die Mitarbeiterzahl stieg im vergangenen Jahr um zehn auf 170.

Mehr als 13 Millionen Euro hat die Flensburger Brauerei allein in den vergangenen beiden Jahren investiert – neben der Leergutoffensive zum Beispiel in zwei Bügelverschließmaschinen der neuesten Generation und in ein eigenes Blockheizkraftwerk. Die aus der Stromerzeugung frei werdenden gut drei Millionen Kilowattstunden Wärmeenergie fließen zu 100 Prozent in den Betrieb und helfen, 800 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr zu sparen.

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