Campus Flensburg : „54° nord“ ist Deutschlands beste Campuszeitung

Ausgezeichnete Magazinmacher: Lennard Wencke, Julia Gohde, Jytte Hoffmann, Britta Sowa (oben), Juliane Girl (sitzend), Dorothee Marx und Jacqueline Neuwerth ziehen sich zur Vorbereitung der achten Ausgabe, die dann „Zeile neun“ heißen wird, aufs Land zurück.
Ausgezeichnete Magazinmacher: Lennard Wencke, Julia Gohde, Jytte Hoffmann, Britta Sowa (oben), Juliane Girl (sitzend), Dorothee Marx und Jacqueline Neuwerth ziehen sich zur Vorbereitung der achten Ausgabe, die dann „Zeile neun“ heißen wird, aufs Land zurück.

Das Blatt aus Flensburg erhält den „Pro Campus-Presse Award“. „54° nord“ benennt sich um in „zeile_9“.

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14. Februar 2018, 18:14 Uhr

Flensburg | Nerds und Frauen ohne BH, eine Nacht mit einem DJ und eine doofe Weltreise, eine Hommage an die verkannte Flensburger Neustadt („Die letzte Hood“), die Erklärung, warum ein englischer Student in Flensburg für den Brexit ist: Das Themenspektrum der Ausgabe 7 des Campusmagazins Flensburg „54° nord“ unter dem Motto „I think you’re freaky!“ ist ergiebig. „Wir wollen keine Themen, die man schon x-mal gelesen hat“, erklärt Julia Gohde, Mitbegründerin des Magazins.

Dieses ist jetzt ausgezeichnet worden: „54° Nord“ hat den „Pro Campus-Presse Award 2017“ gewonnen und ist damit die beste Studierendenzeitung in Deutschland. Ein weiterer erster Preis ging an eine Zürcher Studierendenzeitung. Die Auszeichnung wird seit 2004 vergeben, zum ersten Mal seit sechs Jahren gibt es zwei Gewinner. Beide bekommen je 400 Euro Preisgeld und eine Blattkritik vor Ort. Einen Sonderpreis erhielt „UnAufgefordert“ von der Humboldt-Universität zu Berlin für den besten Artikel.

Die Flensburger haben sich gegen fast 40 Mitbewerber durchgesetzt. Die Jury aus Medienexperten habe heftig diskutiert, heißt es in der Pressemitteilung zum Preis. Die Juroren haben zwei unterschiedliche Herangehensweisen ausgezeichnet. „54° nord“ sei in der Spitze neu dabei und „fiel der Jury durch Kreativität in Verbindung mit gut gemachtem Journalismus“ auf.

Tatsächlich haben sich die Flensburger nicht zum ersten Mal beworben und „nie einen Stich gesehen“, sagt Julia Gohde. Doch jetzt sei sie „echt sprachlos“. Die Nachricht vom Sieg erreichte das Team an einem Donnerstag, am Freitag wurde gefeiert: „getroffen, getrunken, getanzt“. So geht das.

Die Jury lobt die Arbeitsweise als „experimentell, kreativ und regional auf hohem Niveau“, die „sehr gute Bildsprache“. Sie habe auch berücksichtigt, so Juror Jan Meßerschmidt, dass „die Flensburger an einem kleinen Hochschulstandort arbeiten“. Für Sabine Cole, Chefredakteurin loved GmbH, zählt zu den „herausragenden Qualitäten bei jungen Redaktionen, dass sie sich weit aus dem Fenster lehnen; hier haben die Flensburger die Nase vorn.“

Mutig zu sein, das ist erklärtes Ziel der Macher des Flensburger Campusmagazins und das habe die Jury benannt – „genau so sehen wir uns auch“, sagt Julia Gohde freudig.

Die Unabhängigkeit macht den Mut möglich. Das war den Gründern wichtig. Die saßen am Anfang zusammen und haben überschlagen: „Was wollen wir und was wollen wir nicht“, erinnert sich Gohde an die Entstehungszeit vor etwa fünf Jahren. Keine Zeitung sollte es sein für den Campus, sondern ein Magazin und „auf jeden Fall nicht abhängig von jemandem“, erzählt die 28-Jährige aus Niedersachsen. Während anfangs noch drei Mitstreiterinnen ihre Ideen im Café niederkritzelten, war das Redaktionsteam auf sechs angewachsen zur ersten Ausgabe Mitte 2013. Den harten Kern beziffert Gohde heute auf zehn Mitarbeiter. „Alle arbeiten ehrenamtlich“, betont sie.

Einige ihrer Campusmagazinkollegen haben wie sie Kultur, Sprache, Medien studiert, manche schon absolviert, einige sind nicht mehr in Flensburg, aber halten „54° nord“ die Treue. Dafür sind „absolute Überzeugung und reines Pathos“ die Gründe, sagt Gohde. Bewusst sei das Team auch für Beiträge externer Redakteure offen: Für kreative Ideen, relevante Themen ist immer Platz. Die Auflage von 2000 Stück verteilen die Flensburger sogar selbst.

Demnächst wird sich das Team wieder zur Vorbereitung der achten Ausgabe in ein Haus auf dem Lande zurückziehen. In Arbeit sei auch der Blog www.zeileneun.de, sagt Julia Gohde, um die Wartezeiten zwischen den Ausgaben, die nicht häufiger als einmal im Semester erscheinen, zu füllen. Nummer acht (Thema: „Haarige Angelegenheiten“) wird allerdings unter neuem Namen erscheinen: zeile_9. „Weil wir uns dazu gezwungen sehen“, erklärt die Mitbegründerin. „Auslöser war, dass sich ein neues Magazin aus Schleswig-Holstein einfach auch 54 Grad Nord genannt und den Namen hat patentieren lassen. Und das, obwohl es uns bereits seit vier Jahren gab.“ Der „Pro Campus-Presse Award“ sei jedoch ein „guter Abschluss für 54° nord aus Flensburg“ gewesen. „Zeile neun“ wird der neue Name sein. Und das Ziel? „Die Titelverteidigung“, sagt Julia Gohde.

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