500 Jahre Kirchenkreis - Ende der Geschichte

Präsentieren 500 Jahre Kirchenkreis-Geschichte: (von links) Dr. Dieter Pust, Pröpstin Carmen Rahlf, Synodenpräsident Rainer Hanf.
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Präsentieren 500 Jahre Kirchenkreis-Geschichte: (von links) Dr. Dieter Pust, Pröpstin Carmen Rahlf, Synodenpräsident Rainer Hanf.

500 Jahre Kirchenkreis Flensburg - mit der Fusion zum Kirchenkreis Schleswig-Flensburg geht diese Geschichte am 30. April zu Ende. Immer war die Historie geprägt von selbstbewussten Bürgern und Kirchenvertretern, die das geistliche Leben prägten. Dr. Dieter Pust hat diese Geschichte beschrieben. Die wichtigsten Daten:

shz.de von
09. März 2009, 07:47 Uhr

30. November 1526: Gerd Slewart hält die erste evangelische Predigt.

1528: Das Kloster zum heiligen Geist (heute gegenüber dem Deutschen Haus) war ein Kloster der katholischen Franziskaner. Sie waren nach dem Siegeszug der Lehren Luthers verpönt. Kurzerhand jagten die Flensburger die Franziskaner mit Sack und Pack aus ihrem Kloster und aus der Stadt.

8. April 1529: Ein Jahr nach der Vertreibung der Mönche fand in der Kirche des leer stehenden Klosters ein Religionsgespräch statt, durch das Luthers Ideen in Schleswig-Holstein allgemein bekannt wurden. Teilnehmer waren ungefähr 400 Zuhörer, darunter die wichtigsten Geistlichen des Landes.

1538: Als einen der ersten Pröpste im Herzogtum Schleswig ernennt König Christian III. G. Slewert u.a. für Flensburg. Dieses Datum gilt als Gründungsdatum der Flensburger Propstei.

1767: Drei Pröpste in der Flensburger Propstei. Für den am 21. Januar verstorbenen Propst C. E. Lundius aus St. Johannis wurde am 4. Mai als Nachfolger Michael

Geerckens von St. Nikolai berufen. Dieser starb nach zwei Monaten Amtszeit am

6. Juli. Am 28. September wurde Dr. M. Fries, Pastor an St. Marien, als Propst ernannt.

1788: Verordnung zur Abtrennung der Propstei Bredstedt, die bis dahin zurPropstei Flensburg gehörte.

1789: Der König bot an, dass der Pastor von St. Nikolai immer zugleich Propst werde, wenn die Gemeinde auf ihr Wahlrecht verzichtet und der Pastor durch den König ernannt würde. Die Nikolai-Gemeinde lehnt ab. Daher ging das Propstenamt in den Landkreis.

1788 bis 1879: In diesen hundert Jahren beherrschten die nationalen Auseinandersetzungen auch die Kirche - insbesondere in den Jahren nach 1830. Immer wieder setzt die dänische Regierung ihr genehme Kirchenvertreter ein und entlässt deutsch gesinnte Pastoren.

1854 erhielt das Herzogtum Schleswig mit U. S. Boesen aus Faaburg einen

eigenen Bischof.

1864: Nach dem deutsch-dänischen Krieg erfolgte die politische Umkehrung: die

dänischen Repräsentanten in allen öffentlichen Bereichen werden entlassen.

Ab 1867 wurde Schleswig-Holstein preußische Provinz. Damit wurden die preußischen Regelungen

verbindlich, auch in der Kirche. Die Gemeindeordnung von 1869 und die Synodalordnung von 1876 wurden Grundlage für die neue Propstei ab 1879.

16. August 1869: Schleswig-Holstein wurde 1867 nach dem deutsch-dänischen Krieg preußische Provinz und damit galten die preußischen Gesetze. Nach umfangreichen Vorarbeiten wurde durch königliche Verordnung am 16. August 1869 eine "Gemeinde-Ordnung für die evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden in der Provinz SH" erlassen. Sie war Grundlage für die Wahl von Gemeindevertretern und die Bildung von Kirchenvorständen. Mit dem Erlass wurde auch eine außerordentliche Provinzialsynode in Aussicht genommen.

4. November 1876: Diese Synode legte die "Kirchengemeinde- und Synodalordnung" für die Landeskirche vor - damit wurde die Selbstverwaltung, also die demokratische Ordnung, im kirchlichen Bereich eingeführt.

1882: Die kirchlichen Verhältnisse waren sehr"geordnet". Im Jahre 1882 kamen auf 1022 Todesfälle in der Propstei selbstverständlich

auch 1022 kirchliche Beerdigungen, ebenso auf 1357 Geburten 1357 Taufen. Kirchenaustritte gab es nicht, abgesehen von einigen Übertritten zu den Baptisten und Methodisten, die seit 1864 in Flensburg Gottesdienste hielten und mit einigen Juden zu den "Religionsverwandten"gezählt wurden.

23. Juli 1933: Bei den von den Nazi-treuen Deutschen Christen manipulierten Kirchenwahlen verhalfen Lensch und Kähler den Mitgliedern der Deutschen Christen in allen Flensburger Gemeindevertretungen und in der Propsteisynode zur Mehrheit. Auch in der Landessynode vom 12. September hatten die Vertreter der Deutschen Christen die Mehrheit: Pröpste der Deutschen Christen wurden eingesetzt.

25. Oktober 1933: In Flensburg wurde Propst Siemonsen - trotz rechtlichen Widerstandes - als Propst "ausgeschaltet" und an die Altonaer Luthergemeinde versetzt. Nachfolger wurde Propst Hasselmann. Der war zwar 1932/33 noch Mitautor des "Altonaer Bekenntnisses", hatte sich aber inzwischen den Deutschen Christen angeschlossen.

19. November 1933: Hasselmanns Amtseinführung zum Lutherjubiläum - 450. Wiederkehr seines Geburtstages, verschoben vom 10. auf den 19. November - wurde im Beisein des Landesbischofs Paulsen und den örtlichen Repräsentantenaus NSDAP und Politik sowie der nationalen Kampfverbände zu einer Feier der "zweiten deutschen Reformation" hochstilisiert.

Ende 1934 Hasselmann und Paulsen treten wegen des Gleichschaltungskon -fliktes mit der Reichskirche aus der Bewegung der Deutschen Christen aus.

Oktober 1936: Es erscheint heute kaum glaubhaft, dass dass die örtliche Gruppe der NS-oppositionellen Bekennenden Kirche im in St. Marien eine evangelische Woche durchführte, an deren Veranstaltungen 10.000 Menschen teilnahmen. Der Haftbefehl der Gestapo gegen den Gastredner Herntrich, Dozent an der Kirchlichen Hochschule in Bethel, war unzustellbar. Erst nach dem Vortrag erfolgte die Verhaftung.

Unter dem Rektor der Diako, Pastor Adolf Thomsen, hielten die Flensburger Vertreter der der Bekennenden Kirche ihren Kurs einer allein aus sich bestimmten Kirche durch, öffentlich und mit steigendem Zuspruch.

Nach 1945: Wie im staatlichen Bereich wurden auch bei der Ev. Kirche Verwaltung und gewählte Vertretung voneinander getrennt.

1958: Die Rechtsordnung ermöglichte die Wahl kirchlicher Laien in führende Positionen, z.B. beim Vorsitz in Synoden und Kirchenvorständen.

März 1967: Die Apo-Zeit schwappt auch nach Flensburg über. Nach langer, emotionaler Diskussion wird aus der Marienkirche die Skulptur des "Kriegers", eines Denkmals für Gefallene, entfernt.

1976: Gründung der Nord-Elbischen Kirche (NEK).

1977: Die bisherigen "Propsteien" wurden zu "Kirchenkreisen."

24. August 1997: Beseitigung einer Grenzland-Altlast durch die neue Pröpstin Jutta Gross-Ricker: Die Kirchengemeinde St. Marien übergibt feierlich die ihr gehörende Heiliggeistkirche an die Dansk Kirke i Sydslesvig. Über 400 Jahre nutzten dänische Gläubige die Kirche, die gewünschte Übergabe wurde aber immer verweigert.

7. September 1998: Während einer Feier stoßen Pröpstin Jutta Gross-Ricker und ihr Ehemann mit über hundert Gästen auf die Trauung an, nachdem über die "wilde Ehe" der Pröpstin im Kirchenkreis intensiv diskutiert worden war.

28. April 2005: Die Flensburger Synode stimmt der Fusion der Kirchenkreise Flensburg, Schleswig und Angeln zu.

5. März 2009: Letzte Sitzung der Flensburger Synode.

1. Mai 2009: Fusion der drei Kirchenkreise zum Kirchenkreis Schleswig-Flensburg.
Die Ausstellung
Eine Fülle von Dokumenten hat der Flensburger Kirchenhistoriker Dr. Dieter Pust gesichtet und ausgewertet, um anhand von wichtigen Daten die Geschichte des Kirchenkreises darzustellen. Gleichzeitig wurden die Dokumente, Grafiken und Fotos reproduziert, um in einer Ausstellung auf elf Tafeln diesen zentralen Teil der Geschichte der Stadt und ihrer ländlichen Umgebung zu zeigen. Die Ausstellung ist ab heute bis zum 27. März in der Nikolaikirche am Südermarkt zu sehen. Die Ausstellung ist zugänglich täglich von 9 bis bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Erschienen ist gleichzeitig die Broschüre „Die Propst Flensburg von 1538 bis 2009“. Sie hat 54 Seiten und gib die Fülle der Dokumente zur Geschichte des Kirchenkreises wieder, ergänzt um eine Aufzählung der Pröpste, die Synodenvorsitzenden und die Geschichte des Spanuth-Hauses. Die Broschüre ist kostenlos erhältlich bei der Pressestelle des Kirchenkreises, Große Straße 58, 24937 Flensburg, Telefon 0461 / 168 27 21.

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