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Flensburger Tageblatt

22. August 2017 | 09:47 Uhr

45 Ostseeschüler auf sich allein gestellt

vom

Das Projekt "Herausforderung": Alle Acht- und Neuntklässler sind drei Wochen auf Achse und haben sich dafür besondere Aufgaben gestellt

Flensburg | Es ist ein feierlicher Moment: 45 Schüler des 8. und 9. Jahrgangs verlassen das Schulgelände durch ein improvisiertes Tor aus Holzstäben und Wimpeln, jeder Name wird laut ausgerufen, es wird applaudiert, und dann lassen die ausgerufenen Schüler jeder einen Luftballon steigen. Drei Wochen lang sind sie nun unterwegs, weg von zu Hause, weg von der Schule, auf sich allein gestellt. Eine Herausforderung für einen 14-Jährigen und eine 15-Jährige. So heißt das neue Projekt der Ostseeschule: Herausforderung.

"Wir haben das nicht erfunden", sagt Schulleiter Ulrich Dehn. "Andere reformpädagogische Schulen machen das schon länger." Doch in Schleswig-Holstein ist man wohl Pionier. Die Schüler hatten ein halbes Jahr Zeit, sich eine Herausforderung zu überlegen und diese von Anfang bis Ende durchzuplanen. Dabei sind höchst unterschiedliche Projekte entstanden.

Da ist zum Beispiel Kajus Jäger, 14, ein baumlanger, stabiler Kerl aus der 9. Klasse mit einem Piercing im Ohr. "Ich gehe zu Fuß nach Bremen", sagt er ganz selbstbewusst, und wenn man ihn anschaut, gibt es eigentlich keine Zweifel daran, dass er das schafft. Die Trekkingschuhe sind neu, "ich hatte vorher gar keine". Der Rucksack wiegt 12 Kilo, ein Lehrer, der ihn anhebt, schätzt 20. Am ersten Tag geht es nach Tarp, danach jeden Tag 20 Kilometer weiter, übernachtet wird in Kirchengemeinden.

Denn Kajus hat nur 150 Euro dabei, damit muss er - wie alle anderen Kinder auch - auskommen. Auch die vier Mädchen, Antonia, Julia B, Julia P. und Saskia, die schon früh morgens um halb sechs mit dem Zug nach Frankreich aufgebrochen sind. Und Kenneth, Manuel und Linus, die mit dem Rad nach Emmelsbüll-Horsbüll fahren, um in Klanxbüll in einem Laden zu jobben und später älteren Menschen ein wenig unter die Arme greifen. Und Annika und Jule, die nach Kappeln fahren, oder Ruben, der nach Norwegen reist, um auf einer Schlittenhundefarm zu arbeiten. Ein paar Jungs radeln bis nach Skagen und haben sich auf der Strecke freie Zeltplätze ausgesucht, die es in Dänemark an einigen Stellen gibt. Auch das betagte Boot der Ostseeschule, das im Industriehafen liegt, wird flott gemacht und mit einer Gruppe Schülern zur Großen Ochseninsel gefahren. Dort wird zwei Wochen an den Boot gearbeitet.

"Wir sind uns sicher, dass jeder seine Herausforderung gefunden hat, die zu ihm passt und die angemessen ist", sagt Ulrich Dehn. Natürlich sind die Schüler versichert, natürlich sind die Eltern eingebunden. Viele sind aber nicht zur Verabschiedung gekommen, dafür stehen aber ganz viele Schüler, die zu Hause bleiben, Spalier. Und die eine oder andere Träne fließt bei den Zurückgelassenen auch. "In vier Wochen wissen wir, was die Schüler alles erlebt haben", freut sich Lehrerin Ulrike Stockhaus, die das Projekt Herausforderung betreut. Dann ist die große Präsentation in der Ostseeschule.

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erstellt am 06.Aug.2013 | 05:59 Uhr

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