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Region Flensburg : 39 Gemeinden gehen Klimaschutz an

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kommunen in der Region Flensburg wollen bis 2050 die CO2-Neutralität schaffen. Der Harrisleer Bürgermeister Martin Ellermann bezeichnet das als ein „ambitioniertes Ziel“.

shz.de von
erstellt am 23.Apr.2015 | 17:15 Uhr

Harrislee | „Wir brauchen eine Emissions-Vollbremsung“, sagt Klimaforscher Olav Hohmeyer. Damit bezieht er sich auf den Kohlendioxidausstoß (CO2) im Raum Flensburg, der, wenn er nicht gestoppt wird, fatale Folgen für das Klima haben wird. Um den Klimawandel nicht weiter voranzutreiben, haben 39 Kommunen der Region Flensburg innerhalb eines Jahres ein Konzept zum Klimaschutz erstellt, das Projektleiterin Julia Schirrmacher von der Firma SCS Hohmeyer/Partner nun an den Harrisleer Bürgermeister Martin Ellermann zur Umsetzung übergab.

Bis 2050 wollen die Kommunen wie ihr großer Nachbar, die Stadt Flensburg, frei von überschüssigem CO2-Ausstoß sein – was Ellermann als „ambitioniert“ bezeichnet. Der Plan ist, in spätestens 36 Jahren nur so viel CO2 zu produzieren, wie die natürliche Umgebung aufnehmen und verarbeiten kann. Wie die Gemeinden das schaffen können, hat das Team des Instituts SCS Hohmeyer ausgearbeitet: Julia Schirrmacher, Jördes Wüstermann und Martin Beer. Im Rahmen des Projekts wurden auch die Bürger dazu gerufen, die sich in regelmäßigen Workshops mit dem Team zusammensetzten.

Innerhalb der vergangenen zwölf Monate hat das Team die Energieverbräuche und CO2-Emissionen der Region aufgelistet. Betrachtet hat es dabei den kommunalen Einflussbereich, Haushalte, den Verkehr, Unternehmen, die Landwirtschaft und die Energieversorgung. Heraus kam, dass die Haushalte und der Verkehr am meisten Energie verbrauchen und Kohlendioxid ausstoßen. „Wenn wir so weiter machen wie bisher, werden die Emissionen um 18 Prozent reduziert“, veranschaulicht Jördes Wüstermann. Wenn man jedoch das Konzept umsetze, könnten bis 2050 36 Prozent der Emissionen eingestellt werden.

Doch bis dahin gibt es einiges zu tun. Mögliche Maßnahmen zur Reduktion der Emissionen sind zum Beispiel, den Stromverbrauch in kommunalen Gebäuden zu reduzieren, indem effiziente Bürogeräte benutzt werden. Zudem wäre eine energetische Gebäudesanierung, etwa durch Wärmeschutzdämmung, sinnvoll. Privathaushalte können Energie sparen, indem das Licht in Räumen ausgeschaltet wird, in denen sich niemand aufhält. Eine weitere Lösung ist, den Warmwasserbedarf durch eine Durchflussregelung zu regulieren. Im Bereich Verkehr setzt das Team auf die Stärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs, Carsharing und die Verbesserung der Rad-Infrastruktur.

Doch woher wissen die Bürger, welche Maßnahme für sie angebracht ist? Auch daran hat das Projektteam gedacht. „Durch Sanierungsstammtische, Energiespar-Checks und Kampagnen werden die Menschen über das Thema informiert“, erklärt Wüstermann. Schirrmacher fügt hinzu, dass es außerdem wichtig sei, die Dorfgemeinschaft zu aktivieren und Netzwerke zu nutzen oder zu schaffen. Auch auf die richtige Öffentlichkeitsarbeit käme es an. Und natürlich auf die Organisation des Klimaschutzprogramms.

Dafür sieht das Team ein Klimaschutzmanagement (KSM) vor, das sich um ausgewählte Maßnahmen, wie etwa einen kommunalen Fuhrpark für Elektromobilität, kümmert und diese koordiniert. Für das KSM sind zusätzliche Kapazitäten erforderlich, die durch zwei neu geschaffene Stellen abgedeckt würden. Insgesamt müssten dafür 150  000 Euro pro Jahr in die Hand genommen werden. Schirrmacher empfiehlt dabei, Förderprogramme zu nutzen und sich als Modell-Kommune für den Masterplan zu bewerben.

Damit der Klimaschutzprozess erfolgreich abläuft, ist eine effektive Zusammenarbeit wichtig – sowohl der Kommunen untereinander als auch mit der Stadt und dem Klimapakt Flensburg. In der nächsten Zeit steht die Beratung zur Organisation des Klimaschutzprozesses im Kreise der Kommunen an. Außerdem müssen KSM-Stellen beantragt werden. Der Bürgermeister und der kommissarische Stadt-Umland-Sprecher Horst Rudolph nehmen jedoch die Herausforderung an: „Klimaschutz berührt und bewegt uns in allen Lebensbereichen“.

 

 

 

 

 

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