Demo am Montag : 3000 gegen Pegida: Flensburg setzt ein Zeichen

Das ist das Volk! Generationen- und Nationen-übergreifend gingen die Menschen zu Tausenden auf die Straße
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Das ist das Volk! Generationen- und Nationen-übergreifend gingen die Menschen zu Tausenden auf die Straße

Das vier Wochen alte Bündnis “NoPegida“ mobilisierte eine Großdemonstration in Flensburg. Generationen- und Nationen-übergreifend gingen die Menschen zu Tausenden auf die Straße. Unser Redakteur war vor Ort.

shz.de von
20. Januar 2015, 10:26 Uhr

Flensburg | Das war für Flensburger Verhältnisse durchaus ein Statement – und für das nicht mal vier Wochen alte Bündnis „#NoPegida“ ein Riesenerfolg. Gut 3000 Menschen folgten gestern Abend dem Aufruf zum Marsch durch die Innenstadt und Kundgebung für ein buntes Flensburg auf dem Südermarkt. Der Platz erlebte eine denkwürdige internationale, Christen, Muslime und Juden umfassende Demonstration für Frieden, Freiheit und Toleranz.

Mitorganisatorin Simone Lange war nachher mächtig bewegt. „Auf Facebook hatten sich 1000 Leute angemeldet. Meistens kommt dann ja nur die Hälfte, aber das hier hätten wir nie erwartet, freute sich die Landtagsabgeordnete.“ Es schien, als sei es den Bewohnern Flensburgs und des Umlandes wichtig, in diesen Zeiten ein Zeichen zu setzen. Und Umland meinte nicht nur Flensburg und deutsche Umgebung – viele der Danebrogs, die neben Schwarz-Rot-Gold und dem türkischen Halbmond im Abendhimmel wehten, waren mit ihren Trägern von jenseits der Grenze gekommen.

Gershon Jessen, Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde in Flensburg, zeigte sich am Kundgebungsplatz überwältigt. „So viele Menschen“, rief er aus, „Flensburg ist wirklich eine besondere Stadt!“ In Paris sah Jessen „fanatische Monster“ am Werk. „Wir alle müssen aufstehen gegen die Radikalisierung“, forderte er. Keine Religion dieser Welt dieser Welt rufe zum Morden auf. Freie Gesellschaften seien verwundbar. „Wir müssen den Willen zeigen, Demokratie und Freiheit zu verteidigen.“ Der Zusammenhalt der Menschen, so wie er in diesem Augenblick auf dem Südermarkt praktiziert wurde, sei für den Terrorismus die größte Gefahr. Für Jessen ist klar, war diesen Kampf gewinnen wird. „Das letzte Wort haben wir. Shalom“, schloss er heftig umjubelt.

Anke Spoorendonk, stellvertretende Ministerpräsidentin, rief wie Jessen auf, die gemeinsamen Werte zu verteidigen und die Deutungshoheit schon gar nicht Bewegungen wie Pegida zu überlassen. Vor allem aber war es ihr wichtig, vor Augen zu führen, dass die weltweit meisten Opfer, die meisten Flüchtlinge vor islamistischem Terror Muslime sind. Opfer, die Bewegungen wie Pegida zynisch in Sippenhaft nähmen.

Sedat Simcek, Vorsitzender der islamischen Religionsgemeinschaft für Hamburg-und Schleswig Holstein, verurteilte den Terror von Paris als feiges Attentat – wie übrigens auch die Morde des rechtsradikalen NSU. Er mahnte eindringlich: „Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wie Hass uns spaltet!“ Die Taten des Terrors seien nicht mit keiner einzigen Religion zu rechtfertigen. „Das sind Mörderbanden, und sie sind eine Plage und Schande für die gesamte Menschheit.“ Auch er wertete den großen Erfolg der Demonstration als klares Bekenntnis, gemeinsame Werte zu verteidigen. Die ganz, ganz große Mehrheit bekenne sich zu einem modernen, aufgeklärten, toleranten Land. „Wir alle sind Deutschland. Und wir haben ein starkes Zeichen gesetzt. Salem Aleikum!“

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