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Prozessauftakt : 26-Jähriger gesteht Vergewaltigung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Prozessauftakt vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts.

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Flensburg | Das Phantombild ist dem Täter wie aus dem Gesicht geschnitten. Und es war ein wichtiger Baustein für die Flensburger Kripo, der schließlich zur Festnahme des Mannes führte, der am 8. April dieses Jahres eine junge Frau auf dem Alten Friedhof mit äußerster Brutalität vergewaltigt haben soll.

Jetzt sitzt M. auf der Anklagebank. Kräftige Statur, kurze Haare, schwarze Ohrstecker. Olivgrünes T-Shirt, dunkle Jeans und Turnschuhe, Tattoos auf den Armen. Er folgt der Verlesung der Anklageschrift mit gesenktem Blick. Staatsanwalt Björn Dellius führt aus, wie der Mann gegen 5.45 Uhr die Krankenschwester auf ihrem Weg zum Arbeitsplatz abfängt, sie von dem parallel zur Stuhrsallee führenden Weg an den Haaren in ein Gebüsch zerrt. Der Albtraum nimmt seinen Lauf. Er würgt sie, beschimpft sie, als sie laut aufschreit, auf übelste Weise, schlägt ihr mit der Faust ins Gesicht. Die 23-Jährige will den Notruf wählen, übergibt ihm aber nach anfänglicher Gegenwehr das Handy – aus Angst vor weiterer Gewalt. An einem Grabstein vergeht er sich an ihr. Mehrfach. Es würde ihr schon gefallen, sagt er. Das Martyrium ist noch nicht vorbei, als sie ihn anfleht, jetzt gehen zu dürfen. Die Antwort: Ja, es sei bald vorbei. Dann vergewaltigt der Mann sie erneut. Bevor er die Flucht ergreift, vergisst er nicht, ihr das Smartphone zurückzugeben und sich zu entschuldigen. Er bedaure, dass er sie geschlagen habe. Jetzt erst wählt sein Opfer die 110.

Der Angeklagte äußert sich zu den Vorwürfen nicht persönlich. Aber er lässt über seine Anwältin Rebecka Schöpfer-Chatterton eine Erklärung verlesen, die einem Geständnis gleichzusetzen ist. Eine Erklärung, die in Details teilweise wörtlich die Anklageschrift wiedergibt. Demnach habe er bereits am Nachmittag des Tages vor der Tat mit Freunden „vorgeglüht“. Bier, Schnaps, Kokain. Später habe er zudem die Droge Liquid Ecstasy probiert. Erst in den Morgenstunden habe er sich auf den Heimweg gemacht und auf dem Friedhof sein späteres Opfer entdeckt. Nachdem er ihr gefolgt sei, sei er über sie hergefallen, habe sie in den Schwitzkasten genommen und zu Boden gerissen. Er habe sie beschimpft, weil sie auf schlimmste Weise geschrien habe. Dann sei es zu den Vergewaltigungen gekommen. Zu Hause angekommen, habe er sich aufs Sofa gelegt und sei eingeschlafen. Was passiert sei, tue ihm leid. Zu seiner Festnahme, die nach einem DNA-Abgleich beim Landeskriminalamt auf den Weg gebracht wurde, lässt er verlauten: „Ich hätte verstanden, wenn die Polizei mich erstmal zusammenschlägt für das, was ich getan habe.“

Und noch etwas möchte der 26-Jährige „am liebsten ungeschehen machen“. Das betrifft neben einigen Einbruchdiebstählen einen weiteren Anklagepunkt. Am 12. September 2014 fährt M. mit seinem Fahrrad in der Mittagszeit durch die Marienhölzung. Er folgt einer Joggerin und fotografiert sie. „Ich fand sie sehr hübsch.“ Als sie ihm das Handy entreißen will, tritt er sie in die Magengegend. „Und“, gibt er zu, „ich fasste nach ihrer Brust.“

Für seine Taten, zeigt sich M. reuig, möchte Verantwortung übernehmen und seinem Opfer ersparen, vor Gericht „alles erneut erklären zu müssen“. Doch die Aussage bleibt dem Vergewaltigungsopfer nicht erspart – allerdings findet sie auf Antrag sowohl der Verteidigung als auch der Nebenklägerin unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil, so Richter Michael Lemke, „bei der Vernehmung des Opfers persönliche Lebensbereiche zur Sprache kommen, deren öffentliche Erörterung schutzwürdige Interessen verletzen würde“. Christoph Seiffert, Anwalt des Opfers: „Meine Mandantin leidet sehr unter den Folgen der Tat.“ Es sei schon eine erhebliche Belastung für sie, wenn sie im Beisein des Angeklagten aussagen werde. Man müsse Weinkrämpfe oder gar einen Nervenzusammenbruch befürchten. Der Prozess wird heute um 9.15 Uhr fortgesetzt; für Montag, 19. Oktober, wird mit der Urteilsverkündung gerechnet.







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