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Flensburger Bahnhof : 2500 Flüchtlinge an nur einem Tag

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Innenminister Stefan Studt machte sich gestern ein Bild von der Brandstelle an der Travestraße sowie von der Situation am Flensburger Bahnhof.

Zweieinhalb Tage nach dem mutmaßlichen Brandanschlag auf die geplante Flüchtlingsunterkunft im SBV-Hochhaus an der Travestraße 28 laufen die Ermittlungen von Polizei, Landeskriminalamt und Staatsschutz auf Hochtouren: „Wir haben schon sehr, sehr viele Spuren abgeklärt“, berichtete gestern Mathias Engelmann, Leiter der Bezirkskriminalinspektion Flensburg. Engelmann und Oberbürgermeister Simon Faber berichteten Innenminister Stefan Studt (SPD) gestern kurz nach Mittag den aktuellen Stand.

Am Freitagfrüh gegen 1.15 Uhr war in einer Ein-Zimmer-Wohnung nach einem Knall eine Scheibe herausgeflogen: „Wir gehen davon aus, dass ein Brandbeschleuniger gezündet wurde“, berichtete Engelmann dem Minister. Brandschäden gebe es lediglich in einer Wohnung sowie überwiegend Ruß sowie ein weiteres beschädigtes Fenster an der Außenfassade. Das Quartier in Fruerlund und der Selbsthilfe-Bauverein (SBV) hatten nicht nur Glück, dass der Brandsatz schnell erlosch: „Es hat sehr stark und sehr kurz gebrannt, so der Kripochef.“ Nach Tageblatt-Informationen war die Nachbarwohnung komplett voll mit Sperrmüll und hätte bei einem Übergreifen der Flammen womöglich den Brand unmittelbar befeuert.

Man ermittele mit großem Polizeieinsatz und massiver Unterstützung von LKA und Staatsschutz, hieß es weiter. Die Stadt Flensburg hat nach dem Brand an der Travestraße für alle größeren Objekte eine 24-Stunden-Bewachung organisiert. Das dürfte die fünf bekannten größeren Standorte in der Stadt betreffen sowie die beiden großen in Weiche, die im Januar bezogen werden sollen: „Das bauen wir übers Wochenende gerade aus“, berichtete OB Faber. Dadurch kommen auf die Stadt zusätzliche Kosten in sechsstelliger Höhe zu, hatte Fabers Sprecher Clemens Teschendorf bereits am Rande der Bahnhofs-Demo am Freitagabend erklärt. Ob der SBV nun, da die Bedingung einer Rund-um-die-Uhr-Präsenz von der Stadt erfüllt werde, mehr als die bislang geplanten Etagen 2 und 3 des achtstöckigen Hochhauses für bislang maximal 46 Flüchtlinge um eine oder zwei weitere Etagen erhöhen werde, konnte Faber nicht sagen. Ursprünglich sollten die Schlüssel für die Travestraße heute übergeben und das Haus nächsten Montag bezogen werden. Wie lange sich der Einzug bei überschaubaren Schäden nun verzögere, sei noch nicht klar. Es werde sicher dazu führen, dass die vergleichsweise teuer angemieteten Unterkünfte im Hostel länger genutzt werden müssten.

Unterdessen erlebte der Flensburger Bahnhof am Wochenende den größten Ansturm an Transitflüchtlingen nach Skandinavien seit Beginn des Ausnahmezustandes am 9. September. Mitorganisatorin Simone Lange berichtete gestern früh, dass 457 Durchreisende in den Turnhallen an der Friesischen Lücke übernachtet hätten. Insgesamt kamen Sonnabend 2500 durchreisende Flüchtlinge am Bahnhof an, gestern wurden ebenso viele erwartet. Hauptproblem: Als in der Nacht zu Sonntag um 0 und 2 Uhr noch Flüchtlinge in größerer Zahl in Flensburg eintrafen, konnten sie nicht mehr Richtung Kopenhagen weiterreisen. Trotz der enormen Flüchtlingszahlen sei es auch gestern schnell gelungen, genug Lebensmittel zu bekommen: „Die Spendenbereitschaft der Flensburger Bevölkerung sowie von Flensburger und Glücksburger Unternehmern ist sagenhaft“, erklärte sie. Um bei diesen Durchreisezahlen den Umstieg zusätzlicher Flüchtlinge in dänische Busse am Bahnhofsvorplatz besser zu organisieren, zimmerte das THW am Sonnabend eine Absperrung aus Holzzäunen.

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erstellt am 19.Okt.2015 | 07:48 Uhr

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